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Aktuell Europa

Fünf Tote bei Zusammenstößen in Mazedonien

Bei einer Razzia in der multi-ethnischen Stadt Kumanovo hat es mehrere Tote und Verletzte gegeben. Ein neuer Rückschlag für das unter Korruption, ethnischen Konflikten und Unruhen leidende Mazedonien.

Bei einer Polizeiaktion gegen bewaffnete Ausländer im Norden Mazedoniens sind fünf Polizisten getötet worden. Mindestens 30 Menschen seien verletzt worden, teilte Innenministerin Gordana Junkulovska mit. Auch in den Reihen der Angreifer habe es Opfer gegeben, die genaue Zahl sei aber noch unklar.

Polizeisprecher Ivo Kotewski erklärte, die Sicherheitskräfte hätten am Morgen eine Razzia in der Stadt Kumanovo begonnen. Ziel sei eine Gruppe von Ausländern gewesen, die illegal nach Mazedonien eingereist war und einen "Terroranschlag auf staatliche Institutionen" geplant hätte. Die Polizisten seien von Scharfschützen angegriffen und mit Granaten sowie automatischen Waffen attackiert worden.

Konflikt zwischen Slawen und Albanern

Medienberichten zufolge fand die Razzia in einem Stadtteil statt, der mehrheitlich von ethnischen Albanern bewohnt ist. Kumanovo ist die drittgrößte Stadt des Landes und liegt etwa 40 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Skopje in der Nähe der Grenze zum Kosovo und zu Serbien. Bereits 2001 gab es dort Kämpfe zwischen Regierungstruppen und ethnischen Albanern, die mehr Rechte forderten. Rund ein Viertel der zwei Millionen Menschen in Mazedonien sind Albaner; die Mehrheit der Mazedonier sind Slawen. Nach wie vor ist die Beziehung zwischen den beiden Volksgruppen angespannt.

Lokale Medien mutmaßen, dass die bewaffnete Gruppe aus dem benachbarten Kosovo ins Land gekommen sei. Erst vor knapp drei Wochen besetzten 40 ethnische Albaner aus dem Kosovo eine Polizeiwache an der Grenze und forderten die Bildung eines albanischen Staates in Mazedonien.

Reaktionen auf die prekäre Sicherheitslage

Als Reaktion auf die Ereignisse brach der mazedonische Präsident Gjorge Ivanov seinen Besuch in Moskau ab, wo er an den Feierlichkeiten zum Siegestag Russlands teilnahm. Sein Büro teilte mit, angesichts der prekären Sicherheitslage werde der Nationale Sicherheitsrat einberufen. Serbien schickte derweil Spezialeinheiten der Polizei als Verstärkung in die Grenzregion.

Sorge vor Instabilität

Auch die EU zeigte sich besorgt über die blutigen Auseinandersetzungen. Eine weitere Eskalation müsse vermieden werden, erklärte der für Nachbarschaftspolitik verantwortliche EU-Kommissar Johannes Hahn in Brüssel. Es sei nun an allen Beteiligten, Zurückhaltung zu zeigen.

Viele fürchten, dass die ehemalige jugoslawische Republik weiter destabilisiert wird. Derzeit hält eine schwere politische Krise das Land in Atem. Die ganze Woche haben in Skopje Tausende für den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Nikola Gruevski demonstriert. Sie werfen dem Kabinett Amtsmissbrauch und unrechtmäßige Abhör-Maßnahmen vor.

haz/nin (dpa, afp, rtr)