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Amerika

Explosion in Touristenort in Mexiko

Sieben Menschen sind bei einer Gasexplosion in einem Hotel im Badeort Playa del Carmen im Osten Mexikos ums Leben gekommen. Fünf der Opfer waren Touristen ans Kanada.

Die zerstörte Eingangshalle des Grand Rivier Princess Hotels in Playa del Carmen (Foto: AP)

Die zerstörte Eingangshalle des Grand Rivier Princess Hotels in Playa del Carmen

Die Explosion ereignete sich am Sonntag (14.11.2010) im Grand Rivier Princess Hotel in Playa del Carmen. Neben fünf kanadische Touristen kamen dabei auch der Sicherheitschef des Fünf-Sterne-Hotels sowie ein mexikanischer Reiseleiter ums Leben. Wie die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Quintana Roo weiter mitteilte, wurden 17 Menschen verletzt: sieben Kanadier sowie zwei US-Bürger und acht mexikanische Hotelangestellte. Zwei der Verletzten befinden sich in einem ernsten Zustand, so der Generalstaatsanwalt Francisco Alor Quezada. Die Explosion hatte einen riesigen Krater in die Hotellobby gerissen.

Unmittelbar nach der Explosion wurde das Hotel von Soldaten und Polizisten weiträumig abgeriegelt. Die Behörden vermuteten zunächst, dass ein Gastank in der Hotelküche explodiert sei. Später wurde jedoch bekannt, dass das Unglück durch eine Ansammlung von Gas unterhalb des Hotels ausgelöst worden sei. Durch verfaulende organische Abfälle hatte sich ein 120 Quadratmeter großer Hohlraum unter der Hotellobby mit Gas gefüllt. Der Generalstaatsanwalt schloss einen Anschlag aus.

Der Strand von Playa del Carmen (Foto: P. Deselaers)

Playa del Carmen zieht Touristen aus aller Welt an

Playa del Carmen liegt etwa 90 Kilometer von dem bekannten Ferienort Cancún entfernt an der Maya Riviera. Die Region lockt jährlich Millionen Urlauber an, zumeist aus den USA, Kanada oder Europa. Die mexikanische Regierung sprach den Angehörigen der Todesopfer ihr Beileid aus. Die Behörden von Mexiko und Kanada stünden im engen Informationsaustausch, erklärte das Außenministerium in Mexiko-Stadt.

Der Drogenkrieg geht weiter

Auch wenn in diesem Fall ein Anschlag ausgeschlossen wurde, forderte der blutige Drogenkrieg in anderen Landesteilen Mexikos auch am vergangenen Wochenende weitere Opfer. In Chihuahua, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, eröffneten Bewaffnete am Sonntag das Feuer auf den Direktor der staatlichen Gefängnisse und dessen Sohn. Beide kamen ums Leben.

In der nordmexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez wurden fünf Menschen erschossen, als bewaffnete Männer eine Bar stürmten. Zu den Tätern und dem Motiv gab es keine Angaben.

Karte vom Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA mit Grenzstadt Ciudad Juárez (Grafik: DW)

Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA gilt als die gefährlichste Stadt der Welt

Ciudad Juárez ist seit einigen Jahren der Schauplatz eines blutigen Krieges zwischen den beiden mächtigen Drogenkartellen Sinaloa und Juárez. Die Stadt, gegenüber der texanischen Stadt El Paso gelegen, ist zu einem der gefährlichsten Orte der Welt geworden. In den vergangenen zwei Jahren wurden dort mehr als 4.000 Menschen Opfer der Drogenkriminalität.

Krieg im Krankenhaus

Aus Angst vor Racheakten weigerten sich immer mehr Ärzte in Ciudad Juárez, Opfer von Schussverletzungen zu behandeln, berichtete die lokale Zeitung “El Diario“. Nachdem mehrmals Auftragskiller in Krankenhäuser eingedrungen sind und Patienten und Personal angegriffen und erschossen haben, fordern die Ärzte jetzt einen permanenten Polizeischutz für Krankenhäuser. Bei den Überfällen auf Kliniken sind fünf Ärzte ermordet und sechzehn weitere entführt worden. Aus Protest gegen die wachsende Gefahr und die Unfähigkeit der Polizei für Sicherheit zu sorgen, haben sich im Oktober 500 Mediziner an Warnstreiks und Demonstrationen für mehr Sicherheit beteiligt.

Überfüllte Gefängnisse

Unterdessen hat sich der Minister für öffentliche Sicherheit, Genaro García Luna, zu Wort gemeldet und eine Reform des Strafvollzugssystems gefordert. Die Kehrseite der Erfolge im Kampf gegen Drogen seien hoffnungslos überfüllte Gefängnisse. Allein im Bundesgefängnis Islas Marías hat sich die Zahl der Insassen in den vergangenen vier Jahren vervierfacht.

Soldaten präsentieren der Presse einen verhafteten Drogenboss (Foto: AP)

Trotz einzelner Verhaftungserfolge von Polizei und Militär tobt der Drogenkrieg in Mexiko weiter

Ende Dezember 2006 waren auf der Gefängnisinsel vor der Westküste Mexikos 915 Verbrecher inhaftiert, mittlerweile seien es fast viertausend, so der Minister. In ganz Mexiko gibt es 340 Haftanstalten, darunter acht Bundesgefängnisse, in denen Schwerverbrecher untergebracht sind.

Ein Krieg mit hohen Verlusten

Präsident Felipe Calderón, der seit knapp vier Jahren im Amt ist, setzt im Kampf gegen die Drogenkartelle das Militär ein. Neben der Zahl der Verhaftungen ist aber vor allem die Zahl der Opfer dramatisch gestiegen. 28.000 Tote ist die traurige Bilanz des vierjährigen Drogenkrieges, 2010 war das bislang blutigste Jahr: Über zehntausend Opfer haben die Auseinandersetzungen der Drogenkartelle untereinander und mit den staatlichen Sicherheitskräften gefordert.

Auch vor den Touristenhochburgen im Südosten des Landes macht der Drogenkrieg nicht mehr Halt. Zuletzt waren im August in Cancún acht Menschen bei einem Anschlag auf eine Bar getötet worden, nachdem Unbekannte Molotow-Cocktails in das Lokal geworfen hatten. Im Sommer hatte die Polizei in dem international beliebten Badeort achtzehn Leichen entdeckt. Einigen von ihnen war der Buchstabe Z in die Haut geritzt worden – das Zeichen der Drogenbande “Zeta“.

Autorin: Mirjam Gehrke (dpa, AFP, AP, epd)
Redaktion: Oliver Pieper