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Wissen & Umwelt

Experte: "Wir müssen von weiteren Seuchenherden ausgehen"

In Deutschland ist das Geflügelpestvirus H5N8 aufgetreten: 31.000 Mastputen mussten getötet werden. Wie das Virus nach Deutschland gelangte, ist noch unklar, sagt Amtstierarzt Holger Vogel im Interview.

Deutsche Welle: Herr Vogel, in einem Mastputenbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern ist plötzlich das Geflügelpestvirus H5N8 aufgetreten. Tausende Mastputen mussten getötet werden. Was ist passiert?

Holger Vogel: Aufgefallen ist der Putengroßbestand durch erhöhte Verluste. Der Tierhalter hat - wie es in solch einem Fall sein sollte - reagiert und seinen Hoftierarzt angerufen. Dieser hat dann sofort weitere Untersuchungen eingeleitet. Die Laborergebnisse brachten den Verdacht auf H5 - also einen Hinweis auf einen Influenzavirus, was zu einer Meldung beim Amt geführt hat. Daraufhin ist mein Veterinäramt tätig geworden und hat eigene Untersuchungen durchgeführt.

Wir konnten den Verdacht auf H5 bestätigen, was zur Betriebssperre geführt hat. Zur weiteren Abklärung wurde das #link:http://www.fli.bund.de/:Friedrich-Loeffler-Institut# eingeschaltet. Gestern (05.11.2014) kam dann das Ergebnis: Es handelt sich um das hochansteckendes Virus H5N8.

Bislang war dieses Virus in Deutschland und ganz Europa noch nicht vorgekommen. Eigentlich kennt man es aus Südkorea. Wie es allerdings aus Südkorea hierher gekommen ist, können wir vorerst nicht beantworten. Dafür sind die Experten vom Friedrich-Loeffler-Institut heute vor Ort gewesen und haben weitere Proben mitgenommen. Der weitere Umkreis wird auch noch untersucht.

Gibt es denn schon erste Anhaltspunkte oder Richtungen, wie das Virus nach Mecklenburg-Vorpommern kommen konnte?

Nein, wir haben zunächst den Ist-Zustand analysiert. Es ist noch nicht möglich, Schlüsse zu ziehen. Wir sind immer noch innerhalb der ersten 24 Stunden nach Ausbruchsfeststellung. Auch die Umgebungsuntersuchungen, um das Seuchenobjekt herum, im Sperrbezirk und auch im Beobachtungsgebiet, laufen erst an. Wir müssen unter Umständen davon ausgehen, dass wir nicht den Primärinfektionsherd gefunden haben. Deswegen müssen dringend Umgebungsuntersuchungen im Umkreis von drei oder sogar zehn Kilometern durchgeführt werden, um eventuell noch weitere Seuchenherde aufzudecken.

Was genau geschieht jetzt mit den Tieren, die getötet werden müssen? Wie werden sie entsorgt?

Die getöteten Tiere werden in geschlossenen Containern weggefahren und über eine Tierkörper-Beseitigungsanstalt entsorgt. Das heißt, sie werden bei etwa 133 Grad, 20 Minuten lang, behandelt. Das kommt im Prinzip einer Sterilisierung gleich, die dazu führt, dass virale und bakterielle Erreger abgetötet werden. Dadurch kann über die Mastputen hier keine weitere Seuchenverschleppung stattfinden.

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Schutzkleidung ist Pflicht: Zwei Männer bauen eine Absperrung um den Mastbetrieb auf

Welche Vorsichtsmaßnahmen müssen Sie persönlich vor Ort treffen, wenn Sie mit den Tieren in Berührung kommen?

Jetzt wo wir wissen, dass es sich um ein hochansteckendes Virus handelt, wird hier mit entsprechender Arbeitsschutzbekleidung gearbeitet. Für die Menschen, die ungeschützt waren, bevor die Seuche erkannt wurde, ist das Medikament Tamiflu ausgegeben worden.

Wir wissen allerdings nicht, ob H5N8 wirklich für den Menschen ansteckend ist. Bisher gibt es dafür keine Belege. Aber da es sich um ein Influenzavirus handelt und hier in den Ställen natürlich auch hohe Viruslasten zu vermuten sind, gehen wir den sicheren Weg und verabreichen Tamiflu.

Für wie wahrscheinlich halten Sie es denn, dass in den nächsten Tagen noch weitere Fälle im Umland auftreten?

Das kann ich ehrlich gesagt nicht mit einer gewissen Sicherheit beantworten. Wir müssen natürlich suchen, weil wir davon ausgehen müssen. Aber jetzt eine Prognose abzugeben, dass wir außerhalb der Anlage noch Viren finden - ich weiß es nicht. Wir müssen weiter suchen.

Holger Vogel ist Amtstierarzt des Kreisveterinäramtes Anklam. Mit der Deutschen Welle sprach er über den aktuellen Ausbruch von H5N8 in einem Mastputenbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern.

Das Interview führte Valentin Betz.

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