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Asien

Experten warnen vor Unruhen in Pakistan

Langsam geht der Monsun zu Ende, doch die Flutwelle in Pakistan hat ihr zerstörerisches Werk noch lange nicht beendet. Während das Ausmaß der Krise nur zu erahnen ist, planen die UN einen neuen drängenden Hilfsappell.

Pakistaner in der Provinz Punjab bahnen sich auf einem Fahhrrad den Weg durch Flutmassen (Foto: AP)

Hilfsorganisationen warnen vor der Gefahr von Hungerunruhen im Herbst

Auch mehr als sechs Wochen nach Beginn der schweren Überschwemmungen ist die Krise in Pakistan noch lange nicht vorbei. Nach wie vor fliehen Menschen in der südlichen Provinz Sindh vor den Wassermassen. Die Situation ist keineswegs unter Kontrolle, räumt Ahmad Kamal ein, der Sprecher der nationalen Katastrophenschutzbehörde NDMA.

(Foto: Thomas Bärthlein / DW)

"Situation alles andere als unter Kontrolle": Katastrophenschützer Kamal

Auch ein Experte wie Kamal kann die Dimensionen der Krise nur erahnen. Zum Beispiel die Zahl der Betroffenen, die noch überhaupt keine Hilfe erhalten hat. 30 bis 40 Prozent aller Opfer dürften es sein, schätzt Kamal. "Vor allem die, die entlang der Straßen und Eisenbahnlinien zwischen Charsadda im Norden und Jacobabad im Süden ausharren, sind ganz auf sich alleine gestellt."

Die Risiken in der gegenwärtigen Situation sind nach wie vor vielfältig. Der Leiter der Delegation des Internationalen Roten Kreuzes in Pakistan, Pascal Cuttat, glaubt, dass etwa die Seuchengefahr nicht gebannt sei. Positiv überrascht sind er und seine Mitarbeiter, dass wasserbedingte Epidemien wie Durchfälle bisher ausgeblieben sind. Warum das so ist, versuchen die Experten des Roten Kreuzes gerade herauszufinden. "Vermutlich liegt es zu einem gewissen Grad daran, dass die Leute daran gewöhnt sind, verseuchtes Wasser zu trinken", sagt Cuttat. Auch ist das Wasser bislang stets geflossen. Doch jetzt ist es zum Stehen gekommen. In Kombination mit der Hitze und der Verbreitung von Malaria bereitet das Cuttat große Sorgen.

UN: "Wir wurden auf dem falschen Fuß erwischt"

Experten warnen vor Mangelernährung, besonders wenn die in den nächsten Wochen anstehende Weizenaussaat nicht stattfinden kann. Spätestens dann drohen auch soziale Unruhen. Die neue Untergeneralsekretärin der Vereinten Nationen für humanitäre Hilfe, Valerie Amos, sagte am Donnerstag (09.09.2010) in Islamabad. "Sieben Wochen nach der Flut in Pakistan ist das enorme Leid der Menschen jetzt anscheinend keine Nachricht mehr wert. Aber das müssen wir ändern!“

Ein Flüchtlingslager im südpakistanischen Sukkar (Foto: AP)

Ein Flüchtlingslager im südpakistanischen Sukkar. Vermutlich ein Drittel der Opfer blieb bislang ohne Hilfe

Die Vereinten Nationen wollen in der nächsten Woche einen neuen Hilfsappell starten. Er soll Amos zufolge Aufgaben von Nothilfe bis Wiederaufbau abdecken und deutlich höher ausfallen als die in der ersten Phase geforderten 360 Millionen Euro. Von diesen sind auch erst zwei Drittel beisammen. Amos weiß, dass es schwer wird, die Geber zu mehr zu mobilisieren. Ihr Besuch in Pakistan hat sie nachdenklich gemacht. Die internationale Gemeinschaft erlebe immer verheerendere Katastrophen. Die herkömmlichen Ansätze der Katastrophenhilfe würden dem nicht mehr gerecht. "Wir müssen neue Arbeitsweisen finden, neue Methoden der Finanzierung", sagt die UN-Diplomatin. Sie werde darüber in den nächsten Wochen Gespräche führen, "weil ich nicht will, dass wir noch einmal so eine Situation erleben, in der die UN, die Nichtregierungsorganisationen und andere so auf dem falschen Fuß erwischt werden."

Autor: Thomas Bärthlein

Redaktion: Sven Töniges

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