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Wirtschaft

Exporte überraschend gestiegen

Die Industrie profitiert von einer überraschend starken Nachfrage: Die Exporte sind im März gegenüber dem Vormonat gestiegen. Trotzdem drosselten die Unternehmen ihre Produktion.

Die Geschäfte der deutschen Exporteure liefen im März dank reger Nachfrage aus Europa deutlich besser als erwartet. Die Ausfuhren stiegen um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Das ist der kräftigste Zuwachs seit einem halben Jahr.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten eine Stagnation vorhergesagt, nachdem es im Februar ein Plus von 1,3 Prozent gegeben hatte. Die Importe fielen um 2,3 Prozent und damit unerwartet deutlich. Die Exporte übertrafen die Importe kalender- und saisonbereinigt um 23,6 Milliarden Euro.

Vergleich zum Vorjahr

Vergleicht man die März-Exportzahlen mit denen des letzten Jahres, sieht es weniger gut aus: Die Unternehmen verkauften im März 2016 Waren im Wert von 107,0 Milliarden Euro ins Ausland. Das sind 0,5 Prozent weniger als im März 2015.

Die Ausfuhren in die EU-Länder legten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,7 Prozent zu. Im Geschäft mit den nicht zur Euro-Zone gehörenden EU-Staaten - wie etwa Polen und Großbritannien - gab es sogar ein Wachstum von 2,9 Prozent. Die Nachfrage aus der Währungsunion zog um 1,0 Prozent an. Die Lieferungen in die Länder außerhalb der Europäischen Union - und damit etwa in die weltgrößten Volkswirtschaften USA und China – schrumpften dagegen um 3,4 Prozent.

Eingeführt wurden Waren im Wert von 80,9 Milliarden Euro - auch das ein Rückgang im Vorjahresvergleich, und zwar um 4,3 Prozent. Vor allem aus Drittländern außerhalb der EU wurde weniger eingeführt.

Die Außenhandelsbilanz - also die Differenz von Exporten und Importen - schloss im März mit einem Rekordüberschuss von 26,0 Milliarden Euro ab. Höher hatte dieser Betrag zuletzt im März 2015 mit 23,0 Milliarden Euro gelegen.

Produktion im März runtergefahren

Trotz anziehender Exportgeschäfte drosselten die Unternehmen allerdings ihre Produktion. Industrie, Baubranche und Versorger stellten im März zusammen 1,3 Prozent weniger her als im Vormonat. Das ist der stärkste Rückgang seit August 2014. Ökonomen hatten lediglich ein Minus von 0,2 Prozent erwartet. Schaut man auf das gesamte erste Quartal, dann wurde die Produktion wegen des sehr guten Jahresauftakts um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal ausgeweitet. "Das Produzierende Gewerbe hat seine außenwirtschaftlich bedingte, leichte Schwächephase des zweiten Halbjahres 2015 hinter sich gelassen", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium dazu.

Die deutschen Exporteure blicken laut einer erst am Montag veröffentlichten Umfrage der Außenhandelskammern pessimistisch in die Zukunft. Fast drei Viertel erwarten für dieses Jahr ausbleibendes Wachstum oder gar ein Schrumpfen. Hauptgründe sind laut Umfrage die international schwächelnde Nachfrage, unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sowie Wechselkursschwankungen.

Zukunftssorgen der Analysten

"Trotz der enttäuschenden Industrieproduktion dürfte die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal ordentlich gewachsen sein", glaubt Carsten Brzeski von der ING-DiBa. Doch unter der Oberfläche der starken Wachstumszahl entstehe ein beunruhigendes Bild, meint er. "Die Wirtschaft wird nicht mehr durch die alte Erfolgsformel angetrieben, sondern durch neue Faktoren: Konsum, Bau und Dienstleistungen. Diese Formel ist definitiv keine Garantie für nachhaltigen Erfolg."

Symbolbild Deutsche Autoindustrie

Der Export als Wachstumsmotor hinkt.

"Die Industrieproduktion in Deutschland ist im März zwar erwartungsgemäß deutlich gefallen. Allerdings folgt dies auf zwei Monaten mit einer sehr hohen Produktion", gibt Ralph Solveen von der Commerzbank zu Bedenken. Zudem dürfte die ungewöhnlich frühe Lage des Osterfestes die Produktion im März gedrückt haben. "Zusammen mit den positiven Zahlen zum Außenhandel sprechen die Produktionszahlen für ein starkes Wirtschaftswachstum im ersten Quartal. Bereits für das zweite Quartal ist aber mit einem deutlich geringeren Zuwachs zu rechnen."

Wegen des starken Januar-Ergebnisses sei die Produktion im ersten Quartal gestiegen, obwohl sie im Februar und März kräftig gesunken sei, sagt Andreas Scheuerle von der DekaBank. Trotzdem glaubt er, dass das Quartal eigentlich schlechter gelaufen sei, als es die Daten nahelegen. "Vermutlich werden wir ein schwaches Frühjahr bekommen", so Scheuerle. Den Grund für die gut laufenden Exporte sieht er in der Konjunkturerholung in Europa, da es in den Schwellenländern und auch in den USA zuletzt eher schlecht gelaufen ist. "Das Bruttoinlandsprodukt sollte im ersten Quartal um etwa ein halbes Prozent gestiegen sein. Für die kommenden Quartale zeichnen sich deutlich schwächere Ergebnisse ab."

iw/ul (rtr, dpa, afp)