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Politik

Extremisten wünschen Scharon den Tod

Radikale Gegner des geplanten Abzugs aus dem Gazastreifen haben den israelischen Ministerpräsidenten Scharon mit einem religiösen Todesfluch belegt. Ultrarechte Israelis hielten eine Verwünschungszeremonie ab.

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Verhasst bei rechtsextremen Israelis: Ariel Scharon

Es war eine merkwürdige Veranstaltung, die in der letzten Woche auf einem Friedhof in Israel stattfand und am Dienstagabend (26.7.) im israelischen Fernsehen gezeigt wurde. Zwanzig Männer hatten sich am Grab eines jüdischen Märtyrers aus biblischer Zeit zusammengefunden, um Israels Ministerpräsidenten Ariel Scharon zu verfluchen. Pulsa de Nura - Peitsche aus Feuer heißt die Zeremonie, die ihre Wurzeln in der jüdischen Mystik Kabbalah hat. Sie verheißt den Tod des Verfluchten innerhalb von 30 Tagen. Einer der Teilnehmer war Michael Ben Horin. "Wir haben die Engel der Zerstörung aufgerufen, so schnell wie möglich Ariel Scharon zu töten. Ich wiederhole: wir haben nicht die Menschen aufgerufen, sondern die Engel der Zerstörung. Zu unserem Bedauern sind im letzten Jahr wichtige Menschen im Schlaf gestorben und wir hoffen, dass dies auch Ariel Scharon geschieht, so schnell wie möglich", sagte Ben Horion.

Erinnerungen an Rabins Tod

Yitzhak Rabin

Jitzchak Rabin

Für viele Israelis klingt das bekannt. Vor zehn Jahren, kurz vor der Ermordung des damaligen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin, führten rechtsextreme Israelis genau die gleiche Zeremonie durch. In der aufgeheizten Stimmung jener Tage nach dem Beginn des Oslo-Friedensprozesses, als rechtsgerichtete Demonstranten Rabin sogar tätlich angriffen, fand der böse Fluch viel Aufmerksamkeit. Der Mörder Rabins, Yigal Amir sagte später im Verhör aus, er habe Rabin ermordet, nachdem ihm ein Rabbiner dazu den Segen gegeben habe.

Ben Horin bereiten diese Parallelen keine Sorge. "Hitler und Stalin hatten vielleicht zehn Prozent der Personensicherung, die Scharon hat. Wenn jemand daran denken sollte, ihn zu töten, hat er keine Chance und es wäre Zeitverschwendung. Darum haben wir die Engel der Zerstörung gerufen", sagte Ben Horin.

Kritik von Geistlichen

Israels Oberrabbiner Yonah Metzger verurteilte den Fluch. In der jüdischen Religion gäbe es keinerlei Grundlage für die Pulsa-de-Nura-Zeremonie. Sie widerspreche allen Werten des Judentums und des Humanismus.

Nicht nur der staatlich alimentierte Oberrabbiner von Israel meldete sich zu Wort. Auch der in Israel berühmte und bei seinen Anhängern hoch verehrte Kabbalist Rabbi Kaddouri, der selbst wegen seines hohen Alters nicht mehr in der Lage ist, sich in kohärenten Sätzen zu äußern, ließ über einen Sprecher mitteilen, dass er die Pulsa-de-Nura-Zeremonie gegen Scharon strikt ablehne.

Aufruf zum Widerstand

In den letzten Wochen haben sich zahlreiche Rabbiner in Israel auf die Seite der Gegner des geplanten Rückzugs aus dem Gazastreifen geschlagen. Sie rufen die Soldaten öffentlich zur Befehlsverweigerung auf und nennen Ministerpräsident Scharon einen Diktator. Einige der Rabbiner, die selbst in religiösen Siedlungen im Westjordanland und im Gazastreifen leben und lehren, formulierten sogar eine religiöse Anweisung, nach der die Evakuierung von jüdischen Siedlungen im biblischen Land Israel verboten sei.

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