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Wirtschaft

Führungsstreit schadet EADS

Der Machtkampf im europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS hält an. Besonders peinlich: Auf dem weltgrößten Branchentreff in Paris-Le Bourget präsentiert sich der Konzern führungslos.

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Weltgrößte Fachmesse: Fast 2000 Aussteller

Der Super-Airbus A380 ist der unangefochtene Star der größten Luft- und Raumfahrtmesse der Welt in Paris-Le Bourget. Richtige Feierstimmung kam bei den Airbus-Mitarbeitern bei der Eröffnung am Montag dennoch nicht auf. Die lobenden Worte des französischen Staatspräsidenten Chirac, der das Flugzeug nach einem Besuch an Bord als "europäischen Erfolg" würdigte, wirkten etwas deplaziert, angesichts des andauernden Streites um die Führungsstruktur bei EADS und dessen Konzerntochter Airbus.

A380

Testflug für den Superjumbo

Daimler gegen Sogeade

Die EADS-Großaktionäre DaimlerChrysler und Sogeade (Lagardère und der französische Staat) blockieren sich seit einem halben Jahr im Streit um die Führungsstruktur bei EADS und der Konzerntochter Airbus. Auslöser war der Versuch des Airbus-Chefs Noël Forgeard, die deutsch-französische EADS-Doppelspitze zu verdrängen und alleine die Konzernführung zu übernehmen. Forgeard fand dabei zunächst die Unterstützung von Präsident Jacques Chirac, DaimlerChrysler blockte den Versuch jedoch ab. Der deutsche Hauptaktionär hält gut 30 Prozent der EADS-Anteile und damit ebenso viel wie die französische Lagardère-Gruppe und der französische Staat zusammen.

Luftfahrtmesse in Frankreich

Noch-Airbus-Chef Forgeard auf einem Archivbild

Ein Führungsduo sollte die Lösung bringen. Doch nun warten Forgeard und der Deutsche Thomas Enders bereits seit Wochen auf ihre Bestätigung als Co-Chefs und EADS wird kommissarisch von den Chef-Aufsehern geführt. Die Hauptaktionäre konnten sich nicht über die personellen Nachfolgeentscheidungen einigen. Vorerst kann daher Forgeard nicht vom Airbus-Chefposten an die EADS-Spitze rücken, auch der designierte künftige Airbus-Chef Gustav Humbert konnte seine neue Aufgabe noch nicht übernehmen.

Doppelspitze ohne Forgeard?

Derweil wächst die Kritik an Airbus-Chef Noël Forgeard, der mit seinem Vorstoß zur Übernahme der EADS-Spitze Ende 2004 den Konflikt vom Zaun gebrochen hatte. Selbst Präsident Jacques Chirac, der Forgeard stets gefördert hatte, rückt offenbar angesichts der politischen Flurschäden von seinem früheren Berater ab. Nach Angaben von Branchenexperten macht in Paris die Idee die Runde, Forgeard auf dem Posten des Airbus-Chefs zu belassen und einen anderen Franzosen in die EADS-Doppelspitze zu heben

A380

Der Airbus A380 beim Landeanflug

Streit im Aktionärslager gibt es auch über die Frage, ob EADS wichtige Zulieferer wie den Elektronikkonzern Thales (10,4 Mrd Euro Umsatz) übernehmen sollte. Forgeard und Chirac sind dafür. DaimlerChrysler lehnt eine Vollfusion ab, mit der die Franzosen ein Übergewicht am EADS-Kapital erhielten.

Boeing holt wieder auf

Einen solchen Führungsstreit kann sich EADS angesichts des eskalierenden Subventionsstreit mit dem schärfsten Rivalen Boeing eigentlich nicht leisten. Der Hintergrund: Die USA werfen der EU vor, mit ihren Beihilfen für Airbus gegen Handelsabkommen zu verstoßen. Die Europäer argumentieren, die Regierung in Washington subventioniere Boeing unter anderem durch milliardenschwere Rüstungsaufträge. EU-Handelskommissar Peter Mandelson erwartet jetzt den "größten, schwierigsten und teuersten Rechtsstreit in der WTO-Geschichte." Da ist es nur ein kleiner Trost für EADS, dass auch Boeing derzeit keine stabile Führung hat. Der US-Gigant Boeing sucht seit Anfang März einen Nachfolger für Harry Stonecipher, der über eine "unmoralische Liebesaffäre" im Unternehmen gestürzt ist. Doch für EADS wiegt das Führungsproblem stärker als für Boeing. Als Nachfolger für Stonecipher läuft sich bereits Alan Mulally warm. Während der US-Konzern mit Riesenaufträgen für den 787 Dreamliner und brummendem Rüstungsgeschäft wieder oben auf ist, hängen Airbus die Verzögerungen beim A380 und mangelnde Entwicklungskapazitäten zum schnellen Kontern der 787 mit der geplanten A350 wie Blei an den Flügeln. Ein Lichtblick gab es am ersten Tag des Flugsalons für Airbus doch noch zu berichten: Qatar Airways will bis zu 60 Exemplare des neuen Airbus A350 kaufen, wie die Fluggesellschaft am Montag mitteilte. Der Wermutstropfen: Sie plant auch auch den Erwerb von mindestens 20 Boeing 777. (stl)

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