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Politik

Für den Frieden auf die Straße

Die Themen der Ostermärsche sind dieses Jahr vielfältig. Das Spektrum reicht von der Irak-Politik der USA bis zur wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich auf der Welt.

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Die Begeisterung für Friedensdemos wie diese lässt nach

Noch Anfang der 1980er Jahre gehörten die alljährlichen Ostermärsche zu den festen Terminen der Menschen, die sich in Deutschland der Friedensbewegung zugehörig fühlten. Lautstark demonstrierten sie gegen das atomare Wettrüsten und warnten vor einer Atomkatastrophe. Hunderttausende von Demonstranten konnten damals mobilisiert werden. Doch in den vergangenen Jahren verloren die verschiedenen Demonstrationen und Aktionen deutlich an Zuspruch.

Lediglich 1999, angesichts der NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien, hatten sie wieder mehr Zulauf gefunden. Doch schon ein Jahr später bewegten sich die Teilnehmerzahlen wieder nur im Bereich von "wenigen Tausend". 2003 gaben die Demonstrationen gegen den drohenden Irak-Krieg der Friedensbewegung wieder neuen Zulauf. Im Februar 2003 protestierten mehrere Millionen Menschen weltweit gegen einen Militärschlag gegen den Irak. Zu den Ostermärschen konnten die Veranstalter die große Masse allerdings schon nicht mehr mobilisieren, denn zu diesem Zeitpunkt hatten die USA ihren offiziellen Krieg schon beendet.

Forderung nach friedlicher Politik

Die Irak-Politik der USA wird dieses Jahr ein Thema der Ostermärsche ein, sagt Manfred Stenner, Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, einem Zusammenschluss lokaler Bündnisse. "Der (Irak-)Krieg hat dazu geführt, dass mehr Hass in der arabischen Welt, in Afghanistan, im Irak gegen den Westen entstanden ist, der Terrorismus ist eher befördert als gemindert worden", sagt Stenner.

Der Friedensaktivist Stenner gibt zu: Auch die Friedensbewegung hat kein Patentrezept dafür, wie die eskalierende Gewalt im Irak eingedämmt werden kann. Dennoch: die Ostermärsche sollen deutlich machen, dass viele Menschen von den Politikern eine friedliche Politik verlangen und den Krieg als Mittel ablehnen.

Ursprünge in Großbritannien

Dieser Gedanke könnte auch der Ursprung der Ostermärsche gewesen sein. Begonnen haben sie in Großbritannien, wo zu Ostern 1958 unter der Regie des Philosophen Bertrand Russell erstmals mit einem 80 Kilometer langen Marsch von London zu einem Atomforschungszentrum gegen die atomare Rüstung demonstriert worden war. Das britische Vorbild fand bald in verschiedenen Ländern Nachahmung. 1960 begann auch in der Bundesrepublik Deutschland diese Form des Protestes, wo sich in den folgenden Jahren vor allem Anhänger eines ethisch-religiösen Pazifismus bei den Ostermärschen versammelten.

Ende der 1960er Jahre wuchs die Teilnehmerzahl auf rund 150.000 Menschen, die durch den Protest gegen den Vietnam-Krieg zusätzlich motiviert waren. Im Laufe der Jahre wurde die Ostermarsch-Bewegung schließlich zu einem Sammelbecken unterschiedlicher politischer Richtungen. Dazu zählte auch die von der DDR gesponserte Deutsche Kommunistische Partei (DKP), deren wachsender Einfluss auf die Ostermärsche jedoch bald auf Kritik stieß. Eine Kritik, die nach der gewaltsamen Niederschlagung des "Prager Frühlings" 1968 in der Tschechoslowakei durch Truppen des Warschauer Paktes zu einem zeitweiligen Aus für die Ostermärsche in der Bundesrepublik führte.

Angst vor nuklearem Holocaust

Erst mehr als zehn Jahre später kam es zu einem Wiederaufleben der Ostermärsche. Der NATO-Doppelbeschluss von 1979 brachte die Ostermarschierer wieder auf die Beine. Nach diesem Beschluss sollten in der Bundesrepublik neue atomare Mittelstrecken-Raketen der USA stationiert werden. Dies galt als Reaktion auf die Stationierung sowjetischer SS-20-Raketen, die auf Westeuropa zielten, viele Menschen in Europa hatten Angst, sagt Manfred Stenner und erinnert: "Da drohte der nukleare Holocaust!"

Seit Anfang der 1990er Jahre verliert die Ostermarsch-Bewegung wieder an Mitstreitern. 1991 waren es nach dem Golfkrieg noch knapp 100.000 Teilnehmer, danach sank die Zahl in den Folgejahren auf schätzungsweise 10.000. Ein Rückgang, den die Initiatoren nach wie vor auf die grundsätzlich gewandelte politische Lage und die schwindende Angst vor einer atomaren Bedrohung zurückführen.

Wie viele es in diesem Jahr sind, da sind sich die Veranstalter noch unsicher. Denn die Demonstrationen gegen den Irak-Krieg und geplante Kürzungen im deutschen Sozialwesen hätten die Menschen während der vergangenen Wochen immer wieder auf die Straße getrieben. Das, so Manfred Stenner, sei ein richtiger Demonstrations-Marathon gewesen. Irgendwann aber, so gibt der Aktivist zu, seien die Menschen halt auch mal müde.

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