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Wirtschaft

EZB senkt Leitzins auf historischen Tiefstand

Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins von 2,0 auf 1,5 Prozent gesenkt. Der Schlüsselzins für die Refinanzierung der Banken hat damit den tiefsten Stand seit Einführung des Euro vor zehn Jahren erreicht.

Euro-Skulptur vor Fassade der EZB in Frankfurt (Foto: AP)

Die EZB will mit der Zinssenkung die Wirtschaft wieder in Schwung bringen

Die EZB gab die Entscheidung nach ihrer Ratssitzung am Donnerstag (05.03.2009) in Frankfurt am Main bekannt. Experten hatten eine Zinssenkung in dieser Höhe erwartet. Die neuerliche Zinssenkung gilt als Reaktion der Zentralbank auf die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet begründete die Entscheidung mit der zunehmenden Rezession in den Ländern der Währungsunion und der zuletzt immer restriktiveren Kreditvergabe durch die Banken.

Kontinuierliche Senkung

Geldschein zwischen zwei Händen, daneben Waren an einer Supermarktkasse (Foto: AP)

Wird nach der Zinssenkung mehr Geld ausgegeben?

Seit vergangenem Herbst wurde der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft kontinuierlich gesenkt. Im Oktober 2008 wurde er von 4,25 auf 3,75 Prozent reduziert. Weitere Zinssenkungsschritte gab es dann im November, Dezember und Januar.

Niedrigere Zinsen führen im Idealfall dazu, dass Unternehmen und Verbraucher billigere Kredite bekommen und damit die Wirtschaft ankurbeln.

Vor der EZB-Entscheidung hatte bereits die Bank von England ihren Leitzins um 0,5 Punkte auf den historischen Tiefstand von 0,5 Prozent gesenkt.

In den USA und Japan ist man sogar schon so weit, dass die Leitzinsen praktisch bei null liegen.

Trichet sieht Nullzins-Politik skeptisch

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet (Foto: AP)

Will verschiedene Optionen für die weitere Zinspolitik prüfen: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet

So weit würde EZB-Präsident Jean-Claude Trichet offenbar nur ungern gehen. In der traditionellen Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss ließ er sich diesbezüglich aber doch ein kleines Hintertürchen offen.

"Wir haben uns nicht darauf festgelegt, dass dies der niedrigste Punkt ist", sagte er in Bezug auf die aktuelle Entscheidung. Gleichzeitig verwies er darauf, dass der EZB-Rat in einer Nullzinspolitik, wie sie in Amerika und Japan praktiziert wird, mehr Nachteile als Vorteile sieht.

Trichet kündigte an, man werde im Hinblick auf die künftige Zinspolitik diverse Möglichkeiten prüfen. Auch eine "quantitative Lockerung" der Geldpolitik - sprich eine Aufblähung der Geldmenge nach dem Vorbild anderer Zentralbanken - schließt der EZB-Chef nicht aus.

Kritik von Gewerkschaften, Lob aus der Wirtschaft

Die Zinsentscheidung der EZB stieß bei Wirtschaft und Gewerkschaften auf unterschiedliche Reaktionen.

Lob kam aus der Wirtschaft. Der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier, sagte, die EZB nutze den Spielraum, den ihr der sinkende Preisdruck eröffne. Die Zinssenkung trage zur Stabilisierung der Finanzmärkte bei. Dies sei wiederum eine Voraussetzung dafür, dass sich auch die Realwirtschaft erhole.

Scharfe Kritik kam dagegen unter anderem vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Die Zentralbank reagiere "zu spät und zu zögerlich" auf die historische Wirtschaftskrise, sagte DGB-Chefvolkswirt Dierk Hirschel der Nachrichtenagentur Reuters. "Sie hätte sich ein Beispiel an den angelsächsischen Banken nehmen und die Zinsen schnell und drastisch senken sollen", fügte er hinzu. (gri)

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