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Wirtschaft

EZB-Kaufprogramm: Fragen und Antworten

Heute hat die Europäische Zentralbank mit dem massiven Ankauf von Anleihen der öffentlichen Hand begonnen. Monatlich 60 Milliarden Euro will sie dafür ausgeben. Was soll das bringen, wer profitiert?

Was genau wird die Europäische Zentralbank (EZB) jetzt kaufen?

Geplant ist der Kauf von Schulden der Eurostaaten und öffentlicher Institutionen, etwa der Europäischen Investmentbank (EIB) oder der staatlichen deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Sie alle leihen sich Geld, indem sie Anleihen begeben. Das sind Schuldscheine, die eine feste Laufzeit und feste Zinsen haben.

Die Papiere sind frei handelbar, können also an den Finanzmärkten ge- und verkauft werden. Weil der EZB die direkte Staatsfinanzierung verboten ist, darf sie die Anleihen nur auf dem Sekundärmarkt kaufen, also von Banken oder institutionellen Anlegern.

Werden Anleihen stark nachgefragt, steigt ihr Preis. Da die Verzinsung fest ist, sinkt bei steigendem Preis die Rendite, die Investoren erzielen können. Schon jetzt sind die Renditen für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit sehr niedrig: für deutsche Papiere liegen sie unterhalb von 0,4 Prozent, für spanische und italienische Papiere bei rund 1,5 Prozent.

Die EZB und die nationalen Notenbanken des Eurosystems kaufen Anleihen mit einer Laufzeit zwischen zwei und 30 Jahren. Um den Markt nicht zu verzerren, müssen die Anleihenkäufe dem Anteil eines jedes Eurolandes am EZB-Kapital entsprechen, für Deutschland sind das rund 28 Prozent.

Anleihen aus Griechenland und Zypern sind vorerst vom Kauf ausgeschlossen. Diese Länder müssen erst Fortschritte in ihren Reformprogrammen nachweisen. Hinzu kommt, dass die EZB nicht mehr als ein Drittel aller ausstehenden Anleihen eines Landes kaufen darf.

Was will die EZB mit dem Kaufprogramm erreichen?

Die Europäische Zentralbank will damit die niedrige Inflation bekämpfen. Die wird nach Schätzungen der EZB in diesem Jahr nur null Prozent betragen, in den vergangenen Monaten war sie sogar negativ. Gemessen an den Zielen der EZB ist das viel zu niedrig. Sie ist verpflichtet, für die Stabilität der Währung zu sorgen und definiert Stabilität als eine Inflation von "nahe, aber unterhalb von zwei Prozent" jährlich.

Außerdem will die Zentralbank dafür sorgen, dass mehr Kredite an Haushalte und Unternehmen vergeben werden. Normalerweise geschieht dies über eine Senkung des Leitzinses. Weil der aber kaum noch weiter gesenkt werden kann (er liegt aktuell bei 0,05 Prozent), hofft die EZB nun, über Anleihekäufe einen Effekt zu erzielen.

Wie erwähnt, sinken die Renditen von Staatsanleihen, wenn die Nachfrage und damit der Preis steigt. "Dann werden Investoren womöglich in andere Anlageformen ausweichen", sagt der Bonner Wirtschaftsprofessor Keith Kuester, der früher auch bei der US-Notenbank und der EZB gearbeitet hat.

Anstatt ihr Geld in Staatsanleihen anzulegen, könnten die Investoren es etwa in die Realwirtschaft stecken und an Unternehmen oder Haushalte verleihen. Über diesen Umweg könnte das zusätzliche Geld dann die Konjunktur ankurbeln, hofft die EZB.

Ob das allerdings eintrifft, ist umstritten. Das zusätzliche Geld, das die EZB auf die Märkte spült, werde "in vielen Ländern der Währungsunion die Kreditvergabe an die Unternehmen und privaten Haushalte kaum steigern", befürchtet Jörg Krämer, Chef-Volkswirt der Commerzbank. Sein Argument: Die Banken müssen höhere Eigenkapitalquoten ausweisen und bleiben deshalb bei der riskanten Kreditvergabe vorsichtig.

Ist es möglich, dass das Kaufprogramm einfach wirkungslos verpufft?

Das Volumen des Kaufprogramms ist gewaltig. Pro Monat will die EZB 60 Milliarden Euro ausgeben, davon zehn Milliarden für private Kreditverbriefungen. Bis zum Ende der regulären Laufzeit im September nächsten Jahres werden Papiere für mehr als eine Billion gekauft, also 1000 Milliarden Euro.

Trotzdem ist es möglich, dass die Inflation bis dahin nicht wieder auf die Zielmarke von knapp unter zwei Prozent gestiegen ist. EZB-Chef Mario Draghi hat bereits angekündigt, das Kaufprogramm notfalls länger laufen zu lassen.

"Wir können uns gut vorstellen, dass die (EZB) in einem solchen Fall das monatliche Kaufvolumen erhöht", kommentiert Krämer von der Commerzbank.

Weil die EZB das Geld, das sie ausgibt, aber selbst erschafft, sind ihre Geldreserven theoretisch unbegrenzt. Früher oder später wird sie ihr Inflationsziel erreichen können, glaubt Ökonom Kuester: "Man kann davon ausgehen, dass Zentralbanken durch Ankäufe, die eine entsprechende Langfristigkeit haben, auch die Inflationsrate stabilisieren können."

Es bleibt allerdings das Risiko, dass die Anleihen am Ende weniger Wert sind, als die EZB dafür bezahlt hat, sagt Kuester. "Entsprechende Verluste trägt dann der Steuerzahler."

Welche Auswirkungen hat die Geldschwemme auf den Eurokurs?

Schon die Ankündigung des Kaufprogramms hat den Eurokurs gegenüber dem US-Dollar sinken lassen. Aktuell ist er so schwach wie seit 2003 nicht mehr. Die Analysten der Commerzbank erwarten, dass die Anleihenkäufe der EZB "den Euro weiter schwächen werden".

Denn das viele Geld sucht nach Anlagen. Bei sinkenden Renditen in der Eurozone werden ausländische Staatsanleihen attraktiver. "So bieten zehnjährige US-Staatsanleihen mittlerweile höhere Renditen als Anleihen Portugals", so die Commerzbank.

"Dass der Wechelkurs fällt, ist durchaus ein beabsichtigter Effekt", sagt Kuester. Für exportorientierte Branchen in der Eurozone wirkt ein schwacher Euro wie ein Konjunkturprogramm. Ihre Waren werden dadurch günstiger und im Ausland konkurrenzfähiger.

Werden die Aktienkurse weiter steigen?

Der Deutsche Aktienindex Dax hat schon nach der Ankündigung des Kaufprogramms im Januar deutlich zugelegt und seitdem neue Höchststände von deutlich über 11.000 Punkten erreicht.

Wenn die EZB nun mit dem Kauf von Staatsanleihen beginnt und damit deren Renditen sinken lässt, werden Aktien für Anleger attraktiver. Wieviel von dieser Entwicklung bereits in den Kursen eingepreist ist, lässt sich kaum einschätzen, genauso wenig wie die Frage, ob die hohen Kurse erste Zeichen einer Blase sind.

Die Analysten der Commerzbank sind jedenfalls optimistisch: Sie hoben ihre Prognose für das Jahresende um 1000 Punkte an und sehen den Dax dann bei 11.800 Punkten.

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