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Ostmitteleuropa

Fälschungen und Nachahmungen von Originalprodukten sind zu einer Plage auf dem polnischen Markt geworden

Warschau, AUGUST 2002, BUSINESSMAN, poln.

Die Produktpiraten und Nachahmer rauben den Produzenten von Originalen den Schlaf, denen aufgrund von Imitationen nicht nur das Prestige sondern auch das Geld der eigenen Firma verloren geht. Was soll man jedoch unternehmen, wenn eine Firma auf dem Markt Produkte entdeckt, die den eigenen sehr ähneln? Immer öfter tauchen Produzenten auf, deren Erzeugnisse den Originalen aus der bekannten Werbung zum Verwechseln ähnlich sind und die auf einen Fehlgriff des Kunden hoffen. (...)

Für manche Unternehmen ähnelt der Kampf gegen Produzenten von Imitationen einem Kampf gegen Windmühlen. Im Weg steht z.B. das Recht, das den Fälschern mehr Schutz bietet als den Produzenten von Originalen. Aus diesem Grunde kommt es nur selten zu Gerichtsverhandlungen wegen der Fälschung von Markenartikeln. (...)

Bis vor kurzem konnte man die aus dem Ausland geschmuggelten Fälschungen lediglich auf den Märkten kaufen. Dann wurde das Fälschen durch das Nachahmen ersetzt: Die allgemein bekannten Logos der Markenwaren wurden ein wenig verändert, um es den Kunden zu erschweren, eine Fälschung vom Original zu unterscheiden.

In der letzten Zeit werden aber diese Erzeugnisse auch massenhaft in Geschäften angeboten, was den Herstellern von Fälschungen und Nachahmungen große Einnahmen sichert. Dieses Prozedere wird sogar von einigen Supermärkten unterstützt, die die Herstellung von Waren in Auftrag geben, die den Originalmarken ähneln. Nach den Schätzungen des Verbandes Pro-Marka wird in Polen auf diese Weise 30 Prozent aller Nachahmerware verkauft. Sogar renommierte Firmen schlagen diesen Weg ein (...)

"Es wird alles gefälscht. (...) Viele Unternehmer möchten auf diese Weise einen Nutzen vom Ruf einer anderen Firma haben und zählen darauf, dass der Kunde im Geschäft sein Erzeugnis mit dem renommierten Produkt verwechselt", sagt Dr. Krystyna Szczepanowska-Kozlowska, die Leiterin der Abteilung für Markenschutz von der Kanzlei Linkraters in Warschau. (...)

Um einen Prozess gegen einen Fälscher zu gewinnen, braucht man nicht alle Merkmale einer Verpackung oder eines Produktes zu patentieren. Das Aussehen der Verpackung wird durch das Gesetz über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs geschützt. Nur derjenige kann sie verwenden, der sie als erster auf den Markt brachte.

Im Gesetz über den unlauteren Wettbewerb ist außer der zivilrechtlichen Schadenersatzpflicht auch eine Geld- und sogar Gefängnisstrafe für die Hersteller von Fälschungen sowie für den Verkauf von Fälschungen vorgesehen.

Um solch ein Urteil zu erwirken, muss man jedoch beweisen, dass die Fälschungen den Kunden irre führen können und dass der Hersteller von Fälschungen dem Unternehmen einen ernsten Schaden zufügten. Im Gesetz wird jedoch der Begriff "ernster Schaden" nicht definiert und darüber hinaus ist auch das Beweisen der Verluste schwierig. In den Fällen, in denen es dennoch gelang, dem Fälscher etwas zu beweisen, wurde eine geringere Geldbuße von 200 bis 2 000 Zloty (etwa 50 bis 500 Euro) verhängt.

Die großen Konzerne entscheiden sich selten dafür, eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft zu erstatten. Es ist nämlich notwendig, dabei den erlittenen Schaden zu beweisen. Es fällt jedoch außerordentlich schwer zu beweisen, dass der Umsatz genau seit der Zeit sinkt, in der die Fälschung zum Kauf angeboten wurde", behauptet Dr. Szczepanowska-Kozlowska. (...)

Die Firmen, die zum Verband Pro-Marka gehören, entdecken auf dem Markt sehr häufig Produkte, die den eigenen ähneln. Eine Anklage wird jedoch nur in seltenen Fällen erhoben. Die Kosten des Verfahrens übersteigen oft den Wert des erlittenen Schadens. Es geht dabei aber vor allem um den Prestigeverlust. Außerdem schrecken die vom Gericht verhängten Strafen die Fälscher nicht ab", erläutert Piotr Kwiatkowski, PR-Manager des Verbandes Pro-Marka.

Eine Methode, um die Auseinandersetzung zwischen dem Hersteller von Originalen und dem Nachahmer beizulegen, sind Verhandlungen: "Es passiert aber auch, dass sich Fälscher aus Angst vor einer Gerichtsverhandlung vom Markt zurückziehen oder ihr Profil ändern", sagt Piotr Kwiatkowski. (Sta)

  • Datum 22.08.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2Zzt
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