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Geldpolitik

EZB: Am Bollwerk selbstgesetzter Grenzen

Der Ausstieg kann nur langsam kommen, sonst gerieten Banken ins Schleudern - die Bankenaufsicht hat gewarnt. Andererseits: Die EZB muss ihre Politik billigen Geldes zurücknehmen. An diesem Donnerstag könnte es losgehen.

Immerhin rechnen die Märkte mit ersten konkreten Hinweisen. "Im Herbst" wolle er sagen, ob und wann die monatlich 60 Milliarden Euro, die die EZB für Anleihekäufe ausgibt, weniger werden. Das hatte EZB-Präsident Mario Draghi im Juli angekündigt. Und es wäre schon eine Enttäuschung, wenn er diesen Donnerstag (07.09.2017) noch zum Sommer und nicht schon zum Herbst rechnete.

Denn die selbstgesteckten Grenzen des Anleihekaufprogramms rücken näher. Bis zu 33 Prozent der Anleihen eines Emittenten, mehr nicht, will die EZB kaufen. Diese Grenze wird für Bundesanleihen im Sommer 2018 und etwa sechs Monate später auch für Anleihen aus Frankreich, Italien und Spanien erreicht. Dann hätte die Notenbank gleich mehrere "Klumpenrisiken" in der Bilanz.

Deutschland EZB PK in Frankfurt Mario Draghi (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Die Inflation im Blick: Mario Draghi

Räte reden von selbstragendem Aufschwung

Und noch etwas lässt auf erste Andeutungen über eine weniger expansive Geldpolitik hoffen, etwas, was viele Europäer spüren: die besser laufende Konjunktur. Dem Zentralbankrat werden am Donnerstag die neusten Analysen der EZB-Volkswirte vorliegen. Die wollte Draghi auch noch abwarten, bevor er sich entscheidet. Beim letzten Mal ließen die Räte aber ausweislich des Protokolls wissen, die Wirtschaftsentwicklung im Euroraum sei "zunehmend selbsttragend und somit weniger stark an den derzeitigen Grad der geldpolitischen Akkommodierung gekoppelt". Michael Schubert, geldpolitischer Analyst der Commerzbank, rechnet deshalb damit, dass "Draghi vermutlich erstmals andeuten wird, dass die Notenbank 2018 weniger Anleihen kaufen wird als bisher."

Der starke Euro schießt quer

Es gibt freilich auch Gegenargumente. Könnte die EZB nicht ihre selbstgesetzten Grenzen verschieben? Und selbst wenn die Wirtschaft in Euroland dieses Jahr um zwei Prozent wachsen sollte - wird die Inflationsrate mit wachsen? Zuletzt, im August, ist sie zwar von 1,3 auf 1,5 Prozent gestiegen. Dies aber nur wegen der Energiepreise. Die Kernrate, ohne Energie und Lebensmittel, verharrte bei 1,2 Prozent. Und der zuletzt stark gestiegene Euro dürfte Energieimporte in Euro verbilligen und damit die Inflationsrate wieder sinken lassen - was die EZB nicht will. Sie steuert immer noch knapp zwei Prozent Geldentwertung an.

Der starke Euro dürfte mit seiner preis- und auch konjunkturdrückenden Wirkung der EZB also einigen Raum für Lockerungsübungen genommen haben. Außerdem, so Sebastian Sachs vom Bankhaus Metzler, brauchten gerade die südeuropäischen Länder noch den Schub durch die niedrigen Zinsen. Robert Greil, der Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, formuliert diesen Aspekt politischer: "Die EZB dürfte nicht zuletzt angesichts der noch ausstehenden Wahlen in Italien keine zu restriktiven Signale geben."

Sparer müssen weiter darben

Damit rechnet auch Reinhard Cluse, der Chefvolkswirt Europa der UBS: Am Donnerstag stillhalten, irgendwie den Spagat bewältigen, den Euro runterzureden, ohne wirklich Wechselkurspolitik zu betreiben. Und dann am 26. Oktober ankündigen, die Anleihekäufe würden von 2018 an auf 40 Milliarden Euro monatlich sinken. Aber das Ende der Käufe offenlassen.

Für Sparer heißt das: Die Zinsen bleiben noch lange niedrig.

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