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Aktuell Welt

Fährunglück: Panik nach Havarie

Kurz nach dem Unglück der Fähre "Sewol" vor der Küste Südkoreas herrschte Chaos und Panik auf der Brücke des Schiffes. Dies zeigen die jetzt veröffentlichten Aufzeichnungen des Funkverkehrs.

Aus den Funkgesprächen zwischen der "Sewol" und der örtlichen Schifffahrtskontrolle geht hervor, dass die Besatzung zögerte, das Schiff zu evakuieren, als sich dieses gefährlich zur Seite neigte. "Wir neigen uns. Wir sind kurz davor, runter zu gehen", sagte ein nicht identifiziertes Besatzungsmitglied. "Es neigt sich so sehr, wir können uns kaum bewegen."

An anderer Stelle sagte das Besatzungsmitglied, dass die Sicherheitsanweisungen nicht an die Passagiere durchgegeben werden konnten, da das Lautsprechersystem nicht funktionierte. Der Vertreter der Schifffahrtskontrolle erwiderte, sie sollten dennoch die Passagiere anweisen, ihre Rettungswesten und möglichst viele Lagen Kleidung anzuziehen. "Werden die Passagiere sofort nach der Evakuierung gerettet werden?", fragte daraufhin das Besatzungsmitglied. "Lassen Sie sie wenigstens einen Rettungsring tragen und lassen Sie sie schwimmen. Jetzt!", drängte darauf das Mitglied der Kontrollbehörde.

Kritik an Besatzung

Kritiker werfen der Besatzung vor, die Evakuierung des Schiffes zu spät angeordnet zu haben. Demnach hätten womöglich zahlreiche Menschenleben gerettet werden können, wenn die Passagiere bereits angewiesen worden wären, das Schiff zu verlassen, als sich dieses zu neigen begann. Der Kapitän und zwei weitere Besatzungsmitglieder wurden deswegen in Haft genommen.

Die Auto- und Personenfähre war am Mittwoch mit 475 Menschen an Bord gekentert. Nur 174 Menschen konnten gerettet werden, unter ihnen der Kapitän und die meisten anderen der 28 Besatzungsmitglieder.

Noch rund 240 Vermisste

Auf dem Schiff waren 325 Oberschüler, die einen Ausflug machen wollten. Als Unglückursache wird das Fahren einer zu scharfen Kurve vermutet, dadurch sei möglichweise die Ladung verrutscht und die "Sewol" in eine Schieflage geraten, die dann zum Untergang führte. Aber auch die Kollision mit einem Felsen gilt als mögliche Unglücksursache.

Am Sonntag war es Tauchern erstmals gelungen, ins Innere des gesunkenen Schiffes vorzudringen. Sie konnten mehr als 20 Tote aus dem Wrack zu holen. Damit stieg die Zahl der geborgenen Todesopfer auf 61. Noch vermisst werden rund 240 Menschen. Hoffnung, sie lebend zu finden, gibt es nicht mehr.

wl/sti (dpa, afp, rtr)