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Wirtschaft

Exportschlager Bausparen

Bausparen gilt bei Börsen-Profis als verstaubte Art der Kapitalbildung. Die Mehrzahl der Deutschen sieht das dagegen anders. Auch im Ausland entwickelt sich das "Bausparen made in Germany" zum Erfolgsmodell.

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Schaffe, schaffe, Häusle baue - auch in China!

"Wir können fast alles, außer Hochdeutsch", lautet die selbstbewusste Eigenwerbung der Baden-Württemberger. Dass ein gutes Stück Wahrheit in diesem Spruch steckt, beweist die schwäbische Genossenschaftsbank Schwäbisch-Hall in China. Als erste und einzige ausländische Finanzdienstleisterin gelang ihr, was den so genannten Global Playern des Geldgewerbes, wie Citibank, Credit Suisse und Deutsche Bank, bis heute verwehrt bleibt: Schwäbisch-Hall macht Geschäfte auf dem größten Privatkunden-Markt der Welt.

Deutschlands größte private Bausparkasse gründete im Februar 2004 mit der China Construction Bank das Gemeinschaftsunternehmen "Sino-German Bausparkasse". Seitdem vertreiben drei deutsche Manager und ihre 35 Mitarbeiter in China Bauspar-Verträge nach deutschem Modell.

5000 Anrufer pro Woche

"Es läuft relativ gut an in China", berichtet Unternehmenssprecher Sebastian Flaith. "Wir machen dort intensiv Werbung für das Bausparen und erklären es in TV-Spots, die bis zu drei Minuten lang sind. Außerdem gibt es eine Hotline, über die sich die Chinesen informieren können." Mehr als 5000 Anrufer zählt die "Sino-German Bausparkasse" wöchentlich auf ihrer Hotline. Das Informationsbedürfnis ist groß.

Die Zahl der abgeschlossenen Bauspar-Verträge bleibt dahinter etwas zurück; bis Anfang April wurden etwa 1500 Verträge abgeschlossen. Damit liege man aber noch im Ziel-Korridor, sagt Flaith. Bis Jahresende will die erste deutsch-chinesische Bausparkasse etwa 40.000 Verträge abschließen. In den folgenden zwei Jahren sollen 120.000 hinzukommen.

Wachstumsmarkt

Die durchschnittliche Sparsumme beträgt in China 7.500 Euro. Das ist zwar deutlich weniger als in Deutschland, wo pro Vertrag mehr als 20.000 Euro angespart werden. Jedoch gilt China als immense Wachstumsregion. Die Regierung hat bereits damit begonnen, den Wohnungsmarkt zu privatisieren. Mehrere Millionen Chinesen sind schon Wohnungseigentümer, und der Wohnungsbaumarkt boomt. Schätzungen zufolge wird der Umsatz in der Branche im Jahr 2004 auf 100 Milliarden Euro steigen. 2003 lag er bei 80 Milliarden Euro.

China ist die aktuellste Etappe im Erfolgszug des deutschen Bauspar-Modells. 1991 erlaubte ein neues Bausparkassen-Gesetz den deutschen Bausparkassen erstmals Auslandsbeteiligungen. Zwei Jahre später stieg der deusche Marktführer Schwäbisch-Hall in Tschechien bei PSS (Erste Bausparkasse der Slowakei) ein. Heute ist das Joint-Venture in dem Land Marktführer mit einem Anteil von 40 Prozent. "In Tschechien lief das Geschäft besonders stark an", erinnert sich Flaith. "Dort mussten wir damals die Verträge mit Wäsche-Körben und in alten Skodas wegfahren, weil der Andrang so groß war." Heute haben zwei Drittel der tschechischen Bevölkerung einen Bausparvertrag.

Unternehmensstrategie

Auch die Slowakei und Ungarn sind für die Bauspar-Experten aus Schwaben ein wichtiger Markt. In den drei osteuropäischen Ländern zusammen haben sie 2003 etwa 1,2 Millionen neue Verträge mit einer Bausparsumme von 7,8 Milliarden Euro abgeschlossen. Zum Vergleich: in Deutschland waren es 1,3 Millionen mit einem Bauspar-Volumen von 31,1 Milliarden. "Von der Unternehmensstrategie her sind die Wachstumsmärkte ein zentrales Thema für uns", erläutert Flaith vor diesem Zahlen-Hintergrund. "Und das wird in den nächsten Jahren auch fortgesetzt."

Angst, dass sie von ihren ausländischen Partnern irgendwann ausgebootet werden und diese das Geschäft allein machen könnten, haben die Schwaben nicht. Sie sind stolz auf ihre IT-Erfahrung und ihre hoch entwickelte Finanz-Software, berichtete Hans-Dieter Funke, Geschäftsführer der "Sino-German Bausparkasse" in einem Presseinterview. Diese, so glaubt Funke, lasse sich nicht so einfach übernehmen. Auch das Know-How basiere auf jahrelanger Erfahrung und sei nicht einfach zu kopieren. Deswegen werden die Schwaben wohl noch viel zu tun haben, auch in China.

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