Fünf Jahre Flixbus: Angriff auf den Greyhound | Wirtschaft | DW | 13.02.2018
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Fernbus

Fünf Jahre Flixbus: Angriff auf den Greyhound

Von München nach Nürnberg und Erlangen: Auf dieser Strecke fuhr vor fünf Jahren der erste Flixbus. Der war damals noch blau - doch die Farbe ist nicht das einzige, was sich seither geändert hat.

Aus anfangs vier Linien in Süddeutschland ist inzwischen ein Netzwerk in Europa geworden, das 1400 Ziele in 26 Ländern umfasst. Das entspricht einem Marktanteil in Deutschland von mehr als 90 Prozent.

Die drei Gründer, Jochen Engert, André Schwämmlein und Daniel Kraus, sind immer noch an Bord. Sie hatten 2011, zwei Jahre vor der Liberalisierung des Fernbusnetzes, die Idee, eine Online-Plattform für die Vermittlung von Fernbusreisen zu gründen. Über diese Plattform werden die Buchungen gesammelt und an die mittlerweile etwa 300 mittelständischen Busunternehmen weitergegeben, mit denen Flixbus kooperiert.

Denn das Münchener Unternehmen besitzt nur einen einzigen Bus selbst, und das aus Lizenzgründen. Flixbus organisiert die Linien, es betreibt mit inzwischen gut 1000 Mitarbeitern das Buchungssystem und die Smartphone-App. Nach einem harten Preiswettkampf - in den ersten Monaten konnten die Kunden für einen Euro etwa von München nach Köln fahren -  setzte sich Flixbus schließlich durch und schrieb im vergangenen Jahr das erste Mal schwarze Zahlen, wie André Schwämmlein gegenüber dem "Handelsblatt" sagte. Als Monopolist sehe er das Unternehmen nicht: "Der Fernbus konkurriert mit Auto, Bahn und Flugzeug", sagte Schwämmlein. Bisher würden nicht alle Menschen bei Reisen an den Fernbus als Alternative denken. Das will Flixbus ändern.

WLAN - und jetzt auch Filme

Wachsen will das Unternehmen weiter, es schätzt sein Potenzial auf 100 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Bisher sind es 40 Millionen. Für das Wachstum haben die Gründer mehrere Ideen. Die eine: Kooperation mit Fluggesellschaften, auch der Lufthansa-Gruppe. Möglich wäre ein gemeinsames Angebot, ein Ticket, das der Kunde benötigt, um von zu Hause  an den Flughafen zu gelangen und von dort an sein Flugziel, sagte Mitgründer Engert der "Süddeutschen Zeitung". Ein Angebot, das auch der Deutschen Bahn, mit der etwa Lufthansa ja kooperiert, gefährlich werden könnte, falls es denn zustande käme.

Fusion von Flixbus und MeinFernbus (picture-alliance/dpa/P. Zinken)

Mit der Übernahme des Konkurrenten MeinFernbus (2015) wurde Flixbus unangefochtener Marktführer in Deutschland

Die Deutsche Bahn hatte sich wegen der harten Konkurrenz vor eineinhalb Jahren aus dem Markt zurückgezogen. Um mehr Kunden zu gewinnen, sollen etwa Sitzplatzreservierungen für besonders begehrte Plätze eingeführt werden. Außerdem arbeite man an der Einführung eines Unterhaltungsprogramms, in dem die Kunden kostenlos Filme auswählen können. Und auch direkt auf der Schiene macht Flixbus der Bahn inzwischen Konkurrenz: Die Münchener betreiben inzwischen die Locomore-Züge auf der Strecke Stuttgart-Berlin.

Amerika als nächstes Ziel

Expandieren könnte man auch in die USA. Da will Flixbus den Platzhirschen Greyhound angreifen - zunächst jedoch nur an der Westküste. In den USA gebe es noch viel ungenutztes Potenzial, meinen die Gründer, außerdem sei der Mobilitätsmarkt dort stark in Bewegung - als Beispiele nannte Engert gegenüber dem Handelsblatt Uber oder Lyft. Von Los Angeles aus will Flixbus noch in der ersten Jahreshälfte erste Linien nach Las Vegas, San Francisco und die Bay Area aufbauen – zunächst als Test. Zum Jahresende wolle man sich dann zunächst einmal die Zahlen ansehen.

In den USA hat das Unternehmen mit den markanten grünen Bussen große Investoren gewonnen, neben General Atlantic auch Silverlake. Angeblich soll Flixbus inzwischen mit mindestens einer Milliarde Euro bewertet werden. Das aber interessiere sie nicht, sagen die Gründer gegenüber dem „Handelsblatt". So wie sie auch nicht "auf Marge optimieren" wollen: Jeder verdiente Euro werde wieder zurück ins Geschäft gesteckt.

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Flixbus - Vom Start-up zum Monopolisten

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