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Wirtschaft

Experten erwarten robusten Arbeitsmarkt

Eine stabile Arbeitsmarktlage - damit rechnen die Arbeitsagenturen zumindest bis zum Jahresanfang 2016. Die dann auf den Stellenmarkt drängenden Flüchtlinge könnten die Lage rasch ändern.

Jobvermittler erwarten trotz der in vielen Weltregionen schwächelnden Wirtschaft vorerst eine weiterhin stabile Arbeitsmarktlage in Deutschland. In einer Umfrage geht die Mehrzahl der 156 deutschen Arbeitsagenturen bis zum Jahresanfang 2016 von einem leichten Rückgang der Erwerbslosenzahlen aus. Dies geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Mit einer weiteren Verbesserung der Arbeitsmarktlage im Vergleich zu den Vormonaten rechnen die Arbeitsagenturen allerdings nicht. Der monatlich ermittelte Index verharrte im November mit 100,5 Punkten auf dem Vormonatsniveau. Der Wert 100 weist auf eine gleichbleibende Arbeitslosigkeit hin, alle Werte darüber auf einen Rückgang der Erwerbslosenzahlen.

Aufschwung geht weiter

"Obwohl Schwellenländer wie China ins Schlingern geraten sind, geht der deutsche Arbeitsmarktaufschwung weiter», sagt IAB-Forscher Enzo Weber. Das Barometer zeige weiter eine robuste Entwicklung. Im Jahr 2016 werde die Arbeitslosigkeit aber wegen der hohen Flüchtlingszuwanderung ansteigen. Die Integration der Zuwanderer sei zwar eine Herausforderung. "Aber wenn sie gelingt, wird der Arbeitsmarkt auch profitieren", ist der Wissenschaftler überzeugt.

Nach Einschätzung von Unternehmen kommen nach einer Umfrage des Ifo-Instituts viele Flüchtlinge allenfalls für Hilfsarbeiter-Stellen infrage. Entsprechend hätten sich 41 Prozent der befragten Firmen geäußert, teilte das Institut am Donnerstag in München mit. 59 Prozent sähen allerdings auch dafür nur geringe Chancen. 37 Prozent seien der Überzeugung, Flüchtlinge hätten das Potenzial für eine Berufsausbildung, 22 Prozent für eine Beschäftigung als Facharbeiter.

Diskussion um Mindestlohn

Als größte Hürde für die Beschäftigung von Flüchtlingen sehen 91 Prozent der Firmen laut Ifo mangelnde Sprachkenntnisse. 71 Prozent nannten das angeblich mangelnde Qualifikationsniveau der Asylbewerber, 59 Prozent arbeitsrechtliche Vorgaben und 32 Prozent den Mindestlohn als Problem. Vor allem ostdeutsche Bauunternehmen und der Handel in den neuen Bundesländern sehen im Mindestlohn ein großes Hindernis beim Anheuern von Flüchtlingen. Das Ifo-Institut hatte 3000 Unternehmen befragt.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel lehnt Ausnahmen vom Mindestlohn zur besseren Integration von Flüchtlingen ab. Die Krise dürfe nicht zu Verteilungskämpfen führen, sagte der Vizekanzler am Donnerstag bei der Haushaltsdebatte im Bundestag. Auch dürften Ärmere nicht gegeneinander ausgespielt werden. "Deshalb darf man dieser Forderung nicht nachgeben - und wir werden das auch nicht tun", sagte Gabriel. "Am Gesetz gibt es keine Änderung."

Teile der Wirtschaft und Ökonomen wie Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hatten vorgeschlagen, den seit Jahresbeginn geltenden bundesweiten Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde für Flüchtlinge auszusetzen. Da viele Flüchtlinge schlecht qualifiziert seien, könnten nur so genügend Jobs für sie entstehen.

Wen/zdh (dpa,rtr)