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Bildung

Exportschlager Hochschulbildung

Ob Jordanien, Ungarn oder Indonesien: Der Deutsche Akademische Austauschdienst fördert zahlreiche deutsche Hochschulprojekte rund um den Globus. Bei Beate Schindler-Kovats laufen die Fäden dieser Programme zusammen.

Beate Schindler-Kovats(Foto: DAAD/Lichtenscheidt)

Beate Schindler-Kovats vom DAAD

DW-WORLD.DE: 38 deutsche Hochschulprojekte in aller Welt werden derzeit vom DAAD gefördert, zum Beispiel die German-Jordanian-University in Amman, die Andrassy-Universität im ungarischen Budapest und die Swiss German University in Jakarta, Indonesien. Wie kommen solche Kooperationen zustande ?

Beate Schindler-Kovats: Es gibt verschiedene Ansätze und Modelle, nämlich die sogenannten Bottom-up- und die Top-down-Ansätze. Beim Top-down-Modell gibt in der Regel eine Initiative – entweder eine Regierungsinitiative oder auch politische Initiativen, manchmal auch private Investoren – sozusagen den Auftrag zur Entwicklung einer Hochschulgründung im Ausland. Bottom-up-Projekte dagegen sind Kooperationsprojekte, die Hochschulpartner zusammen initiieren und dann etwa aus gemeinsamem Fachinteresse einen gemeinsamen Studiengang oder ein gemeinsames Graduierungsprogramm entwerfen. Daraus kann dann auch als Bottom-up-Projekt schon mal eine größere Einheit werden, etwa eine Abteilung oder auch ein ganzes Zentrum.

Lassen Sie uns auf die Gründung von Hochschulen schauen, also auf das, was Sie als 'Top-down' bezeichnen. Welche hochschulpolitischen Ziele stecken dahinter?

Auch die Ziele sind verschiedene. Es gibt durchaus bildungspolitische Ziele, die etwa die Regierungen verfolgen. Es gibt aber auch Ideen und Ziele, die mit entwicklungspolitischen Projekten zusammenkommen, etwa wenn in arabischen Staaten das Modell einer deutschen Ausbildung – sei es das FH-Modell oder auch das Universitätsmodell – als ein Reformmodell für diese Länder gesehen wird.

Gibt es denn bestimmte Weltregionen, in denen typischerweise deutsche Universitäten gegründet werden?

Interessanterweise sind die größeren Projekte eher in den arabischen Ländern zu finden. Die kleineren Bottom up-Projekte sind eher im asiatischen Raum verankert.

Haben Sie dafür eine Erklärung?

Die German University in Cairo (Foto: Jürgen Stryjak)

Top-down-Projekt: Die German University in Cairo


Es ist, glaube ich, auch der politische Hintergedanke, dass gerade diese Staaten mit Deutschland oder mit Europa als Modell ein wenig ein Signal setzen wollen gegen das, was sehr stark aus den USA oder aus Großbritannien exportiert wird. Dass man sagt, andere Länder etwa in Europa haben durchaus auch etwas zu bieten auf dem Hochschulmarkt. Und umgekehrt haben die Deutschen auch ein Interesse daran, in diesen Ländern, in denen sich auch innovativ etwas bewegen lässt, stärker verankert zu sein.

Der DAAD hat sozusagen die Programme in der Hand. Von wem kommt denn das Geld für diese Neugründungen, egal ob Studiengänge oder ganze Hochschulen?

Zum Teil gibt es Gelder aus unseren Ministerien, vor allen Dingen aus dem BMBF, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, das ein besonderes Programm zur Internationalisierung deutscher Hochschulen aufgelegt hat. Aber Gelder kommen auch von privaten Investoren. Die German University in Cairo zum Beispiel ist eine private Initiative. Oder Oman: Geotech ist ein Projekt, das in erster Linie als Stiftungsuniversität von privaten Geldgebern initiiert und auch auf den Weg gebracht wurde. Und alle diese Projekte sollen in geraumer Zeit dann auch wirtschaftlich selbstständig werden.

Lassen Sie uns einmal auf die inhaltliche Ausgestaltung schauen: Was genau ist deutsch an diesen Hochschulen?

Deutsch ist natürlich in erster Linie ein Sprachbezug: Wir achten immer darauf, dass es ein ausgewogenes Sprachenkonzept gibt. Neben Englisch, das in der Regel die Arbeitssprache etwa in den Ingenieurwissenschaften ist, versorgen wir studienbegleitend, aber auch studienvorbereitend, die Studierenden mit Deutschkursen. So können sie – und das ist ein zweiter wichtiger Aspekt – einen Auslandsaufenthalt an den Hochschulen in Deutschland absolvieren. Deutsch ist auch der Anteil der deutschen Dozenten, die wir über unsere Programme dorthin entsenden. Das ist auch für die Hochschulen sehr wichtig, denn gerade im Bereich Doppelgraduierung möchten die deutschen Hochschulen ihre Diplome natürlich nur mit gewisser Qualitätssicherung vergeben. Und dann muss auch lokal vor Ort durch Projektleiter und durch Fachprofessoren die Qualität stimmen.

Die Ortakay-Moschee und die Bosporus-Brücke in Istanbul (Foto: AP)

Symbol Istanbul - Brücke zwischen zwei Kontinenten

Ein Zukunftsprojekt, das 2010/2011 an den Start gehen wird, ist die Deutsch-Türkische Universität, dann mit Sitz in Istanbul. Was steckt hinter dem Konzept?

Die Deutsch-Türkische Universität ist vor allen Dingen ein Leuchtturm- und Brückenprojekt. Wir nehmen das Symbol Istanbuls als Verbindung auch zwischen zwei Kontinenten gerne als Symbol dafür, dass mit einer solchen Universität die guten deutsch-türkischen Beziehungen auch im akademischen Bereich vertieft werden sollen – gerade vor dem Hintergrund, dass wir hier in Deutschland so viele türkischstämmige Nachbarn, aber auch Studierende haben. Diese Idee, dass es ein besonderes Symbol für die akademische Zusammenarbeit beider Länder geben kann und soll, wird auch uneingeschränkt von beiden Regierungen unterstützt, und wir versuchen jetzt entsprechend, den akademischen Rahmen zu entwickeln.


Beate Schindler-Kovats ist Leiterin der Gruppe "Hochschulprojekte im Ausland" beim Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD. Die im Interview erwähnten Projekte werden im Rahmen der Programme für Internationalisierung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.


Das Gespräch führte Svenja Üing
Redaktion: Claudia Unseld

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