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Deutschland

Experte: Absturz mitten im Flug ungewöhnlich

Die Germanwings-Maschine war 24 Jahre alt. Eigentlich kein Alter für ein Flugzeug, sagt der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Gut gewartete Flugzeuge können auch noch länger im Einsatz sein.

DW: Ein schwarzer Tag für die Lufthansa, so bezeichnet Lufthansa-Chef Carsten Spohr das Unglück. Dabei gelten Lufthansa und deren Tochterunternehmen Germanwings doch als sehr sichere Airline. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Heinrich Großbongardt: Lufthansa ist in der Tat eine sichere Fluggesellschaft im internationalen Vergleich, das gilt auch für ihre Tochtergesellschaften. Der Absturz als solcher ist insofern ungewöhnlich, als er sich bei exzellentem Wetter und während des Reisefluges ereignete. Das ist die mit Abstand sicherste Phase des Fluges. Unfälle, wenn sie denn eintreten, passieren üblicherweise im Landeanflug, bei der Landung selbst, beim Start oder kurz nach dem Start - das sind die eigentlich kritischen Phasen; bei ihnen ereignen sich 80 Prozent aller Abstürze. Während des Reiseflugs selbst kommt so etwas sehr, sehr selten vor.

Ist inzwischen etwas bekannt über die Unfallursache?

Über die Unfallursache weiß man noch gar nichts. Da gibt es im Augenblick noch nicht einmal einen Ansatz zur Spekulation. Derzeit muss man wirklich abwarten. Jetzt geht es darum, die Opfer dieser schrecklichen Katastrophe zu bergen, dann die Flugdatenschreiber, den Cockpit Voice Recorder, zu bergen und aus der Auswertung dieser Daten Hinweise zu bekommen auf das, was passiert ist.

Es handelte sich laut Medien um einen 24 Jahre alten Airbus A320 - ist das ein normales Alter für ein Flugzeug?

Das ist für ein Flugzeug ein absolut normales Alter. Flugzeuge, die gut gewartet werden, können noch sehr viel länger fliegen. Es ist letzten Endes immer eine wirtschaftliche Entscheidung, so ein Flugzeug aus dem Service zu nehmen. Aber in einem guten Wartungssystem, wie es eben auch die Lufthansa hat, wie es eine große internationale Fluggesellschaft standardmäßig hat, werden diese Flugzeuge regelmäßig überholt. Da ist es nicht vorstellbar, dass es zu irgendwelchen versteckten Alterungserscheinungen gekommen ist.

Es spielt dabei auch keine Rolle, dass Germanwings die "Billigsparte" der Lufthansa ist?

Nein, billig heißt ganz sicher nicht unsicher. Billig heißt insbesondere nicht Sparen bei der Wartung. "Low cost carrier" sind darauf angewiesen, dass ihre Flugzeuge eine hohe Einsatzbereitschaft haben. Flugausfälle und Flugverspätungen kosten sehr viel Geld, da ist es billiger, in die Wartung zu investieren und dafür zu sorgen, dass diese Flugzeuge top gewartet sind. "Low cost" heißt nicht Sparen an der Instandhaltung, eher im Gegenteil.

Was ist für die Lufthansa der nächste Schritt?

Natürlich geht es jetzt um das Bergen der Opfer. Auch wird sie sich um die Angehörigen kümmern. Fluggesellschaften und Flughäfen haben da die entsprechenden Mechanismen, um diesen ganz schweren Teil des Geschäftes zu leisten. Das ist hart, auch für die Lufthansa und für die Kollegen. Das werden schwierige Wochen. Aber eine Airline wie Lufthansa, wie alle großen internationalen Airlines, sind auf diese seltenen Fälle gut vorbereitet.

Heinrich Großbongardt ist Luftfahrtexperte und Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Expairtise Communications. Zu seinen Klienten gehörten oder gehören nach eigenen Angaben auch die Firmen Airbus und Lufthansa.

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