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Afrika

Fünf Gründe, warum der Südsudan nie eine Chance hatte

Nur drei Jahre nach seiner Unabhängigkeit ist der Südsudan in einen Konflikt verstrickt, der auswegslos erscheint. Die Probleme waren absehbar.

1. Nicht alle Konfliktparteien mit im Boot

Am 09.07.2011 feierte der Südsudan seine Unabhängigkeit. Die Weichen für den neuen Staat wurden 2005 gestellt, als Sudans Regierung und die südsudanesische "Befreiungsbewegung des Sudanesischen Volkes" (SPLM) ein Friedensabkommen unterzeichneten. Doch der Prozess ließ viele außen vor. "Trotz seines Namens löste das 'umfassende Friedensabkommen' nicht alle Konflikte zwischen regionalen Gruppen und der zentralen Regierung", sagt Jason Mosley von der Londoner Denkfabrik Chatham House.

Rebellen im Südsudan REUTERS/Goran Tomasevic

Die alten Konflikte wurden nie gelöst

Andere südsudanesische Rebellengruppen saßen nicht mit am Tisch, sodass auch deren interne Streitigkeiten nie beigelegt wurden. Bevor sie als Präsident und Vizepräsident den unabhängigen Südsudan regierten, hatten auch Salva Kiir und Riek Machar in verschiedenen Rebellengruppen jahrzehntelang gegeneinander gekämpft. Die gemeinsame Regierung hielt gerade einmal zwei Jahre - dann entließ Kiir seinen Stellvertreter. Im Dezember 2013 begannen Machar und seine Anhänger einen

neuen Bürgerkrieg

gegen die Regierung.

2. Eine Grenze löst keine Probleme

Das Abkommen von 2005 entstand in der Annahme, dass der Sudan nicht geteilt, sondern schlicht reformiert würde. Dies war ein Grund, warum manche Streitpunkte - wie der Verlauf der Grenze selbst - darin nicht restlos geklärt wurden. Als SPLM-Anführer John Garang kurz nach der Unterzeichnung ums Leben kam, übernahm Salva Kiir, und das Projekt eines vereinten Sudan wurde verworfen. Im Januar 2011 stimmte eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung

in einem Referendum

für die Abspaltung vom Sudan. Internationale Akteure wie die Vereinten Nationen hätten die Euphorie gefördert, sagt Peter Schumann, der bis 2007 die UN-Mission im Sudan (UNMIS) leitete. "Man hat die Konfliktparteien durch eine Grenze getrennt und gemeint, so die Grundlagen des Konflikts ignorieren zu können."

3. Das Problem mit dem Öl

Ungeklärt blieb auch die Frage, wer zu welchen Teilen von den immensen Ölvorkommen profitiert, die zum größten Teil im heutigen Südsudan liegen. Es dauerte nicht lange, bis der Südsudan das

Öl zum Druckmittel

im Streit mit dem nördlichen Nachbarn machte.

Riek Machar und Salva Kiir Foto: ASHRAF SHAZLY/AFP/Getty Images

Riek Machar und Salva Kiir

Um den Sudan zu schwächen, stoppte das Land seine Öllieferungen - und brachte sich selbst in Schwierigkeiten, da so der einzige Exportweg für den Rohstoff blockiert war. "Die meiste Zeit seit der Unabhängigkeit des Südsudan war die Ölförderung beeinträchtigt", sagt Südsudan-Experte Mosley. Wichtige Einnahmen blieben aus - für UN-Mann Schumann eine der Ursachen für die aktuelle Krise. Denn auch die dreht sich ums Öl: Laut Mosley besteht eine wesentliche Strategie von Machars Rebellen darin, Ölfelder zu besetzen und die Produktion zu behindern, um die Regierung ihrer Einnahmequellen zu berauben.

4. Die Armut bleibt

Trotz seines Ölreichtums ist die südsudanesische

Bevölkerung arm

. Andere Wirtschaftszweige fehlen. Der Regierung des jungen Staats ist es bisher nicht gelungen, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung wie schulische oder medizinische Versorgung zu decken. "Wenn die Menschen arm bleiben, wird es immer politische Führer geben, die die Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausspielen und ausnutzen, um sich selbst die Macht zu sichern", sagt Abraham Avolich vom südsudanesischen Friedensforschungsinstitut SUDD. Eine der größten Herausforderungen besteht für ihn darin, eine nationale Identität zu schaffen.

5. Die Aufrüstung einer traumatisierten Gesellschaft

Die Aufarbeitung des jahrzehntelangen Sezessionskriegs stellt Kirchen und Zivilgesellschaft im Südsudan vor eine große Herausforderung.

Flüchtlinge im Südsudan Foto: REUTERS/Kate Holt/UNICEF

Mehr als die Hälfte der Südsudanesen lebt in extremer Armut

Kirchenvertreter kritisieren

, dass nie ein Versöhnungsprozess eingeleitet wurde, der ebenfalls Teil des Friedensvertrags war. Zur gleichen Zeit richteten internationale Geber ihren Fokus auf den Aufbau einer starken Armee. "Man wollte eine starke Armee im Süden als militärisches Gegengewicht zum Norden", sagt Schumann. Er gehörte zu denen, die damals vor der Aufrüstung warnten. Den Status Quo beschreibt Schumann als Dilemma: "Es ist eine hochtraumatisierte, militärisch extrem aufgerüstete Bevölkerung, die übereinander herfällt."

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