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Deutschland

Für Asylbewerber wird der Wohnraum knapp

Im vergangenen Jahr waren weltweit mehr als 45 Millionen Menschen auf der Flucht. Einige Tausend davon stranden auch in Deutschland, Tendenz steigend. Viele Kommunen sind mit der Unterbringung überfordert.

Mehrere Betten auf engstem Raum, Kleidungsstücke überall, ein Fernseher im Hintergrund. Die Wohnung ist definitiv zu klein für die Menge, die sie beherbergen muss: Hier lebt eine sechsköpfige Familie in nur zwei kleinen Zimmern. Gemeinschaftsduschen ohne Vorhang gibt es wie auch die Toiletten für alle Wohnungen des Stockwerks am Ende des Ganges. Privatsphäre? Fehlanzeige! Und die Bilder ähneln sich, egal, ob das Heim für Asylsuchende in Köln, Duisburg und Frankfurt steht. Überall gibt es zu wenig Raum für zu viele Flüchtlinge.

Und es werden wieder mehr: Das Innenministerium in Berlin hat verkündet, dass die Zahl der Asylbewerber im ersten Halbjahr 2013 auf 43.000 gestiegen ist. Sie hat sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum damit fast verdoppelt. Die meisten Menschen kommen aus der Russischen Föderation, Syrien und Afghanistan.

Größte Probleme in Großstädten

Asylbewerber vor der Erstanlaufstelle in Dortmund (Foto: DW/K. Jäger)

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt wieder

Laut Flüchtlingsaufnahmegesetz sind die Bundesländer für die Unterbringung zuständig. Entsprechend eines Umrechnungsschlüssels muss jedes eine bestimmte Zahl von Asylsuchenden aufnehmen. Die werden dann auf die Städte und Gemeinden verteilt. Viele der eh schon klammen Kommunen stehen angesichts dieser zusätzlichen Ausgaben vor massiven finanziellen Schwierigkeiten.

Besonders in den Metropolen spitzt sich die Situation zu. In Köln beispielsweise sind alle 30 Wohnheime mit rund 1600 Asylbewerbern vollständig belegt. Zusätzlich bringt die Stadt mehr als 600 Flüchtlinge in einfachen Hotels unter.

Wohnheimplätze zu früh reduziert

Für den Leiter des Kölner Wohnungsamtes, Stefan Ferber, ist das eine zwar kostspielige, aber den Bedürfnissen der Asylsuchenden angemessene Lösung: "Weil wir nur in Hotels vermitteln, wo ein verantwortlicher Betreiber ist, der dies gewissenhaft macht und der natürlich auch dafür Sorge trägt, dass der Betrieb in dem Hotel gut funktioniert. Die Hotels haben aber den großen Nachteil, dass sie teurer sind, als wenn wir Flüchtlinge in unseren Einrichtungen unterbringen."

Video ansehen 02:58

Erstanlaufstelle für Asylbewerber (20.06.2013)

Doch die Entwicklung kommt nicht so plötzlich, wie manche Kommunalvertreter es jetzt darstellen, sagt Claus-Ulrich Prölß vom Flüchtlingsrat Köln: "Die Bezirksregierung Arnsberg hat schon vor einigen Jahren an alle Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen geschrieben und gesagt: 'Passt auf, das Bundesamt für Migration sagt, dass die Zahlen steigen! Bereitet euch darauf vor, besonders, was die Unterbringung angeht!'

"Aus heutiger Sicht wäre es klug gewesen, vorsorglich Wohnheimplätze vorzuhalten", gibt Wohnungsamt-Chef Ferber zu. Doch der Trend sei in den vergangenen Jahren eindeutig auf abnehmende Flüchtlingszahlen hinausgelaufen, und da habe sich Köln wie andere Städte auch von maroden und kostspielig zu sanierenden Quartieren getrennt, die jetzt fehlten.

Neue Asylbewerberheime müssen her

Im Jahr 2011 musste die Stadt Köln für die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen fast 22 Millionen Euro ausgeben - nicht mitgerechnet die nun anstehenden Investitionen in neue Flüchtlingsunterkünfte. Nur einen Bruchteil davon, knapp zehn Prozent, bekommt sie vom Bund erstattet. Ähnlich geht es anderen Städten und Gemeinden, die sich wie Köln nicht ausreichend von Bund und Ländern unterstützt fühlen, berichtet Ferber: "Ja, die Kommunen sind jetzt auf Hilfe angewiesen. Ich sehe die Anstrengungen, die unternommen werden, aber wir bräuchten deutlich höhere Zuweisungen." Zumal es für die Stadt Köln sehr teuer werde, neue Kapazitäten aufzubauen, weil es extrem schwer sei, geeignete Grundstücke zu finden.

Stefan Ferber, Leiter Amt für Wohnungswesen, Köln (Foto: Privat)

Suche nach Konsens: Stefan Ferber vom Kölner Wohnungsamt

Umso wichtiger ist die gute Zusammenarbeit vor Ort. Köln kann in diesem Punkt durchaus als gutes Vorbild dienen: Seit rund zehn Jahren gibt es einen Runden Tisch für Flüchtlingsfragen, an dem Sozialpolitiker, Ausländerbehörde, Jugend- und Sozialamt sowie Polizei, Flüchtlingshilfsgruppen und freie Träger zusammenkommen. Kennzeichnend sei, dass alle Beteiligten sich konstruktiv an der Suche nach einem Konsens beteiligten, sagt Stefan Ferber: "Wenn es beispielsweise um Standorte für neue Flüchtlingswohnheime geht, dann macht es keinen Sinn, das in einem politischen Streit zu klären. Sie brauchen Bezirkspolitiker, die dazu stehen, dass auch in ihrem Stadtbezirk ein neues Wohnheim entsteht. Sie brauchen die Unterstützung der Träger, der Flüchtlingsorganisationen bis hin zu den Fraktionen."

Projekt "Auszugsmanagement"

Claus-Ulrich Prölß, Flüchtlingsrat Köln (Foto: Ulrike Hummel)

Claus-Ulrich Prölß: "Asylbewerber brauchen privaten Wohnraum"

Nach Ansicht der Verantwortlichen in Köln ist die beste Wohnform für Asylsuchende das Wohnen in einer eigenen Wohnung. Dafür gibt es in der Domstadt seit gut zwei Jahren das sehr erfolgreiche Projekt "Auszugsmanagement": Experten helfen Asylbewerbern bei der Suche nach privatem Wohnraum, sprechen mit Maklern und Wohnungsbauverwaltungen, und helfen bei organisatorischen Fragen.

Seit den 1990er Jahren konnten mehrere Tausend Asylbewerber auf diese Weise schon in eigene Wohnung vermittelt werden. Und das Beste daran: Es ist eine "Win-Win-Situation", denn auch die Stadt Köln profitiert von dieser Investition, sagt Claus-Ulrich Prölß: "Weil so viele Flüchtlinge vermittelt werden konnten, sind die Kosten gesunken und so spart die Stadt sogar. Dieses Projekt ist sicher ein Vorbild für andere Städte."

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