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Kultur

Extrem würzig und erfolgreich

Jahrzehnte stand sie auf deutschen Esstischen. Die kleine Flasche mit Maggi-Würze hat eine lange Erfolgsgeschichte. Sie wurde für alles benutzt, was mehr Geschmack bekommen sollte. Ihr Erfinder hatte Soziales im Sinn.

Maggi Würze Flasche (Copyright: Maggi GmbH)

Maggi-Würze ist eine Ikone der kulinarischen Kultur Deutschlands. Auch wenn die braune Sauce wenig mit Kochen zu tun hat. Sie brachte Geschmack, wo vorher keiner war - ein wirksames Mittel gegen die Fadheit des Lebens. Nicht nur Suppen bekamen durch Maggi mehr Intensität, auch mit Nudeln haben viele Menschen sie verzehrt, manche würzen damit sogar Wurstbrot oder Frühstücksei, um ihm mehr Geschmack zu verleihen. Vor 125 Jahren wurde Maggi entwickelt und seine Popularität ist immer noch ungebrochen, auch wenn die klassische Flasche im gelb roten Design inzwischen nur noch selten neben Salz und Pfeffer auf deutschen Küchen- und Gasthaustischen steht. 19 Millionen Exemplare werden jährlich allein in Deutschland davon verkauft.

Eine soziale Idee stand am Anfang

Moped mit großer Maggi-Werbung in Niger's Hauptstadt Niamey (Foto: Pascal Parrot/ABACAPRESS.COM)

Erfunden hat das Allround-Würzmittel der Schweizer Unternehmer Julius Maggi. Wer den Reichtum der heutigen Schweiz kennt, kann sich vielleicht schwer vorstellen, dass auch dort im 19. Jahrhundert die Arbeiter Hunger litten und an zahlreichen Mangelkrankheiten litten. Doch genau das war der Grund, weshalb die Schweizer Gemeinnützige Gesellschaft 1883 Julius Maggi beauftragte, einen nahrhaften Extrakt zu entwickeln, der ohne großen Aufwand zuzubereiten war. Der Unternehmer experimentierte mit Hülsenfrüchten und produzierte daraus nährstoffreiche Mehlsorten. Diese Mehle bildeten die Grundlage für Maggis Fertigsuppen. 1886 kam die Würzsauce hinzu als Konkurrenzprodukt zum "Fleischextrakt" von Justus Liebig. Ein flüssiger Star war geboren.

Intensiv ja, aromatisch nein

An Maggi scheiden sich die Geister. Auch wenn die Sauce ein populäres Massenprodukt ist, gastronomische Würden hat sie nie erlangt. Gourmets ist die salzig-braune Flüssigkeit mit reichlich Geschmacksverstärkern ein Graus. Sie macht zwar jedes Gericht aromatisch "irgendwie" intensiver, mehr Geschmack kommt aber nicht dabei heraus. Ein Verstärkung, die gleichzeitig nivelliert. Maggi-Würze übertönt jeden anderen Geschmack einer Speise und macht sie dadurch anonym. Damit passt der Würz-Blockbuster in eine Zeit mit steigendem Bedürfnis nach starken aromatischen Reizen, das mit reichlich Pommes, Pizza und Chips befriedigt wird.

Flaschen mit Maggi-Würze aus unterschiedlichen Jahren (Foto: dpa)

Hauptsache schnell

Der Erfolg von Maggi erklärt sich leicht durch die Entwicklung der modernen Ernährungsweisen. Seit den 1950er Jahren ging es in der Küche um Arbeitserleichterung für die Hausfrau. Schnell und einfach mussten die Gerichte sein, die überzeugen wollten. Fertiggerichte und Tiefkühlnahrung sind seitdem auf dem Vormarsch. Und lange Zeit spielte der Geschmack dabei kaum eine Rolle. Das hat sich jedoch in den letzten Jahren deutlich geändert. Inzwischen legen die Deutschen zunehmend Wert auf Originalität und Natürlichkeit bei der Ernährung. Nicht nur Bio mit Herkunftsangabe ist gefragt, es wächst eine neue Generation von Genießern heran. Zu einer solchen Ernährung, die Wert auf geschmackliche Differenzierung legt, passt weder der nivellierende Charakter der Maggi-Würze, noch sein Charakter des Kunstprodukts der Lebensmittelindustrie. Maggi wird bleiben.

Historischer Maggiwürfel Rindsuppe (Foto: Thomas Senne/ Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)

Maggi-Würze wird heute vom internationalen Nestlé-Konzern hergestellt. Der hat sich natürlich längst auf die moderne Zeit eingestellt. 300 verschiedene Produkte umfasst das Maggi-Sortiment mit Suppen, Saucen und Fertiggerichten mit "Gelinggarantie". Die Marke Maggi wird also präsent bleiben, auch wenn ihr berühmtestes Kind, die Maggi-Würze mehr und mehr aus den Küchenschränken verschwindet.

Maggi-Art

Auch Künstler haben sich der Küchenikone angenommen. Thomas Bayrle sah in Maggi einen "Archetyp des modernen Industriezeitalters". Und Joseph Beuys hat das unverkennbare Würzfläschchen genutzt, um in einer Installation ein schmales Reclam-Taschenbuch mit Immanuel Kants berühmter Philosophie der "Kritik der reinen Vernunft" daran zu heften. Ob er Maggi für ein vernünftiges Produkt hält, hat Kunstprofessor Beuys allerdings nicht verraten.

Autor: Günther Birkenstock
Redaktion: Gudrun Stegen