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Aktuell Europa

Für den Frieden, für die Kinder

"Eine Botschaft der Liebe": So bezeichnet die pakistanische Preisträgerin Malala Yousafzai die Verleihung des Friedensnobelpreises an sie und den indischen Kinderrechtler Kailash Satyarthi.

"Dies ist erst der Beginn meiner Arbeit, nicht das Ende", sagte die Schülerin aus Pakistan am Freitag in Birmingham. Nach eigener Darstellung hatte sie während einer Chemiestunde im Klassenzimmer erfahren, dass sie den Friedensnobelpreis zugesprochen bekam. Mit 17 Jahren ist Malala Yousafzai die jüngste Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten. Von der hohen Auszeichnung zeigte sie sich tief geehrt. "Der Preis ist eine Ermutigung für mich, weiter zu machen", sagte Yousafzai am Freitag in Birmingham. "Meine Botschaft für Kinder in aller Welt ist, dass sie für ihre Rechte aufstehen sollten", sagte Yousafzai, die zunächst in Englisch und dann in den Sprachen ihrer pakistanischen Heimat, Urdu und Paschtun sprach.

Kampf gegen Kinderarbeit und Einsatz für Mädchen

Die gemeinsame Auszeichnung mit dem indischen Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi bezeichnete sie als große Ehre. Dass der Preis an einen Hindu und eine Muslimin aus zwei Ländern gehe, die ein gespanntes Verhältnis zueinander haben, sei "eine Botschaft der Liebe", sagte Malala. Sie wolle eng mit Satyarthi zusammenarbeiten, um sich weiter für Kinderrechte einzusetzen.

Das Nobelkomitee in Oslo hatte die Bildungsaktivistin

Malala Yousafzai

aus Pakistan gemeinsam mit dem Kinderrechtler Kailash Satyarthi aus Indien "für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und jungen Menschen sowie für das Recht auf Bildung für alle Kinder" ausgezeichnet. 60 Prozent der Weltbevölkerung sei 20 Jahre alt oder jünger, betonte der Sprecher des Komitees, Thorbjörn Jagland.

Einsatz für Bildung und gegen Extremismus

Der 60-jährige Sryarthi engagiert sich seit den 90-er Jahren in der Tradition von Mahatma Gandhi friedlich gegen Kinderarbeit. Seine Hilfsorganisation hat seitdem mehr als 80.000 Kinder befreit und ihnen den Weg zurück an die Schulen ermöglicht. Die 17 Jahre alte Bildungsaktivistin Malala, die einen Anschlag von radikal-islamischen Taliban überlebte, habe trotz ihres jungen Alters gezeigt, dass Kinder selbst einen Beitrag zur Verbesserung ihrer Lage leisten könnten, sagte Jagland. Die beiden Preisträger seien in einem gemeinsamen Kampf für Bildung und gegen Extremismus vereint.

Die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai setzt sich seit ihrem elften Lebensjahr in ihrem Heimatland für das Recht von Mädchen auf Bildung ein. 2009 berichtete sie als Bloggerin für den britischen Sender BBC über das Vorgehen islamistischer Milizen, als diese die Kontrolle über den Distrikt Swat gewonnen hatten und schilderte die Unterdrückung der Bevölkerung, vor allem der Frauen und Mädchen, durch die islamischen Fundamentalisten. Dafür erhielt sie 2011 den pakistanischen Friedenspreis und 2013 den Sacharow-Preis.

Mordanschlag der Taliban

Im Oktober 2012 wurde Yousafzai im Schulbus von Taliban-Kämpfern in den Kopf geschossen. Sie überlebte schwer verletzt. Ein Flugzeug der Vereinigten Arabischen Emirate brachte sie zur Weiterbehandlung ins englische Birmingham. International bekannt wurde die 17-Jährige mit der Veröffentlichung eines Fotos, das sie im Krankenbett in Birmingham zeigt. Politiker wie US-Präsident Barack Obama, EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton und UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon schickten ihr Genesungswünsche. Im Juli hielt sie eine Rede vor den Vereinten Nationen und erklärte, ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift könnten die Welt verändern.

Malala Yousafzai spricht vor der UN (Foto:picture-alliance/dpa)

Malala spricht vor den Vereinten Nationen

Trotz des Attentats setzt sich Yousafzai mit Hilfe ihres Vaters weiter für das Recht auf Bildung ein. Dafür rief sie eine eigene Stiftung ins Leben, die "Malala Education Foundation". Diese sammelt nach eigenen Angaben Spenden für innovative Bildungsprojekte weltweit. Über ihr Leben und ihre Ziele schrieb sie gemeinsam mit der britischen Reporterin Christina Lamb die Autobiografie "Ich bin Malala"; das Buch wurde Oktober 2013 veröffentlicht.

Glückwünsche aus aller Welt

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gratulierte den beiden Friedennobelpreisträgern und sagte über die 17-Jährige Yousafzai: "Mit Mut und Entschlossenheit wurde Malala zu dem, was Terroristen am meisten fürchten: Ein Mädchen mit einem Buch."

Große Freude herrschte auch in Indien und Pakistan. "Die ganze Nation ist stolz auf diesen bedeutsamen Erfolg", sagte Indiens Premierminister Narendra Modi zum Nobelpreis für den 60-jährigen Satyarthi. Pakistans Innenminister Nisar Ali Khan beglückwünschte Yousafzai mit den Worten: "Wir sind stolz, dass ein pakistanisches Mädchen in so jungem Alter den Preis bekommen hat."

Merkel und Gauck gratulieren

Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierten beiden Friedensnobelpreisträgern ebenfalls und begrüßten die Entscheidung des Nobel-Komitees. "Das ist ein guter Tag für die Kinder der Welt", sagt die Kanzlerin. Benachteiligte Kinder bekämen damit eine Stimme, wenn es etwa um das Recht auf Bildung gerade für Mädchen gehe oder um das Engagement gegen unfaire und ausbeuterische Arbeit, so Merkel. Gauck sagte, beide Preisträger seien mit ihrem Einsatz gegen die Unterdrückung von Kindern und für das Recht auf Bildung Vorbilder für alle Menschen weltweit.

Gestiftet wurde die Auszeichnung vom schwedischen Industriellen und Erfinder Alfred Nobel (1833-1896). Die Verleihung findet am Todestag Nobels, dem 10. Dezember, in Oslo statt. Die Würdigung ist in diesem Jahr mit acht Millionen Schwedischen Kronen (umgerechnet knapp 900.000 Euro) dotiert.

Pab/cw/re/ml (dpa,rtr,afp)