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Wissen & Umwelt

ExoMars: Europäisch-russische Raumsonde unterwegs zum Mars

Alles hat geklappt, voraussichtlich im Oktober wird die Raumsonde bei unserem Nachbarplaneten ankommen. Das Ziel: Endlich Leben zu finden. Und gleichzeitig den Weg für die erste bemannte Reise zum Mars vorzubereiten.

Es war ein langer Tag. Vor allem für die Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker der ESA und der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos. Doch kurz nach 22:30 Uhr kam das erlösende (optische) Signal der Raumsonde und das bedeutete: Alles gut verlaufen, ihr könnt feiern oder nach Hause gehen, ich bin auf der richtigen Bahn Richtung Mars. Jetzt endlich spürte man Erleichterung und Emotionen, die morgens fast gänzlich fehlte, als die russische Proton-Trägerrakete mit der Raumsonde an Bord vom Raumfahrtbahnhof Baikonur abhob und noch viel passieren konnte.

Jetzt also ist die Raumsonde auf ihrem sieben Monate langen Weg zum Mars.

Gähnen Sie schon beim Lesen? Fragen Sie sich vielleicht - wie viele Raumsonden schicken NASA, ESA und Roskosmos denn noch da hoch? "Wir wollen verstehen", erklärt Pascale Ehrenfreund, die Chefin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, wie Leben in unserem Sonnensystem entstanden ist und dafür müssen wir zum Mars."

Und so ist der Schwerpunkt der Mission ExoMars, konsequenter denn je nach Leben auf dem Roten Planeten zu suchen, nach vergangenem Leben oder Leben, das es dort heute noch gibt.

Die Suche nach Leben

Es werden mit Sicherheit keine intelligenten Lebensformen sein, sagt Paulo Ferri, der Leiter des Missionsbetriebs. Gleichzeitig seien aber viele Wissenschaftler überzeugt, "dass bakterielles Leben in der Vergangenheit auf dem Mars möglich war und vielleicht auch heute noch in verschiedenen Gebieten existiert." Denn es gab flüssiges Wasser auf dem Mars, das wissen wir von früheren Mars-Missionen. Und es gibt Methan - ebenfalls ein Hinweis auf mögliches Leben.

Dieses Spurengas fanden Forscher in Meteoriten, die von Mars-Rovern der NASA gesammelt wurden. "Man weiß", versichert Ferri gegenüber der DW, "dass Methan in der Marsatmosphäre existiert, aber die Prozesse ihrer Entstehung konnte man bislang nicht verstehen." ExoMars soll nun klären, ob das Methan durch biologische Prozesse entstanden ist oder vielleicht doch durch Vulkanismus - das wäre eher enttäuschend.

Das Gerät, das nun die große Aufgabe hat, das Methan zu suchen und zu entscheiden, welchen Ursprung es hat, ist die Atmosphärensonde Trace Gas Orbiter (TGO). Sie ist eine von zwei aneinandergekoppelten Sonden, die jetzt auf dem Weg zum Mars sind. Im Oktober, wenn sie (hoffentlich) den Mars erreichen, trennen sie sich voneinander. Dann wird der TGO in einer Umlaufbahn um den Mars kreisen und mehrere Jahre lang wie eine riesige Nase das Methan erschnüffeln.

Die zweite Sonde heißt Schiaparelli und ist ein Gerät, das auf dem Mars landen soll. Zwar wird sie auch ein paar Tage lang Daten sammeln, aber eher ist Schiaparelli ein Testlandegerät für anstehende Missionen. Damit möglichst keine Fehler passieren, wenn es ernst wird, nämlich wenn die ESA 2018 einen eigenen Rover zum Mars schickt.

Phase 2 startet 2018

Die Rover-Landung ist Phase 2 der ExoMars-Mission. Er soll auf der Marsoberfläche herumfahren und im Boden nach Leben suchen. Denn Wissenschaftler sind sich sicher: Wenn es organische Substanz gibt, dann höchstwahrscheinlich tief im Boden. Dort sind die Lebensbedingungen erträglicher als auf der unwirtlichen und lebensfeindlichen Marsoberfläche. Zwar halten Bakterien jede Menge aus - auch auf der Erde findet man welche, die extreme Hitze oder Kälte überleben oder die sich im salzigen oder sauren Milieu fast ohne Sauerstoff und Licht pudelwohl fühlen.

Bislang war es Rovern nur möglich, ein paar Zentimeter tief zu graben. Der Neue soll immerhin zwei Meter tief in den Boden kommen, erzählt Jorge Vago von der ESA: "Würde Geld keine Rolle spielen, würde ich mir einen Rover wünschen, der zwei Kilometer tief bohrt", lacht er, denn dort seien die Chancen besonders hoch, irgendetwas Lebendiges zu finden.

Natürlich sind die Mars-Missionen auch wichtig, um den nächsten großen Schritt in der Menschheit zu tun - nämlich Menschen zu unserem Nachbarplaneten zu bringen. Eine bemannte Mars-Mission sei keine Utopie, versichert jedenfalls der ehemalige deutsche Astronaut Thomas Reiter der DW: "Da habe ich keine Zweifel, wir Menschen sind Entdecker!"

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