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Afrika

Exodus aus Mogadischu

Nach den heftigsten Kämpfen seit Jahren fliehen weiter tausende Menschen aus Mogadischu. Während die äthiopische Armee ihre Truppen aufstockt, berät die Somalia-Kontaktgruppe in Kairo über ein mögliches Ende der Gewalt.

Mann flieht neben einem zerstörten Auto (Foto: dpa)

Trotz Waffenruhe hört man auf Mogadischus Straßen weiter Schüsse

Die Bilanz der letzten Tage ist auch für die Hilfsorganisationen schwer zu ziehen. Das internationale Komitee des Roten Kreuzes spricht von den stärksten Unruhen in der somalischen Hauptstadt seit 15 Jahren. Die Zahl der Toten wird auf 200, die der Verletzten auf über 500 geschätzt, aber keine der Angaben ist bestätigt. Die Krankenhäuser seien überfüllt, die meisten Verletzungen durch Schüsse, Querschläger, Bombensplitter und Explosionen verursacht worden.

Somalische Frauen auf der Flucht (Foto: AP)

47.000 Menschen flohen innerhalb von zwei Wochen aus Mogadischu

Fast 100.000 Menschen kampieren nach UN-Angaben schon in Lagern im Umland von Mogadischu - und weitere tausende flohen, nachdem die Kämpfe am Montag (2.4.07) nachgelassen hatten. Bereits am Sonntag hatte der oppositionelle Hawiye-Clan eine Waffenruhe verkündet. Augenzeugen in Mogadischu berichteten, erstmals seit fünf Tagen trauten sich Bewohner wieder aus ihren Häusern. Einige hätten damit begonnen, die teils seit Tagen auf den Straßen verwesenden Leichen an Ort und Stelle zu begraben.

Die somalischen Truppen und die verbündete äthiopische Armee hatten ihre Offensive gegen die Islamisten am Donnerstag (29.3.07) noch einmal intensiviert, nachdem die mutmaßlichen Rebellen in den vergangenen Wochen immer wieder Angriffe auf das Militär gestartet hatten. Die mit Hubschraubern und Panzern auf Seiten Somalias und Äthiopiens geführten Gefechte beantworteten die Rebellen mit Maschinengewehren und Mörsergranaten. Eigentlich waren sie schon zum Jahreswechsel von den Regierungstruppen mit Unterstützung Äthiopiens aus der Stadt vertrieben worden.

Friedenstruppe der AU soll Sicherheit schaffen

Die äthiopische Armee war Ende Dezember in Somalia einmarschiert, um die schwache Übergangsregierung im Kampf gegen die islamistischen Milizen zu unterstützen, die bereits große Teile des Landes unter Kontrolle hatten. Auch die Somalia-Kontaktgruppe hatte der Übergangsregierung bei ihrem ersten Zusammenkommen im Juni 2006 ihre Unterstützung ausgesprochen. Die Gruppe kommt am Dienstag (3.4.07) erneut zu einem Treffen zusammen, um über die Lage in Somalia zu beraten. Sie besteht aus Vertretern der Vereinten Nationen, der EU, der USA, Großbritanniens, Nordirlands, Italiens, Schwedens, Norwegens und Tansanias und setzte sich für eine Friedenstruppe für das vom Bürgerkrieg zerrüttete Land unter der Führung der Afrikanischen Union (AU) ein. Der UN-Sicherheitsrat hatte der AU Ende Februar das Mandat zu einem sechsmonatigen Militäreinsatz in dem ostafrikanischen Land erteilt, um die gespannte Sicherheitslage abzusichern.

Ugandische Soldaten (Foto: dpa)

Die ugandische Friedenstruppe wartet noch auf Verstärkung

Diese Friedensmission ist jedoch noch immer nicht voll einsatzfähig. Von den geplanten 8000 Mann sind bislang nur 1500 ugandische Soldaten eingetroffen, die bereits mehrfach Ziel von Anschlägen wurden, obwohl sie nicht direkt in die Kämpfe eingriffen. Zum ersten Mal wurde in den Kämpfen am Wochenende auch ein ugandischer Friedenssoldat getötet. Die äthiopische Armee, die sich eigentlich zum Rückzug bereit erklärt hatte, verstärkte ihre Truppen noch.

Ohne Versöhnungskonferenz keine Finanzhilfen

Obwohl ein Ende der Gewalt nicht absehbar ist, hält auch die Übergangsregierung an ihrem Plan fest, am 16. April eine Versöhnungskonferenz einzuberufen. Dann sollen sich in Mogadischu Vertreter aller Volksgruppen an einen Tisch setzen, um über die Zukunft des kriegsgeplagten Landes zu beraten. Die internationale Gemeinschaft hatte das Treffen zur Bedingung für Finanzhilfen gemacht. (els)

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