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Politik

Führt Terrorspur zu Arafat?

Israelische Soldaten haben nach eigenen Angaben Hinweise für Verbindungen der Selbstmordattentäter zu Arafat. In der Residenz Arafats sei ein Sprengstoffgürtel wie ihn Selbstmordattentäter tragen gefunden worden.

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Für viele Palästinenser gelten die Selbstmordattentäter als Märtyrer

Israelische Truppen sind in der Nacht auf Mittwoch (3.4.) in die Westbank-Stadt Dschenin eingerückt. Dschenin gilt wie Tulkarem und Talkilja, das am Tag zuvor besetzt wurde, als ein Ort, der viele palästinensische Attentäter hervorgebracht hat.

Geiselnahme in Bethlehem

Unterdessen haben sich in der Geburtskirche im Zentrum Bethlehems nach israelischen Informationen zehn Mitglieder der Tansim-Milizen verschanzt. Sie haben mehrere Nonnen und Mönche als Geiseln genommen. Die israelische Armee sei darum bemüht, die Situation zu entschärfen, sagte ein Armeesprecher. Inzwischen wurden Berichte korrigiert, dass bei den Gefechten ein katholischer Mönch umgekommen sei. Der päpstliche Nuntius Pietro Sambi erklärte, der Priester und die als verletzt gemeldeten Nonnen seien wohlauf. Die israelischen Soldaten hätten sich bemüht, den Konvent zu schützen und die Insassen in Sicherheit zu bringen. Er entschuldigte sich für die Fehlmeldungen vom Dienstag (2.4.).

Auch in Ramallah gingen die militärischen Operationen in der Nacht weiter. Israelische Truppen suchen in Razzien von Haus zu Haus weiterhin nach mutmaßlichen Terroristen. Im Hauptquartier von Sicherheitschef Dschibril Radschub haben sich die meisten der darin verschanzten Palästinenser inzwischen ergeben. Unter ihnen waren auch viele Frauen und Kinder, sie wurden festgenommen, sollen aber im Lauf des Tages freigelassen werden. Nach israelischen Angaben sollen sich noch etwa 15 Bewaffnete in dem weitgehend zerstörten Gebäudekomplex aufhalten.

Rechnungen für Terroranschläge

Im Büro des Chefs der palästinensischen Finanzverwaltung haben israelische Truppen gestern Dokumente gefunden, die die palästinensische Autonomieregierung in direkten Zusammenhang mit den schweren Terroranschlägen der letzten Wochen bringen sollen. Es seien Briefe der Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden gefunden worden, in denen der Behörde Rechnungen für Selbstmordattentate und die darauffolgenden feierlichen Trauerzeremonien für die Attentäter erstellt wurden.

Am Mitwoch (3.4.) soll die Ausgangsperre in Ramallah für eine begrenzte Zeit aufgehoben werden, damit sich die Bewohner der Stadt mit Lebensmitteln versorgen können. Auch am Dienstag (2.4.) hatte die israelische Armee den belagerten Menschen für eine kurze Zeit die Möglichkeit eingeräumt, ihre Häuser zu verlassen und einzukaufen. Die palästinensische Führung hat unterdessen das Angebot von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon, Jassir Arafat ins Exil gehen zu lassen, zurückgewiesen.

Scharon hatte am Dienstag (2.4.) öffentlich bestätigt, dass er den europäischen Diplomaten, die derzeit um eine Beruhigung der Lage im Nahen Osten bemüht sind, angeboten habe, sie könnten Arafat in ihrem Hubschrauber mitnehmen. Für den Palästinenserchef gäbe es aber kein Rückfahrtticket. Scharon bekräftigte bei einem Truppenbesuch im Westjordanland am Dienstag (2.4.) auch noch einmal, dass er keine Besuche von Diplomaten oder Unterhändlern bei Arafat mehr zulassen werde. Arafat müsse vollständig isoliert werden.

Verwaiste Cafes und Restaurants in Israel

In Israel ist am Mittwoch (3.4.) der letzte Tag von Pessach angebrochen. Die sonst am Abend des letzten Tages üblichen öffentlichen Feiern wurden aus Angst vor Anschlägen landesweit abgesagt. Nach akuten Attentätswarnungen der israelischen Sicherheitsbehörden ist das öffentliche Leben in Israel weitgehend zum Erliegen gekommen. Cafes und Restaurants blieben auch am Dienstag (2.4.) menschenleer. Das in Tel Aviv normalerweise rauschende Nachtleben hat einer fast unheimlichen Stille Platz gemacht. Die Uferpromenade am Mittelmeer ist völlig verlassen. Konzerte und Festivals wurden landesweit abgesagt.

Unterdessen steigen im Norden Israels die Spannungen. Die schiitische Hisbollah-Miliz hat auch in der letzten Nacht vom Libanon aus, Granaten und Katjuscha-Raketen auf Israel abgefeuert. Israels Außenminister Schimon Peres zeigte sich im israelischen Fernsehen sehr besorgt über die Zuspitzung der Lage. In Jerusalem hieß es, dass Israel die Angriffe nicht tatenlos hinnehmen werde.