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Asien

Führungsmitglied der Roten Khmer verurteilt

35 Jahre Haft - so lautet das erste Urteil gegen ein Führungsmitglied des Roten-Khmer-Regimes in Kambodscha. Der berüchtigte Gefängnischef Duch wurde als Kriegsverbrecher verurteilt und bleibt noch Jahre in Haft.

Kaing Guek Eav alias Duch (Foto: ap)

Ungerührt verfolgte Kaing Guek Eav alias Duch die Urteilsverkündung

Mit einem Schuldspruch wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist am Montag (26.07.2010) vor dem Sondertribunal für Kambodscha der erste Prozess gegen ein führendes Mitglied der Roten Khmer zu Ende gegangen. Verurteilt wurde der Folterchef des kommunistischen Regimes, Kaing Guek Eav alias Duch. Unter der Herrschaft der Roten Khmer waren in den 70er Jahren circa 1,7 Millionen Menschen ums Leben gekommen.

Totenköpfe im Massengrab (Foto: ap)

Tausende Menschen fanden unter dem Roten-Khmer-Regimes den Tod

Tod auf den "Killing Fields"

Das Tribunal verurteilte Duch zunächst zu 35 Jahren Haft. Doch wurde das Strafmaß reduziert, unter anderem weil Duch fünf Jahre lang illegal vom kambodschanischen Militär festgehalten worden war. Tatsächlich bleibt der Mann wegen einer früheren Haftstrafe noch maximal 19 Jahre hinter Gittern. Duch war während der Herrschaft der Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 Leiter des berüchtigten Foltergefängnisses Tuol Sleng in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Dort wurden mehr als 15.000 Menschen gefoltert und auf einem nahegelegenen "Killing Field" hingerichtet.

Kaing Guek Eav alias Duch (Foto: ap)

Kriegsverbrechen konnten Duch nachgewiesen werden

Der 67-jährige Duch war unter anderem auch wegen Kriegsverbrechen, Folter und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hatte 40 Jahre Haft gefordert. Duch stellte sich im Prozess als kleines Rädchen im Getriebe dar und überraschte zum Abschluss der Anhörungen mit der Forderung nach einem Freispruch. Hinter einer kugelsicheren Spezialwand verfolgte er die Verlesung des Urteils, die im kambodschanischen Fernsehen live übertragen wurde. Der Richter des Völkermordtribunals, Nil Nonn, betonte am Montag, Duch sei ein Kriegsverbrecher. Es gebe aber nicht ausreichend Beweise, dass er selbst seine Opfer gefoltert habe. Das Verfahren gegen den 67-Jährigen dauerte knapp neun Monate.

Chum Mey (Foto: ap)

Einer der Überlebenden, Chum Mey, verfolgte die Verhandlung

Enttäuschung bei den Überlebenden

Nur wenige Insassen überlebten das Foltergefängnis, darunter Chum Mey. Der 78-Jährige hatte sich für eine lebenslange Gefängnisstrafe für Duch ausgesprochen. Auch andere Überlebende zeigten sich am Montag enttäuscht von dem Urteil gegen Duch. "Ich kann das nicht akzeptieren", sagte Saodi Ouch, die während der Terrorherrschaft der Roten Khmer ihre älteren Geschwister verlor.

Gemeinsam mit anderen Überlebenden hatte Mey schon am Sonntag den Opfern der Terrorherrschaft der Roten Khmer gedacht. Hunderte Menschen entzündeten bei der buddhistischen Feier Räucherkerzen und legten Lotusblumen an dem Gedenkstein für die Opfer in Phnom Penh nieder.

Mann mit Pistole (Archivfoto: ap)

Von 1975 bis 1979 herrschten die Roten Khmer

Weitere Prozesse gegen Regimes-Führer

Duch ist einer der wenigen Führer des früheren kommunistischen Regimes, die noch am Leben sind. Gegen vier weitere Führungsmitglieder soll im nächsten Jahr der Prozess beginnen. Angeklagt sind unter anderem die Nummer Zwei des Regimes, Nuon Chea, und der ehemalige Staatschef Khieu Samphan. Ihr Anführer Pol Pot starb 1998.

Die Roten Khmer stürzten die ungeliebte und von den USA unterstützte Regierung 1975. Das neue Regime unter Pol Pot wollte eine kommunistische Agrargesellschaft verwirklichen. Es zwang die Städter aufs Land und verordnete ihnen Schwerstarbeit auf dem Feld. Insgesamt 1,7 Millionen Menschen kamen ums Leben. Sie starben durch Hungersnöte, Seuchen und Zwangsarbeit.

Autorin: Marion Linnenbrink (afp, apn, epd, dpa, rtr)
Redaktion: Marko Langer

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