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Rassismus

"Exzessive Polizeigewalt" in Chicago

Zweimal am Tag geschieht in der US-Stadt ein Mord. Doch nicht nur die Verbrechensstatistik von Chicago ist alarmierend: Auch das Vorgehen der Polizei ist oft kriminell. Die Leidtragenden sind fast immer dieselben.

US-Justizministerin Loretty Lynch hat der Polizei von Chicago einen "exzessiven" Einsatz von Gewalt vorgeworfen. Laut einer Untersuchung ihres Ministeriums verletzt die Polizei dort regelmäßig Bürgerrechte. In vielen Fällen sei die Gewaltanwendung weder angebracht noch verfassungsgemäß. Überdies gebe es eine Mauer des Schweigens, sobald es zu Ermittlungen wegen Fehlverhaltens komme.

Unter den Missständen litten vor allem Afroamerikaner und Hispanics, sagte Lynch. Gegen Schwarze setzten die Beamten zehnmal häufiger Gewalt ein als gegen Weiße, heißt es im Untersuchungsbericht. Die Ministerin beklagte auch Ausbildungsmängel, die sich bei der Polizei der drittgrößten US-Stadt zeigten.

16 Schüsse auf einen Teenager

Anlass für die Überprüfung durch die Bundesbehörden war der Fall des 17-jährigen Schwarzen Laquan McDonald. Er wurde im Oktober 2014 in Chicago von einem weißen Polizisten erschossen. Ein Video zeigt, wie der Beamte 16 Mal auf den jungen Mann feuert, der vor ihm weglaufen will.

USA Staatsanwältin Loretta Lynch spricht über Chicagos polizeilichen Gewalt (picture-alliance/AP Photo/T. Crawford)

Justizministerin Loretta Lynch stellt den Bericht über Polizeigewalt vor

Nach der erzwungenen Veröffentlichung der Videoaufnahmen im November 2015 wurde der Polizeichef von Chicago entlassen. Tausende Menschen gingen dort wie auch in anderen Städten auf die Straße, um Polizeigewalt gegen Schwarze anzuprangern, die immer wieder in den USA beklagt wird.

Nach Hautfarben getrennt

Chicago ist statistisch gesehen die Verbrechenshauptstadt der Vereinigten Staaten. 2016 wurden mehr als zwei Morde pro Tag registriert, eine deutliche Steigerung gegenüber dem Jahr zuvor. Einst war Chicago mit dem Namen von Al Capone verbunden, der zur Zeit der Prohibition von 1925 bis 1931 die Unterwelt beherrschte.

Heute gilt die Industrie- und Handelsmetropole im Bundesstaat Illinois als eine der am stärksten nach ethnischer Zugehörigkeit getrennten Städte der USA. Zwar sind rund ein Drittel der Chicagoer schwarz, 45 Prozent weiß und 30 Prozent Hispanics. In den Armenvierteln des Südens leben allerdings zu mehr als 90 Prozent Schwarze. Der reiche Norden ist überwiegend von Weißen bewohnt. Das Einkommen in den schwarzen Vierteln sank seit dem Jahr 2000, in den Stadtteilen mit weißer Mehrheit hingegen stieg es.

jj/myk (dpa, afp, ap)