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Wirtschaft

Für den Mittelstand ist Libyen ein Flop

Die Kontaktpflege mit Libyen verläuft für die zuständige deutsche Industrie- und Handelskammer im Sande. Die Hoffnung mittelständischer Unternehmen auf neue Absatzmärkte bleibt eine Fata Morgana.

Blick über die Hafenanlage der libyschen Hauptstadt Tripolis (Foto: dpa)

Hafenanlage der libyschen Hauptstadt Tripolis

Tillmann Neinhaus von der IHK Mittleres Ruhrgebiet (Foto: IHK)

Tillmann Neinhaus von der IHK Mittleres Ruhrgebiet

Die deutsche Wirtschaft ist stark exportorientiert. Das gilt auch für mittelständische Unternehmen. Allerdings ist keine deutsche Industrie- und Handelskammer in der Lage, weltweite Wirtschaftskontakte im Alleingang zu pflegen. Darum haben diese Kammern die Wirtschaftsregionen auf dem Globus untereinander aufgeteilt. So liegt die Federführung für Nordafrika und somit auch Libyen seit über 20 Jahren bei der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet.

Zu den Aufgaben gehört dabei vor allem, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Tillmann Neinhaus erläutert, "hier besondere Erfahrungen, Erkenntnisse zu speichern, um sie an exportorientierte Firmen weiterzugeben. Und das waren in erster Linie zunächst Marokko, Algerien. Und irgendwann kamen dann auch Tunesien und Libyen dazu."

Schon früh ein Flop

Ölförderung in Libyen (Foto: ap)

Ölförderung in Libyen

Mit einer Exportquote von 52 Prozent zählt die IHK Mittleres Ruhrgebiet zu den exportstärksten der Republik. Und da Libyen über beträchtliche Vorräte an Erdöl- und Erdgas verfügt, gingen die mittelständischen Unternehmen dieser IHK davon aus, gerade in diesem Land neue Absatzmärkte erschließen zu können.

Ein Trugschluss, wie der Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet nüchtern feststellt. Lediglich Algerien und Marokko haben sich für mittelständische Unternehmen zu so etwas wie Exportmärkten entwickelt. Aber auch nur, unterstreicht Neinhaus, "in sehr, sehr begrenztem Umfang".

Libyen dagegen habe sich schon relativ früh als Flop erwiesen. Trotz diverser Versuche, den Austausch zu fördern. "Wir haben sogar eine Partnerschaft 2000 begründet mit einer libyschen IHK und dann aber sehr schnell gemerkt, dass diese Partnerschaft nicht mit echtem Leben gefüllt werden konnte."

Bilanz des Scheiterns

Thyssen Krupp Symbolbild (Foto: dw)

Gute Geschäfte für Konzerne wie Thyssen-Krupp

Geschäfte mit dem nordafrikanischen Staat betreiben etwa 40 deutsche Unternehmen. Allen voran Bau-, Energie- und Technologiekonzerne wie RWE, Eon, Thyssen-Krupp, Siemens und Wintershall. Für mittelständische Unternehmen dagegen blieb Libyen durchweg eine terra incognita. Aus mehreren Gründen. "Von den wenigen Unternehmen, denen wir Exportkontakte tatsächlich praktisch vermitteln konnten, sind fast dann alle wieder gestrauchelt", zieht Neinhaus eine Bilanz des Scheiterns.

Das lag entweder am Zuständigkeitswirrwarr der libyschen Behörden oder an der Cliquenwirtschaft bis hin zur Korruption. Aber auch an sogenannten "nicht tarifären" Handelshemmnissen. Also an überteuerten Einfuhrzöllen sowie künstlich hoch gehaltenen Normen.

Tillmann Neinhaus will aber ebenso wenig unter den Teppich kehren, dass auch die in Libyen gängige Bakschisch-Praxis deutsche Unternehmen veranlasst hat, Abstand von Investitionen und Projekten im Gaddafi-Staat zu nehmen. Obwohl das Land jährlich Waren von rund 24,5 Milliarden US-Dollar importiert, profitieren davon nur wenige deutsche Unternehmen.

Im Bereich normaler Handelswaren, merkt Tillmann Neinhaus an, gehöre die Bundesrepublik nun einmal nicht zu den führenden Exportnationen. Insofern hat sich die Zuständigkeit der Kammer für die Mitgliedsunternehmen nicht ausgezahlt. "Der deutsche Mittelstand, der ja unser Kernstück ist nach wie vor, darunter der Maschinenbau, der hat in Libyen praktisch kaum Möglichkeiten gehabt und hat sie auch heute nicht."

Cliquenwirtschaft schreckt ab

Und das liegt nach den Erfahrungen - nicht nur der IHK Mittleres Ruhrgebiet - wesentlich an den Machtstrukturen. Angefangen von den Clans der Gaddafi-Familie bis zum Einflussbereich der verschiedenen Stämme. "Und innerhalb dieser Stämme gibt es dann bestimmte Clans, die das Sagen haben. Es sind also doppelt komplizierte Strukturen."

Nachdem zu dieser Wirtschaftsregion auch noch Ägypten, die palästinensischen Autonomiegebiete sowie Syrien und der Libanon hinzugekommen sind, zeichnet die IHK Mittleres Ruhrgebiet insgesamt für den Mittleren Nahen Osten zuständig. Damit hat man keineswegs das große Los für prosperierende Absatzmärkte gezogen. Schon gar nicht mit Libyen.

Autor: Klaus Deuse

Redaktion: Klaus Ulrich