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Politik

Fünf Jahre nach 9/11: Die Amerikaner trotzen dem Terrorismus

Jede Veränderung wäre ein Sieg für die Terroristen gewesen. Fünf Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ist deshalb zumindest der amerikanische Alltag wie immer.

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Erstarrung war gestern, Alltag wie immer ist heute

Es waren die ersten Terrorattacken auf amerikanischem Boden. Die Entführung und der Absturz von vier Passagiermaschinen, der Tod von fast 3000 Menschen, hat Amerika wachgerüttelt - aber seinen Alltag kaum verändert. Das meint zumindest David Altheide, Soziologe an der Arizona State University. "Die US-Amerikaner haben ihr tägliches Leben nicht wirklich verändert. Sie sind nur aufmerksamer geworden, achten mehr auf andere Leute in ihrer Umgebung und haben mehr Vorbehalte gegenüber Kriminellen und Immigranten", sagt Altheide. Inzwischen würden die Amerikaner alle Ausländer und Menschen mit anderem religiösen oder ethnischen Hintergrund besonders misstrauisch betrachten.

Passagierschlangen in den USA

Warten, kontrolliere, warten - an Flughäfen zeigt sich die Angst vor dem Terror

Ob Zuhause, auf der Arbeit oder während Reisen, Amerikaner sollten aufmerksam bleiben und auf potentielle Gefahren achten, die sie sechs Jahre zuvor nicht wahrgenommen hätten, warnt die Behörde für Heimatverteidigung, die nach den Anschlägen eingerichtet worden war. Doch erst wenn sie einen Flughafen betreten und ihre Nagelknipser oder das Haargel als potentielle Waffen beschlagnahmt werden, wird den meisten US-Bürgern wieder bewusst, wie sehr sich ihre Welt doch seit dem 11. September 2001 verändert hat. Doch selbst das ist inzwischen Routine. Kurz nach den Attacken hatten auch viele Amerikaner Angst zu Fliegen. Das legte sich ebenfalls innerhalb weniger Wochen, laut einer Meinungsumfrage aus dem Jahr 2002.

Aus den Schlagzeilen verschwunden

In den meisten Bereichen des amerikanischen Alltags herrscht fünf Jahre nach den Anschlägen inzwischen eine Gelassenheit, die auch durch die offiziellen Warnungen der Behörden nicht erschüttert werden kann. "In den drei Jahren nach 9/11, haben die regelmäßigen Terrorwarnungen der Behörden nur dazu geführt, dass die Amerikaner immer weniger beunruhigt sind durch Informationen über die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Attacken", sagt Robb Willer von der Berkley Universität in Kalifornien.

Krieg im Irak dauert an

Der Irakkrieg spaltete die amerikanische Gesellschaft

Je mehr Zeit verging, desto häufiger verdrängten andere Themen den 'Kampf gegen den Terrorismus' aus den Schlagzeilen, meint auch Mathieu Deflem von der Universität South California. Ende 2001 und Anfang 2002 zeigten Untersuchungen, dass für die Amerikaner Themen wie Arbeit, Wirtschaft und Gesundheit wichtiger waren als Terrorismus und Sicherheit. In einer Umfrage vom Juni 2006 sagten 24 Prozent der Amerikaner, dass der Krieg im Irak das wichtigste Thema sei während 'Terrorismus' mit acht Prozent auf dem sechsten Platz landete.

Ein gepanzertes Leben

Dennoch gehen Experten davon aus, dass der Schock angesichts der einstürzenden Türme des World Trade Center ein Teil der amerikanischen Psyche geworden ist. Die Amerikaner würden sich nur weigern, ihr Leben der terroristischen Bedrohung anzupassen, damit die Terroristen nicht denken, sie hätten gewonnen, sagt David Schanzer, Direktor des Zentrums für Terrorismus und Heimatsicherheit.

New York Polizeiauto

US-Bürger vetrauen nicht mehr nur der staatlichen Polizei, wenn es um ihre Sicherheit geht

Obwohl sie sich aber weigerten, ihren Alltag zu ändern, hätten sie das Gefühl, dass die Welt gefährlicher geworden sei, sagt David Altheide von der Arizona State Universität. Immer mehr Amerikaner würden eigene Wege gehen, um sich vor Kriminalität und Terrorismus zu schützen. "Sie leben 'gepanzerter' als vorher", so Altheid. "Sie leben eher in geschützten Gegenden, unterstützen Überwachungskameras, private Sicherheitsdienste und Drogenkontrollen. Sie fahren große Geländewagen und tragen Waffen mit sich."

Das Gefühl von Unsicherheit, die terroristischen Anschläge in Madrid, London und an anderen Orten, hätten auch die amerikanische Perspektive auf den Terror verändert. Die Amerikaner würden den Terrorismus nicht mehr nur als einen direkten Angriff auf die amerikanische Kultur sehen, sondern als eine globale Gefahr, sagt Mathieu Deflem. "Generell denken die Amerikaner nur über ihre eigene Welt nach, aber 9/11 hat das verändert", sagt er. "Durch den Krieg im Irak und die Bombenanschläge in Madrid und Großbritannien, realisieren die Amerikaner, dass das Problem Terrorismus nicht einfach wieder verschwindet und glauben nicht mehr an eine einfach Lösung."

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