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Afrika

Fünf Jahre Haft für somalische Piraten

Es war der erste Prozess gegen somalische Piraten in Europa: Ein niederländisches Gericht in Rotterdam hat jetzt fünf Angeklagte zu je fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Somalische Piraten bei Festnahme durch spanische Behörden (Archiv, Foto: dpa)

Ein somalischer Pirat wird festgenommen

Piraterie sei strafbar, hieß es in der Urteilsbegründung des vorsitzenden Richters Jan Willem Klein Wolterink am Donnerstag (17.06.2010) in Rotterdam. "Die Angeklagten wollten ein Schiff entführen" und es sei "ein Glück, dass niemand getötet oder verletzt wurde". Piraterie sei eine ernste Bedrohung der freien Schifffahrt, so der Richter und die fehlende Sicherheit im Golf von Aden habe zudem weltweit wirtschaftliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft hatte noch höhere Haftstrafen von sieben Jahren gefordert.

Zeichnung einer Gerichtsszene in Rotterdam 2009 (Bild: dpa)

Zeichnung einer Gerichtsszene in Rotterdam

Die fünf Somalier im Alter zwischen 25 und 45 Jahren hatten im Januar 2009 im Golf von Aden einen unter niederländischer Flagge fahrenden türkischen Frachter angegriffen. Sie wurden von einem dänischen Kriegsschiff der im Golf patrouillierenden Anti-Piraten-Mission "Atalanta" der EU aufgegriffen und den niederländischen Behörden übergeben. Seit Februar 2009 saßen sie bereits in Untersuchungshaft.

Verteidigung kündigt Berufung an

Verteidiger Reinier Feiner kündigte unterdessen Berufung an. Das Urteil sei "sehr hart". Die fünf Männer seien nicht einmal Mitglieder einer organisierten Bande gewesen. Einer der Angeklagten hatte bei der Urteilsverkündung gerufen: "Die Niederländer mögen Muslime nicht, das ist bekannt!" Zu Prozessbeginn hatten die Angeklagten alle Vorwürfe zurückgewiesen. Später gaben jedoch zwei von ihnen zu, die Entführung des Schiffes geplant zu haben.

Festnahme somalischer Piraten durch deutsche Marine im Jahr 2009 (Foto: AP)

Festnahme somalischer Piraten durch deutsche Marine

Das Verfahren wurde auch von der Staatsanwaltschaft in Hamburg mit Interesse beobachtet. Sie wird demnächst ebenfalls somalischen Piraten den Prozess machen – erstmals auf deutschem Boden. In der vergangenen Woche hatten die niederländischen Behörden in einem anderen Fall zehn mutmaßliche Piraten an Deutschland ausgeliefert. Sie waren im April 2010 rund 900 Kilometer vor der Küste Somalias von niederländischen Soldaten an Bord des unter deutscher Flagge fahrenden Frachters "MS Taipan" festgenommen worden. Den Männern wird ein Angriff auf Luft- und Seeverkehr sowie versuchter erpresserischer Menschenraub vorgeworfen.

Autorin: Katrin Ogunsade (dpa, afp)
Redaktion: Ina Rottscheidt

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