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Fokus Osteuropa

Experten: Finanzkrise in Russland verschärft sich

Seit Herbst vergangenen Jahres befindet sich das russische Bankenwesen in der Krise. Wirtschaftsexperten rechnen aufgrund nicht zurückgezahlter Kredite mit einem harten Überlebenskampf der Banken.

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Schlechte Stimmung an der Moskauer Börse

Der Wirtschaftsexperte der russischen Bank "Trust", Jewgenij Nadorschin, geht davon aus, dass neue Probleme auf das Land zukommen. "Seit dem Beginn der Finanzkrise im Herbst hat sich das Kreditportfolio vieler Finanzinstitute weiter verschlechtert. Vor allem nehmen die ausstehenden Zahlungen aus dem nichtfinanziellen Sektor schnell zu. Das wird eine zweite Welle der Krise hervorrufen, was die Aktiva der Banken wesentlich verschlechtern wird", sagte Nadorschin. Erschwert werde die Situation auch durch die starke Nachfrage nach Währung. Das führe zu Problemen bei Kreditinstituten, die es gewohnt waren, vor allem mit dem Rubel zu operieren.

Kredite bringen Banken ins Taumeln

Der Vizepräsident des Verbandes russischer Banken, Anatolij Miljukow, stimmt der Prognose Nadorschins zu. Seiner Einschätzung nach kann schon bald jeder zehnte Kredit nicht mehr zurückgezahlt werden. "Zurzeit beläuft sich der Anteil nicht zurückgezahlter Kredite auf etwa vier Prozent. Das ist nicht gefährlich, aber wir sehen, dass diese Zahlen mit jedem Tag steigen. Man kann davon ausgehen, dass im Februar und März sieben bis zehn Prozent erreicht sein werden", unterstrich Miljukow. Die Banken seien sich bewusst, dass nicht zurückgezahlte Kredite in einem solchen Umfang negative Auswirkungen haben werden. Deswegen würden derzeit in der Regel keine neuen Kredite vergeben. Die Zentralbank sei den Finanzinstituten entgegen gekommen und bestrafe sie dafür nicht.

Kritik an Maßnahmen der Regierung

Experten sind überzeugt, dass kleine Banken die Finanzprobleme nicht überleben werden. Die russische Regierung habe dieses Problem verschärft, meint Nadorschin, weil sie die Anforderungen an das Mindestkapital von Banken heraufgesetzt hat. "Kleine Banken haben eine nützliche Funktion erfüllt, mit Ausnahme derer, die mit der Schattenwirtschaft in Zusammenhang gebracht werden. Auch jetzt gibt es noch kleine Banken, vor allem in den Regionen, die alle Bankgeschäfte in aller Ruhe abwickeln", betonte der Experte. Ihm zufolge macht es keinen Sinn, diese Banken zu opfern, indem man von ihnen verlangt, ihr Mindestkapital aufzustocken. Offensichtlich habe die Staatsmacht einfach beschlossen, die Anzahl der Banken zu reduzieren, vermutet Nadorschin.

Auch Miljukow ist der Ansicht, dass die von der Staatsführung vorgeschlagenen Maßnahmen zur "Bereinigung des Bankensektors" unangemessen sind. "Jetzt wird eine Erhöhung des Bankenkapitals verlangt, was zur Folge haben wird, dass 200 bis 300 Banken ihre Existenz beenden werden", sagte er. Das sei nicht zu rechtfertigen.

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