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Wirtschaft

Exporteure fürchten alte und neue Krisenherde

Deutschlands Großhändler und Exporteure beschäftigen knapp zwei Millionen Menschen. Angesichts weltweiter Verunsicherung blickt die Branche skeptisch ins neue Jahr.

Vor dem Jahreswechsel herrschte noch Optimismus. 2016 sei mit einem weiteren Rekordjahr zu rechnen, ließ der deutsche Außenhandelsverband Ende Dezember verlauten. Sowohl für die Exporte wie auch für die Importe würden neue Allzeithöchstwerte erwartet. Ein Plus von sechs Prozent auf knapp 1,2 Billionen Euro sei bei den deutschen Ausfuhren 2016 durchaus drin.

Doch das neue Jahr mit seinen weltweit eskalierenden Krisen hat den deutschen Überfliegern gleich in den ersten Tagen mit aller Macht die Grenzen aufgezeigt. "Ein Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien würde uns erschüttern, das ist fast nicht zu bewältigen", warnt der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner. "Das würde ganz kurzfristig erhebliche Irritationen auf dem Rohölmarkt nach sich ziehen." Und weil die Chinesen vom Rohöl abhängig seien, hätte man dann auch sofort einen Transmissionsriemen, der dort zu Erschütterungen führen könne.

Was passiert in China?

In einem Land, das für Börner ohnehin zu den Kandidaten gehört, auf die die deutsche Wirtschaft ein besonders waches Auge haben sollte. China sei ein "Riesen-Risikofaktor" und die Entwicklung dort "eine große Bedrohung für die Stabilität der Weltwirtschaft", denn "die Chinesen haben ihre Probleme nicht im Griff". Das gelte für die Innen- wie die Außenpolitik, die ausgesprochen imperialistisch und gefährlich sei. "Die Situation der chinesischen Industrie ist desolat", urteilt Börner und stellt sich gleich mehrere beunruhigende Fragen: "Wer weiß wirklich, wie die Bankbilanzen aussehen? Wie ist es um die notleidenden Kredite bestellt? Wie stabil ist die chinesische Währung? Was ist alles nur erzählt, was ist echt?"

Eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft hätte nach Börners Einschätzung das Potenzial, die Weltwirtschaft und damit auch die deutsche Wirtschaft in eine Rezession zu drücken. Ein Szenario, das wenig optimistisch stimmt.

Flüchtlinge als Chance

Im Vergleich dazu wiegen die Probleme und Sorgen im eigenen Land weniger, wie sich in den Ergebnissen einer Unternehmensumfrage ausdrücken, die der BGA unter 1.200 deutschen Großhändlern durchgeführt hat. Auf nationaler Ebene werden die Herausforderungen durch die Flüchtlingskrise und die Terrorgefahr an erster Stelle genannt. Zwei Drittel der befragten Unternehmen befürchten, dass der ausgeglichene Haushalt in Frage steht.

Allerdings sieht mit 70 Prozent der ganz überwiegende Teil der befragten Unternehmen im Flüchtlingszustrom nach Deutschland durchaus eine Chance. Als Arbeitskräfte wären sie gerne gesehen, wenn sie zumindest über deutsche Sprachkenntnisse und Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen verfügten. Hingegen setzen nur 26 Prozent eine abgeschlossene Schul- oder Hochschulausbildung voraus.

Dies spiegelt sich in den möglichen Beschäftigungsarten, die Großhändler Flüchtlingen anbieten könnten. Abgesehen von gut einem Drittel, die keine Beschäftigungsmöglichkeiten in ihrem Unternehmen sehen, überwiegen zunächst einfache Helfertätigkeiten, beispielsweise in den Lägern, sowie Ausbildungs- und Praktikumsangebote. "Der Großhandel kann damit den Flüchtlingen eine berufliche Perspektive bieten, in das Arbeitsleben einzusteigen", meint Verbandspräsident Anton Börner.

EU in der Zerreißprobe

Und zwar in einem Umfeld, das zwar keinen Anlass zu "Begeisterungsstürmen" gebe, wirtschaftlich aber weiterhin "robust und attraktiv" sei. Produkte und Dienstleistungen "Made in Germany" würden auch in schwierigen Zeiten stark gefragt bleiben. Und so ist es auch im deutschen und damit europäischen Kontext einmal mehr der Blick nach außen, der Anton Börner Sorgen bereitet. Die Europäische Union befinde sich in einer Zerreißprobe mit ungewissem Ausgang. "Abschottung, Nationalismus, das sind Tendenzen, die ich mit sehr großer Sorge sehe."

Ob sich diese Entwicklung aufhalten lässt, kann Börner nicht sagen, er hofft es aber sehr. "Wir müssen Europa zusammenhalten, wir müssen die demokratische Basis und die Freiheit, auch die wirtschaftliche Freiheit und das, was uns groß und stark und sicher gemacht hat, das müssen wir bewahren." Man müsse den Bürgern klar machen, dass alles Abweichen davon nicht zu mehr Sicherheit und mehr Wohlstand führe, sondern zum Gegenteil: "Nämlich zu mehr Unsicherheit, zu mehr Misstrauen, weniger Wachstum, mehr Arbeitslosigkeit, zu weniger sicheren Renten und schlicht und ergreifend weniger Stabilität und schon gar keinem Wohlstand."

In der EU braue sich eine gefährliche Suppe zusammen, warnt der BGA-Präsident und meint damit nicht nur die politischen Entwicklungen, sondern auch die weiterhin schwelende Euro-Krise. Die EU schaffe es nicht, ihre wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Die von der EZB geöffneten Geldschleusen hätten die Probleme mit mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und unsoliden Staatsfinanzen nur vertagt.