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Europa

Fünf Jahre EU-Mitgliedschaft Zyperns

Die Mitgliedschaft ihres Staates in der EU empfinden griechische Zyprer mittlerweile als Vorteil. Die türkischen Zyprer hoffen bisher jedoch vergeblich auf Unterstützung durch die Union.

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Anfang und Ende der EU: Zypern

Evroulla Sabba besitzt einen kleinen Laden im Zentrum des griechisch-zyprischen Teils von Nikosia. Sie verkauft Andenken und Honig an Touristen. Die resolute 58-Jährige findet es gut, dass Zypern zur EU und seit zwei Jahren sogar zur Euro-Zone gehört. Aber das Leben sei teuerer geworden, bemerkt sie. "Die Armen werden ärmer, die Reichen reicher - wie immer", meint sie. Aber ob der Euro oder die internationale Krise die Ursache dessen sei, wisse sie auch nicht.

Das wohlhabendste der neuen EU-Mitglieder

Volksabstimmung Zypern Plakat Nein Griechisch

Griechische Zyprer stimmten 2004 gegen eine Wiedervereinigung der Insel

Im griechisch-zyprischen Teil der Insel liegt das jährliche Durchschnittseinkommen bei über 20.000 Euro. Damit ist Zypern das wohlhabendste von den neuen EU-Mitgliedern. Doch nach den hohen Wachstumsraten von über drei Prozent in den vergangenen Jahren, steht es dieses Jahr vor einem Nullwachstum. Der Tourismus und die Immobiliengeschäfte sind eingebrochen. Deshalb seien die Stimmen der EU-kritischen Zyprer verstummt, schätzt die Politologin Maria Hadsipablou: "In der großen internationalen Krise denken die meisten, dass die EU-Mitgliedschaft für uns das Beste ist, zumindest langfristig betrachtet."

Wie die meisten misst die Ladenbesitzerin Evroulla Sabba die EU aber nicht hauptsächlich an wirtschaftlichen Fragen. Das Wichtigste für die griechischen Zyprer ist, wie ihre Vorstellungen für eine Lösung des Zypern-Problems von der EU unterstützt werden. Vor fünf Jahren hatten 75 Prozent der Zyperngriechen einen Wiedervereinigungsplan der UNO abgelehnt, viele hatten die Hoffnung, dass sie als EU-Mitglieder eine bessere Verhandlungsposition hätten. Ganz so sei es aber nicht gekommen, meint Sabba. "Klar freue ich mich über die Mitgliedschaft. Aber ich hätte schon erwartet, dass die EU mehr Interesse an unserem Teilungs-Problem zeigt."

Andere griechische Zyprer sehen das ähnlich. Zum Beispiel die 29-jährige Grundschullehrerin Anna Koumas. Sie meint, die EU wolle "das Problem doch nur vom Tisch haben", doch das würde zu ihren Lasten gehen. "Bisher hat uns die EU-Mitgliedschaft in der Zypernfrage nicht geholfen", sagt Koumas.

Neue Verhandlungen mit offenem Ausgang

Inzwischen finden zwar wieder Verhandlungen zwischen den Führern der griechischen und der türkischen Zyprer statt. Laut Umfragen unterstützen die jeweiligen Mehrheiten diese Gespräche auch. Aber gleichzeitig sind jeweils über die Hälfte der Bevölkerungsteile skeptisch, dass eine Übereinkunft erzielt werden kann.

Türkische und griechische Läden auf Zypern

Im Gegensatz zu griechischen Zyprern können türkische keine Waren direkt in die EU exportieren

Zwei Drittel der türkischen Zyprer hatten dem Wiedervereinigungsplan der UNO vor fünf Jahren zugestimmt. Auch sie seien enttäuscht, erklärt Ayse Ertanin, die 48-jährige Besitzerin eines Juwelierladens im türkisch-zyprischen Teil Nikosias. "Nur die griechischen Zyprer können die Vorteile der EU genießen. Wir können erst dann mit der EU zufrieden sein, wenn wir auch Mitglieder sind. Die EU hat noch nicht einmal ihre Versprechen eingelöst", ärgert sie sich.

Tatsächlich hatte ein EU-Gipfel 2004 beschlossen, die ökonomische Isolierung der türkischen Zyprer aufzuheben. Diese können keine Waren direkt in EU-Länder exportieren. Doch die griechischen Zyprer haben ihre neue Veto-Macht als EU-Mitglied genutzt und die Umsetzung dieses Beschlusses bis heute verhindert. Dabei ist der Norden weit ärmer als der griechisch-zyprischen Süden.

Bei den Wahlen zum EU-Parlament im Juni 2009 wird diese Benachteiligung wieder zu spüren sein. Zwar sind eigentlich zwei der sechs EU-Parlamentssitze für türkische Zyprer bestimmt. Doch auch diese werden mit griechisch-zyprischen Politikern besetzt werden. Wahlrecht haben nur die griechischen Zyprer.

Autor: Jerry Sommer
Redaktion: Mareike Röwekamp

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