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Aktuell Kultur

Experten prüfen Bach-Porträt

Wie genau hat Johann Sebastian Bach ausgesehen? Es gibt nur wenige Bilder des weltberühmten Komponisten, die Experten für echt halten. Jetzt prüfen sie in Dortmund einen Neuerwerb.

Ein Dortmunder Privatmann hat vor wenigen Tagen ein Bild für 5000 Euro ersteigert, das ein Porträt des weltberühmten Barockkomponisten zeigen soll. Zuvor hing das Bild in der Privatsammlung eines schleswig-holsteinischen Musikwissenschaftlers, der es einst in einem Antiquariat gekauft hatte. Weiter lasse sich die Geschichte des Bildes nicht verfolgen, sagte Reimar Lacher, Kunsthistoriker beim Literaturmuseum Gleimhaus in Halberstadt. Aufgrund der vielen Zeichen auf der Rückwand gebe es aber viel Potenzial für weitere Untersuchungen.

Für die Echtheit des 25 mal 35 Zentimeter großen Porträts in schlechtem Zustand spricht manches, auf der Rückwand sind Bachs Name und das Jahr 1737 eingetragen. Allein die Frage, ob das Porträt nach der lebenden Person Bach angefertigt wurde und somit wirklich neue Erkenntnisse zu seinem Aussehen bringt, war offen. Eine Expertenrunde um den international renommierten Dortmunder Bach-Experten Prof. Martin Geck nahm am Montag bei einem öffentlichen Symposium an der Technischen Universität Dortmund erstmals zu dem Pastellbild Stellung.

Prof. Martin Geck spricht am 02.06.2014 in einem Hörsaal der TU Dortmund (Nordrhein-Westfalen) während eines Bach-Symposiums des Institut für Musik und Musikgeschichte. Es wurde über die Echtheit eines möglichen Porträts des weltberühmten Komponisten Johann Sebastian Bach diskutiert. (Foto: Bernd Thissen/dpa)

Prof. Martin Geck: Ungewissheit bleibt

Nach ersten Untersuchungen befanden die Experten, das Bild weise einige Echtheits-Merkmale auf: Holzrahmen und Rückwand seien zum Beispiel aus der Bachzeit. Das Symposium blieb darüber hinaus aber noch sehr zurückhaltend: Eine hundertprozentige Gewissheit wollten die Experten nicht geben. Sie verbürgen sich bis heute nur für die Authentizität des Öl-Porträts von Elias Gottlob Haußmann aus dem Jahr 1746, für das Bach Modell gestanden hatte. Es hängt im Leipziger Rathaus. Selbst eine exakte Analyse der Gesichtszüge auf dem neuen Bild in Dortmund und der Vergleich mit dem authentischen Ölbild im Leipziger Rathaus werde keine vollkommen belastbaren Erkenntnisse bringen, so die Experten. Untersuchungen des Schriftzuges auf dem Dortmunder Bild könnten aber weiterführen: Zwei Buchstaben würden nicht recht in die Bachzeit passen, sagte Peter Wollny, Direktor des Leipziger Bach-Archivs.

Die Zuordnung zu einem Maler, der die Bach-Söhne in jungen Jahren porträtiert hatte, hat sich nicht ergeben. Das Bild war zur Begutachtung in einer vergleichenden Untersuchung im Bachhaus in Eisenach, es hätten sich aber keine Ähnlichkeiten ergeben.

Das Bild zeigt vier Gemälde von Johann Sebastian Bach, vorne das im Frühjahr 2014 vom Bachhaus Eisenach erworbene Pastell (Foto: Constantin Beyer/Bachhaus Eisenach)

Bach oder nicht Bach?

Erst im Frühjahr dieses Jahres hatte das Bachhaus Eisenach für 50.000 Euro selbst ein Bild des Komponisten erworben: 1927/28 war das Pastellbild Teil der berühmten Bach-Sammlung Manfred Gorke, nach deren Auflösung ging es Ende der 1930er Jahre an einen Berliner Privatmann und war seither verschwunden. Auch dieses zweite Bild hält das thüringische Museum für echt.

pz / rf (dpa / berliner zeitung)