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Wirtschaft

EZB bereitet Märkte auf Zinsschritt vor

Der EZB-Rat hat in seiner Juni-Sitzung den Leitzins in der Euro-Zone unverändert bei 1,25 Prozent belassen. Allerdings deutete der Chef der Zentralbank, Jean-Claude Trichet, einen Zinsschritt für Juli an.

Gebäude der EZB in Frankfurt (Foto: dapd)

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet (Foto: dapd)

"Starke Wachsamkeit": EZB-Präsident Jean-Claude Trichet

Die Zinsen im Euro-Raum bleiben vorerst unverändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) verlängerte am Donnerstag (09.06.2011) ihre Zinspause und hält den Leitzins wie erwartet bei 1,25 Prozent. Das teilte die Notenbank in Frankfurt am Main mit. Der EZB-Rat hatte im April die Politik des extrem billigen Geldes beendet und erstmals seit fast genau zwei Jahren den Leitzins wieder leicht um 0,25 Punkte angehoben. Doch Fachleute sind sich einig: Bei seiner nächsten Sitzung im Juli wird der Zentralbankrat die Leitzinsen erneut anheben - voraussichtlich um einen Viertelprozentpunkt.

Denn Notenbankchef Jean-Claude Trichet hat auf seiner Pressekonferenz nach der Sitzung erstmals wieder das Codewort "starke Wachsamkeit" hinsichtlich der Preisentwicklung gebraucht. Die "starke Wachsamkeit" ist der Schlüsselbegriff, der eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung ankündigt. Trichet hatte den Begriff zuletzt bei der EZB-Sitzung am 3. März benutzt, um die Märkte auf den Zinsschritt im April vorzubereiten.

Ein Zins für alle

EZB Europäische Zentralbank Logo

EZB im Dilemma

"Die Notenbanker sind derzeit nicht zu beneiden", sagte Alexander Koch, Volkswirt der Großbank Unicredit, zur Financial Times Deutschland. Europäische Geldpolitik sei heute deutlich schwerer als in den ersten zehn Jahren der Währungszone. Zwar gab es auch damals ein konjunkturelles Gefälle, aber das war deutlich weniger ausgeprägt als heute. Und während der Euro damals den südlichen Peripherieländern einen Boom bescherte und Länder wie Deutschland schwächelten, stecken heute einige Peripherieländer in einer schweren Schuldenkrise.

Unter diesen Umständen eine richtige Zinsentscheidung zu treffen, ist beinahe unmöglich. Zwar ist die Inflationsrate in Euroland zuletzt leicht gesunken, sie lag aber im Mai mit 2,7 Prozent immer noch deutlich über der von der EZB angestrebten Marke von knapp zwei Prozent. Doch dahinter verbirgt sich eine enorme Bandbreite, sie reicht von Irland mit 1,5 Prozent Inflation bis zu 5,5 Prozent in Estland. Die EZB kann jedoch nicht Rücksicht auf die Situation in einzelnen Ländern nehmen, sie muss sich an der gesamten Eurozone orientieren.

EZB im Dilemma

Frankfurt Skyline - Deutsche Banken (Foto: dpa)

Banken werden mit genug Liquidität versorgt

Und hier wäre schon jetzt ein erneuter Zinsschritt angebracht - was bisher aus Rücksicht auf Länder wie Griechenland, Portugal oder Irland nicht geschehen ist. Eine Zinserhöhung würde und wird diese Länder hart treffen. Andererseits: Sehen die Notenbanker dem Preisauftrieb tatenlos zu, könnte es zu starken Inflationstendenzen in Boomländern wie Deutschland und in einer Reihe von Nachbarländern kommen.

Die Geschäftsbanken der Problemländer können sich allerdings bei der EZB weiterhin zu sehr großzügigen Bedingungen mit Geld versorgen. Die Zentralbank hat für spezielle Geschäfte in der Krise die sogenannte Vollzuteilung eingeführt, bei der die Banken soviel Geld bekommen, wie sie nachfragen. Zugleich drückt die EZB bei den Sicherheiten ein Auge zu, die Banken aus Problemstaaten wie Irland und Griechenland bei den Refinanzierungsgeschäften hinterlegen. Sie akzeptiert mit Abschlägen auch Staatsanleihen, die nach den strengen Regeln der EZB eigentlich nicht zentralbankfähig sind.

Sie könnte diese Politik aber nicht mehr fortsetzen, wenn Griechenland im Rahmen einer Umschuldung von den Ratingagenturen als zahlungsunfähig eingestuft würde. Daher wehrt sich die EZB mit Händen und Füßen gegen eine Umstrukturierung der griechischen Schulden.

Autor: Rolf Wenkel (dpa, dapd, rtr, ecb.int)
Redaktion: Henrik Böhme

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