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Wirtschaft

Expansion über den großen Teich

Deutsche Solar-Firmen streben ins Ausland. Dabei gelten die USA als ein attraktiver Markt. Besonders verlockend sind die sonnenverwöhnten Gegenden. In Tucson, Arizona, scheint die Sonne an 300 Tagen im Jahr.

Saguaro-Kakteen und blauer Himmel - die Markenzeichen von Süd-Arizona (Foto: DW)

In Süd-Arizona, wo Saguaro-Kakteen in den blauen Himmel ragen, blüht die Solarindustrie

Die ein mal ein Meter 70 großen Glasscheiben in der Montagehalle der Firma Solon in Tucson werden gewaschen und immer wieder unter die Lupe genommen, denn einwandfrei muss das Glas sein, auf das die Solarzellen geklebt werden, erklärt Produktionsmanager Bryan von Holten. Der kleinste Kratzer kann die fertigen Sonnenkollektoren unbrauchbar machen. 375 Watt produziert jedes der flachen Sonnenkraftwerke, die auf Dächer montiert oder an einem Gestänge befestigt werden können.

Die Firma Solon, einer der führenden deutschen Solarmodulhersteller, ist nicht nur wegen des blauen Himmels und der vielen Sonnenstunden nach Tucson gekommen, sagt Geschäftsführer Olaf Köster: "Wir haben hier eine sehr gute Infrastruktur und haben direkten Zugriff nach Kalifornien, den immer noch größten Solarmarkt in Amerika." Die Staaten um Arizona herum im Südwesten der USA - New Mexico, Nevada, Utah, Colorado - haben alle sehr starke Solarprogramme und der Markt wachse faktisch um Arizona und in Arizona. Für die Firma Solon sei daher Arizona der beste Standort, so Köster weiter.

Deutsche Solarfirmen sind in Arizona willkommen

die Fahnen vor dem Gebäude der Firma Global Solar (Foto: DW)

Die Deutschen sind gerne gesehen in Tucson, Arizona

Gabrielle Giffords, die Arizona im US-Repräsentantenhaus vertritt, freut sich über den Zuzug aus Deutschland. Sie macht sich in Washington für die Solarindustrie stark. Die USA insgesamt könnten viel davon lernen, wie Deutschland mit der Solarindustrie umgeht, sagt sie: "Der Ort mit der meisten Sonne in Deutschland bekommt wahrscheinlich immer noch weniger Sonnenstrahlen ab als der dunkelste Fleck bei uns. Wenn mir also Leute sagen, ich sei nur so begeistert von der Solarindustrie, weil ich aus dem sonnenverwöhnten Südwesten komme, verweise ich immer auf Deutschland." Ganz Amerika könnte Solarstrom nutzen, auch in Gegenden wie Alaska, wo die Sonne nicht soviel scheint, meint Gabrielle Giffords.

Und Arizona soll bei der Entwicklung der entsprechenden Technologie die Führung übernehmen, wünscht sie sich. Die besten und intelligentesten Köpfe wolle man in den Bundesstaat holen. Paul Bonavia, Präsident der UniSource Energy Corporation, die für die Stromversorgung von Tucson zuständig ist, ergänzt, dass die deutsche Solartechnik ein hohes Ansehen genieße: "Wir haben großes Vertrauen in die technische Führungskraft der deutschen Firmen. Solon ist ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Ehe zwischen technischer Entwicklung und Führungsstärke aus Deutschland und Fertigung in Südarizona."

Arizona, wo die Sonne an 300 Tagen im Jahr scheint

Grand Canyon und der neue Skywalk (Foto: AP)

Grand Canyon und der neue Skywalk

Arizona, der Bundesstaat im Südwesten der USA, ist wie geschaffen dafür, um die Kraft der Sonne in Strom umzuwandeln. An 300 Tagen im Jahr scheint hier die Sonne. Im Süden, in der Nähe von Tucson und unweit der Grenze zu Mexiko, sind die Saguaro Nationalparks mit ihren riesigen Kakteen gleichen Namens ein beliebtes Ziel für Touristen. Koyoten sind hier ebenso zu Hause wie Kolibris und Klapperschlangen. Atemberaubende Sonnenuntergänge gibt es überall zu beobachten, im Norden Arizonas vor dem Panorama des berühmten Grand Canyons.

So ist es erstaunlich, dass Solarstrom in Arizona nicht schon viel früher entdeckt wurde. Kalifornien, Florida, Texas und selbst New Jersey sind da schon viel weiter. Die ersten staatlichen Förderprogramme in Arizona sind gerade verabschiedet worden. Das Ziel: Im Jahr 2025 sollen 15 Prozent der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien kommen. Das könne eigentlich nur der Anfang sein, meint Joe Snell, Präsident der Wirtschaftsfördergemeinschaft in Tucson. Es hat lange gedauert, gibt er zu, bis die Amerikaner auf den Zug der erneuerbaren Energien aufgesprungen sind. Auslöser für das Umdenken seien letztlich der hohe Benzinpreis und die Wirtschaftskrise gewesen.

Tuscon - bevorzugter Standort für deutsche Solarfirmen

Die deutsche Solarindustrie hat erkannt, dass der Markt in den USA wächst und auch die Politik aufgewacht ist. Allein in den letzten 18 Monaten hätten sich vier deutsche Firmen in Tucson niedergelassen, sagt Snell.

Eine Solaranlage von Global Solar, die von deutschen Firmen finanziert werden (Foto: DW)

Eine Solaranlage von Global Solar, die von deutschen Firmen finanziert werden

Solon ist schon ein bisschen länger da. Es begann 2006 mit einer Beteiligung an der Firma Global Solar, die Solarzellen herstellt. 2008 fiel dann die Entscheidung, ein eigenes Werk in Tucson aufzubauen, im Mai des gleichen Jahres wurde mit der Produktion begonnen.

Aller Anfang ist schwer - auch für Solon

Dabei musste auch Geschäftsführer Olaf Köster lernen, dass in den USA vieles anders funktioniert als in Deutschland, auch wenn die Produkte gleich sind. Köster hatte 2004 für Solon ein Werk in Greifswald aufgebaut. Die Erfahrung half ihm aber nicht immer weiter: "Ich war der erste Mitarbeiter hier, der erste und einzige am Anfang, und obwohl ich einen Job hatte, obwohl ich knapp 15 Millionen Investition tätigen wollte, habe ich als Geschäftsführer der Firma keine Kreditkarte bekommen."

Olaf Köster, Geschäftführer der Solon Corporation in Tucson (Foto: DW)

Olaf Köster litt gleich unter der "Kreditklemme"

Ein halbes Jahr dauerte es, bis Köster den Banken kreditwürdig erschien. Auch von den Arbeitern, so seine Erfahrung, kann er nicht so viel erwarten wie in Deutschland: "Es gibt hier keine Ausbildung im klassischen Sinne als Maschinenschlosser oder Mechatroniker oder Bürokaufmann. Es basiert alles darauf, dass Mitarbeiter angelernt werden. Das funktioniert soweit ganz gut, bis komplexe Probleme auftreten."

Da wird nachts schon mal der Notdienst geholt, weil die Maschine nicht funktioniert. Und dabei war nur der Stecker nicht in der Steckdose. Die Arbeiter, die erheblich weniger verdienen als in Deutschland, seien es nicht gewohnt, komplexer zu denken und trauten sich auch oft nicht, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, sagt Köster.

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