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Aktuell Europa

Fährunglück: Weitere Opfer befürchtet

Nach dem Fährunglück im Mittelmeer ist die Evakuierung der Passagiere abgeschlossen. Die Suche nach möglichen weiteren Opfern geht weiter. Viele Fragen sind noch offen.

Zwei Tage nach dem Schiffsunglück in der Adria geht die Suche nach möglichen Opfern weiter. 427 Menschen wurden von der "Norman Atlantic" gerettet - aber das Schicksal von zahlreichen Personen, die auf der Passagierliste standen, ist unklar. Zudem waren offenbar blinde Passagiere an Bord. Die Behörden bestätigen bislang zehn Tote. Bei Bergungsarbeiten kamen zudem zwei albanische Seeleute ums Leben. Sie starben als ein zwischen ihrem Schlepper und der Fähre gespanntes Seil riss.

Nach Angaben des griechischen Ministers für Handelsschifffahrt, Miltiadis Varvitsiotis, wurden auch Menschen von der Fähre gerettet, die nicht auf der Passagierliste standen. Wie Varvitsiotis im Fernsehen mitteilte, waren ungefähr zwanzig Unbekannte unter den Geretteten, die eine griechische Militärmaschine im italienischen Bari aufnehmen sollte.

Griechenland habe eine komplette Liste mit den Namen der geretteten Personen beantragt. Die ursprüngliche Liste mit den Passagieren und Besatzungsmitgliedern enthält 478 Namen. Unter den Passagieren waren auch 18 Deutsche, von denen zumindest 17 gerettet wurden.

Auch Italiens Transportminister Maurizio Lupi erklärte, es gebe Ungereimtheiten mit der Passagierliste. Die Suche nach möglichen Vermissten gehe weiter. Die italienische Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Es solle vor allem geprüft werden, ob Fahrlässigkeit zu dem Unglück geführt habe, teilte Staatsanwalt Giuseppe Volpe in Bari mit.

Mit einem Hubschrauber gerettete Passagiere (Foto: Reuters)

Mit einem Hubschrauber gerettete Passagiere

Brand auf dem Parkdeck

Auf der "Norman Atlantic" war am Sonntagmorgen aus noch ungeklärter Ursache auf dem unteren Parkdeck Feuer ausgebrochen und hatte sich schnell ausgebreitet. Das Feuer konnte bis zum Sonntagabend unter Kontrolle gebracht werden, doch stieg auch danach schwarzer Qualm aus dem schlingernden Schiff auf. An Bord der brennenden Adria-Fähre müssen nach Aussagen von Passagieren fürchterliche Zustände geherrscht haben. Unter den Passagieren, die auf Hilfe warteten, brach Panik aus, es kam zu Schlägereien wegen Plätzen in Rettungsbooten.

Kritik an der Crew

Gerettete Passagiere erhoben teils schwere Vorwürfe gegen die Besatzung: "Man hat uns keine Anweisung gegeben. Es gab nur einen einzigen Notausgang auf Deck 6 in Richtung Bug. Es herrschte dort absolute Panik wegen des Gedränges. Es gab keinerlei Koordination, niemand hat die Leute beruhigt", sagte etwa eine griechische Passagierin. Auch ein Lkw-Fahrer kritisierte, von der Besatzung sei keine Hilfe gekommen. "Es gab keinen Feueralarm, der Rauch hat uns geweckt. Wir mussten Wasser vom Deck trinken und uns mit dem zudecken, was wir gerade finden konnten."

Fahrer schliefen in Lkw

Die Aussagen einer Lkw-Fahrerin und der eines ihrer Kollegen nähren Befürchtungen, dass es noch weitere Todesopfer geben könnte. Drei meiner Kollegen sind umgekommen, sagte die Truckerin. Sie hätten in ihren Fahrerkabinen geschlafen. Niemand habe die Passagiere rechtzeitig alarmiert. Ähnlich äußerte sich der Lkw-Fahrer Christos Pergis: "Ja, es gab Kollegen, die im Truck geschlafen hatten, weil es nicht genug Kabinen gab."

Die "Norman Atlantic" treibt derzeit manövrierunfähig vor der albanischen Küste. Die griechische Fährlinie Anek hat die fünf Jahre alte Fähre von der italienischen Reederei La Visemar gechartert. Diese beauftragte die niederländische Firma Smit mit der Bergung, die schon beim Unglück der "Costa Concordia" geholfen hatte.

wl/wa (dpa, afp, rtr)