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Medizin

Experten warnen vor HIV-Ausbreitung in Osteuropa

Aids - für viele ein Thema, das vor allem Afrika und andere Entwicklungsländer betrifft. Doch nun kommen Alarmsignale aus einer ganz anderen Richtung. Es gibt einen dramatischen Anstieg der HIV-Infektionen in Osteuropa.

Die Vereinten Nationen haben die europäischen Staaten aufgerufen, gemeinsam gegen die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids und den HIV-Virus vorzugehen. Europa stehe heute vor einer größeren Herausforderung als Afrika, wenn es um die Bekämpfung von HIV und Aids gehe, sagte der stellvertretende Direktor des UN-Aidsprogramms (UNAIDS), Luiz Loures, in Berlin. Dabei verwies er auf den enormen Anstieg der Neuinfektionen in Osteuropa und Zentralasien, insbesondere in Russland.

Der Experte äußerte sich zum Auftakt einer Fachkonferenz in der Bundeshauptstadt. Nationale Alleingänge würden angesichts der Migrationsströme innerhalb Europas das Problem nicht eindämmen, sondern höchstens vertuschen, betonte Loures.

"Eine Katastrophe"

Sylvia Urban, Vorstand beim Aktionsbündnis gegen Aids und der Deutschen Aids-Hilfe, ergänzte: "Wir erleben in der Region zurzeit eine Katastrophe." In Russland, dem am stärksten betroffenen Land der Region, habe die Zahl der Neuinfektionen im vergangenen Jahr die 100.000er-Marke überschritten. Im Vergleich dazu lag die Zahl in Deutschland bei 3200 neuen HIV-Fällen. Der Anstieg der Neuinfektionen und Aids-Todesfälle in Osteuropa und Zentralasien verlaufe gegen den weltweiten Trend.

Dr. Luiz Loures (Getty Images/M. Kovac)

Dr. Luiz Loures

"Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass Osteuropa von den Erfahrungen in Deutschland profitieren kann", erklärte Sylvia Urban. Es müsse dafür Sorge getragen werden, dass nicht weiter Diskriminierung der am stärksten betroffenen Gruppen den Zugang zu Prävention und Versorgung erschwert. "Die Verfolgung von Homosexuellen, Drogenkonsumenten und anderen Minderheiten ist eine menschliche Katastrophe und macht HIV-Prävention unmöglich", warnte Urban.

Drogenabhängige, Homosexuelle, Prostituierte

Mit ihrer Veranstaltung "HIV in Osteuropa - Die unbemerkte Epidemie?!" wollen die Experten das Thema stärker in den öffentlichen Fokus rücken. In Osteuropa und Russland sei es es "unerlässlich", die am stärksten betroffenen Gruppen zu erreichen, zum Beispiel Drogenkonsumenten, Homosexuelle, Prostituierte und Gefängnisinsassen.

Die bisherigen Konzepte zu HIV in Osteuropa reichen nach Ansicht der Organisationen bei weitem nicht aus. Stattdessen sei das internationale Engagement, auch das der Bundesrepublik, in der Region in den vergangenen Jahren trotz der zugespitzten Situation immer weiter reduziert worden.

ml/stu (AFP, epd)