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Fokus Osteuropa

"Für deutsche Firmen sieht es in Usbekistan recht gut aus"

Usbekistan bleibt von der weltweiten Wirtschaftskrise nicht verschont. Für deutsche Firmen bieten sich dort dennoch Chancen. Jörg Hetsch, Delegierter der deutschen Wirtschaft für Zentralasien, berichtet im DW-Interview.

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Deutsche Welle: Herr Hetsch, wie bewerten Sie die Auswirkungen der weltweiten Krise auf die usbekische Wirtschaft?

Jörg Hetsch: Usbekistan bleibt natürlich von der Krise nicht verschont. Man muss aber auch sagen, dass Usbekistan aufgrund der geringeren Einbindung in den internationalen Kapitalmarkt noch glimpflicher aus der Krise herausgegangen ist als andere Länder wie beispielsweise Kasachstan. Allerdings ist Usbekistan ein export-orientiertes Land für Rohstoff. Der Preisverfall für die meisten Rohstoffe, die Usbekistan exportiert, hat natürlich seinen Einfluss auf die Lage in Usbekistan. Dabei nehme ich Gold aus, das immer noch relativ stabil ist. Ein anderer wichtiger Exportzweig Usbekistans ist der Automarkt. Für das Werk GM-Usbekistan, früher UzDawooAvto, ist Russland ein sehr wichtiger Exportmarkt. Aber der ist mehr oder weniger zusammengebrochen. Ende letzten Jahres hat es eine Drosselung der Produktion des Werks um 50 Prozent gegeben.

Haben sich die Bedingungen für ausländische Investoren, darunter aus Deutschland, im letzten Jahr verbessert?

Ich würde nicht sagen, dass sich dort die Bedingungen für Investoren in letzter Zeit verschlechtert haben. Die Firmen, die ernsthaft im Lande investieren, haben natürlich mit den üblichen Problemen zu kämpfen, die wir aus Usbekistan und anderen zentralasiatischen Ländern kennen: sei es nun Bürokratie, sei es zum Teil auch Korruption, sei es zum Teil sehr langwieriger Papierkrieg. In Usbekistan kommt dazu, dass es dort in letzter Zeit Probleme bei der Konvertierung der einheimischen Währung gibt. Das trifft allerdings weniger die Investoren, sondern mehr die Firmen, die mit Usbekistan Handel treiben wollen. Man muss immer unterscheiden zwischen Firmen, die mit ernsthaften Investitionsinteressen nach Usbekistan oder nach Zentralasien gehen, und den Firmen, die mit einem Büro vertreten sind und versuchen, über lokale Partner ihre Produkte, ihren Service anzubieten und zu verkaufen. Ansonsten sieht es im Bereich größerer Projekte für deutsche Firmen recht gut aus, vor allem, wenn es um Geschäfte geht, die mit dem Staat gemacht werden. Daimler hat im letzten Jahr einen Vertrag abgeschlossen über die Lieferung von 200 Stadtbussen nach Taschkent. Ein Vertrag über weitere 300 Busse für dieses Jahr ist in Vorbereitung. Wer in Usbekistan hartnäckig bleibt, hat auch unter den gegenwärtig verschärfteren Bedingungen recht gute Chancen, dort gute Geschäfte zu machen.

Wie intensiv sind die deutschen Wirtschaftskontakte zu Usbekistan im Vergleich zu den Beziehungen, die Deutschland zu den anderen zentralasiatischen Staaten unterhält?

Usbekistan liegt beim Umsatz des Außenhandels wie bei der Zahl der deutschen Firmen, die in Usbekistan vertreten sind, an zweiter Stelle, wenn man sich alle fünf zentralasiatischen Staaten anschaut. Der Außenhandel ist im letzten Jahr wieder leicht gestiegen. Er lag im letzten Jahr bei etwa 350 Millionen Euro, mit der Tendenz zum Wachsen. Wir haben zum gegenwärtigen Zeitpunkt knapp 80 deutsche Firmen, die mit einer Repräsentanz oder zum Teil auch mit einer GmbH in Usbekistan vertreten sind. Das ist gemessen an Gesamt-Zentralasien recht viel.

Das Gespräch führte Vitali Volkov / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Bernd Johann