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Kultur

Exportierte Bildung

Englische und amerikanische Universitäten machen es schon lange vor. Sie bieten im Ausland ihre angesehensten Studiengänge an. Auch deutsche Hochschulen engagieren sich zunehmend mit eigenen Angeboten im Ausland.

Das deutsche Hochschulsystem hat im Ausland einen guten Ruf. Deshalb kommen immer mehr junge Menschen aus der ganzen Welt nach Deutschland, um hier zu studieren. Doch man muss seine Heimat nicht unbedingt verlassen, um an deutschen Seminaren und Vorlesungen teilzunehmen.

Inzwischen exportieren mehr als 20 deutsche Universitäten ihr Studienangebot ins Ausland: Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Bundesbildungsministerium unterstützen solche und ähnliche Projekte mit insgesamt zehn Millionen Euro.

Thailänder in Aachen

Zu den Pionieren des Seminar-Exports gehört die Technische Hochschule Aachen. Seit gut einem Jahr können sich junge Thailänder in Bangkok zu Ingenieuren ausbilden lassen, wie es sonst nur in Aachen geht. Doch warum wollen Thailänder ein Technikstudium nach Aachener Vorbild absolvieren? Elektrotechnik kann man auch an den thailändischen Universitäten studieren. "Thailand hat aber nicht die Kultur, auf die wir gerade hier in Aachen so stolz sind. Nämlich die Kultur der engen Zusammenarbeit mit der Industrie in Forschung und Entwicklung", so erklärt das Rolf Jansen, Professor für Elektrotechnik in Aachen. Jansen hat das deutsch-thailändische Hochschulprojekt ins Leben gerufen.

Rund 70 junge Männer und Frauen aus dem südostasiatischen Land studieren in Aachen. Einer von ihnen ist Kaviphat Nuttavuthisit. In wenigen Monaten wird er sein Studium der Elektrotechnik mit dem Diplom abschließen. Es sei eine gute Entscheidung gewesen, in Deutschland zu studieren, sagt Kaviphat: "Das Studium in Deutschland ist besser als in Thailand. In Thailand lernt man an der Hochschule nur Theoretisches. Es gibt nur wenige praktische Anwendungen"

Diplome aus Deutschland begehrt

In Thailand werden gut ausgebildete Ingenieure dringend gesucht, auch deutsche Firmen mit Niederlassungen in Südostasien wie Siemens oder Bayer seien auf qualifizierte Mitarbeiter angewiesen, sagt Jansen. Gute Chancen auf dem thailändischen Arbeitsmarkt haben deshalb junge Ingenieure mit einem deutschen Diplom.

Das Aachener Modell in Asien

Doch das kann man nun auch in Thailand erwerben. Aus der Freundschaft mit thailändischen Wissenschaftlern und Industrie-Unternehmen sei irgendwann die Idee entsprungen, die Ingenieur-Ausbildung nach Aachener Vorbild in Thailand selbst anzubieten, erzählt Professor Jansen. Seit einem Jahr gibt es in Bangkok einen Ingenieur-Studiengang nach dem Aachener Modell. Neben deutschen Hochschullehren unterrichten auch thailändische Professoren, die in Aachen mit den Seminarinhalten vertraut gemacht wurden. Die ersten Vorlesungen wurden in Thai abgehalten, doch seit einigen Wochen ist die Unterrichtssprache auf Englisch umgestellt worden.

Bei dem deutsch-thailändischen Studiengang handelt es sich um Masterkurse. Die Studenten müssen also bereits einen ersten Hochschulabschluss, den Bachelor, mitbringen. Der Masterkurs sei einem deutschen Hauptstudium mit Diplom vergleichbar und würde auch von deutschen Firmen anerkannt, sagt Rolf Jansen. Zurzeit seien etwa 50 Studenten eingeschrieben. Das Interesse an den Masterkursen sei groß, denn die Absolventen hätten ausgezeichnete Chanchen auf dem thailändischen Arbeitsmarkt.

Das Aachener Projekt wird sowohl von deutschen als auch von thailändischen Firmen finanziell unterstützt. Trotzdem gibt es den Masterkurs in Bangkok nicht umsonst: Umgerechnet 1250 Euro müssen die Studenten pro Semester bezahlen. Doch das soll kein Hindernis für junge Talente sein, sagt Rolf Jansen. Es gibt auch die Möglichkeit ein Stipendium zu beantragen.

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