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Wirtschaft

Experten sehen Zinssenkung der EZB skeptisch

Acht von zehn befragten Ökonomen hatten es erwartet: Die Europäische Zentralbank senkt den Leitzins auf das Rekordtief von 0,5 Prozent. Doch ob das der Konjunktur hilft, bezweifeln deutsche Ökonomen.

Symbolbild Europäische Zentralbank in Frankfurt (Foto: Reuters/Kai Pfaffenbach)

Deutschland Wirtschaft EZB Euro Europäische Zentralbank in Frankfurt

Im Kampf gegen die Rezession macht die Europäische Zentralbank das Geld im Euroraum noch billiger. Mit 0,5 Prozent kommen die Geschäftsbanken so günstig an Zentralbankgeld wie noch nie seit der Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999. Die Währungshüter hoffen, dass die Finanzbranche das billige Geld in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen wird.

Problemländer müssen Probleme lösen

Porträt Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank; (Foto: Commerzbank)

Jörg Krämer: Besser Reformen angehen

Doch Experten sind skeptisch, ob die EZB damit wirklich der Konjunktur in der Eurozone auf die Beine helfen kann. "Ich sehe den Beschluss als problematisch an. Die Leitzinsen waren faktisch schon bei null. Und die niedrigen Leitzinsen nehmen den Reformdruck von den Peripherieländern, was auch ein Problem ist", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, zur DW.

In der Theorie, so Krämer, kann eine Senkung der Leitzinsen der Wirtschaft einen Schub geben. Allerdings leide die Euroraumkonjunktur nicht darunter, dass der Leitzins zu hoch sei, sondern vor allem daran, "dass Länder wie Italien ihre Probleme nicht wirklich angehen. Und die ungelöste Staatsschuldenkrise, das ist vor allem der Faktor, der verhindert, dass sich die Wirtschaft im Euroraum erholt".

Zinssenkungen kommen in der Realwirtschaft nicht an

Porträt Dr. Andreas Rees Chief German Economist UniCredit Research (Foto: UniCredit)

Andreas Rees: Zinssenkungen kommen nicht an

Vor allem die Wirtschaft in Europas Krisenländern kommt nicht wie erhofft in Schwung. Griechenland, Italien, Portugal, Spanien - sie alle ächzen unter harten Reformen und hoher Arbeitslosigkeit. Für Andreas Rees, Chefvolkswirt für Deutschland bei der UniCredit Bank, ist das kein Wunder: "Das, was wir jetzt im Augenblick haben in einigen Ländern der Eurozone, ist, dass der so genannte monetäre Transmissionsmechanismus gestört ist." Ein Teil der Zinssenkungen der letzten zwei Jahre seien gar nicht in der Realwirtschaft bei den Unternehmen und bei den privaten Haushalten angekommen.

Für kurzfristige Kredite mussten Unternehmen in Irland und Italien zuletzt über vier Prozent, in Spanien über fünf Prozent und in Griechenland und in Portugal sogar weit über sechs Prozent bezahlen - wenn ihnen der Kredit nicht komplett verweigert wurde. "Da stellt sich die Frage, ob die EZB nicht noch zusätzlich neben der Leitzinssenkung etwas unternehmen kann, wie zum Beispiel im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Krediten für kleinere und mittelständische Unternehmen", sagt Andreas Rees zur DW.

Reformen, nicht Zinssenkungen

Zinssenkungen nutzen nicht viel, sie schaden aber auch momentan nicht, sagen die meisten Volkswirte, schließlich lag die Inflationsrate im Euroraum zuletzt bei 1,2 Prozent. Aber die Ökonomen wissen auch, dass man mit der Notenpresse die realen wirtschaftlichen Probleme nicht lösen, sondern allenfalls zudecken kann.

"Aber wir brauchen kein Zudecken der Probleme, sondern die Peripherieländer, vor allen Dingen Italien, müssen endlich beginnen, die notwendigen Reformen einzuleiten", sagt Jörg Krämer. Nur so könne der Euroraum nachhaltig aus der Krise kommen, "und nur so kann die Wirtschaft auf die sehr niedrigen Leitzinsen auch positiv mit Wachstum reagieren".

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