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Kultur

Exklusives für die Masse

Apple-Besitzer haben ein besseres Verhältnis zu ihren Rechnern als Windows-Nutzer, das ist statistisch belegt. Doch findet sich die elitäre Kundschaft mit Apples Einstieg in den Massenmarkt ab?

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Auf Erfolgskurs: Apple-Chef Jobs mit dem neuen Mac mini

"Leute, die über einen Wechsel nachdenken, haben nun keine Ausrede mehr", jubelte Steve Jobs auf der Messe Macworld in San Francisco. Die Besucher, mehr Fans als Interessenten, klatschten dem Apple-Chef frenetisch Beifall. Der Grund war billig und trotzdem Apple: Der kleine Heimcomputer Mac mini ist mit seinen knapp 500 Euro laut Apple "der günstigste Mac aller Zeiten". Zusammen mit dem in Preis und Abmessungen ebenfalls winzigem iPod shuffle startet Apple einen Angriff auf den von Windows-PC dominierten Massenmarkt.

Apple iPod Shuffle

Wie der Mac mini ist auch der iPod shuffle für den Massenmarkt ausgelegt

Der Mac mini ist etwa so groß wie fünf gestapelte CD-Hüllen und kommt mit rein gar nichts an Zusatzausstattung daher. "BYODKM - bring your own display, keyboard and mouse" ist Jobs Devise - was für Kunden zusätzliche Anschaffungskosten bedeutet. Auch der iPod shuffle ist spartanisch ausgestattet: So groß wie ein Kaugummipäckchen, ohne Display und mit nur fünf Knöpfen kommt Apples kleinster iPod daher.

Besonderes Verhältnis: Socken für den iPod

Ob der Einstieg in den Massenmarkt wirklich gelingt, ist fraglich. Frühere Versuche scheiterten, erst mit dem iPod begann Apples jüngste Erfolgsgeschichte. Denn zum Mac-User gehört, neben dem Computer, eine ganz bestimmte Haltung zu dem Unternehmen aus Cupertino.

Apple iPod Mini

iPod und iPod mini legten den Grundstein für Apples Erfolg im vergangenen Jahr

Keine andere Gruppe von Elektroniknutzern scheint emotional eine so tiefe Verbindung zu den Geräten zu haben. Welche MP3-Player werden schon an kalten Tagen liebevoll warm eingepackt? Für Apple iPods gibt es Socken - die iPod Socks. Oder wer könnte sich vorstellen, dass Kunden vor einem Media Markt campieren? Die Apfel-Anhänger übernachteten in Schlafsäcken vor dem Apple Retail Store in London, um bei der Eröffnung im November 2004 unter den Ersten zu sein.

Apple hat die zufriedensten Kunden

Diese Verbundenheit schlägt sich nicht nur in Verkaufszahlen, sondern auch in der Statistik nieder: Apple stieß Dell im August 2004 vom Thron des American Customer Satisfaction Index (ACSI), der die Kundenzufriedenheit misst. Fast 100 Prozent der Macianer sind überzeugt, dass ihr Mac eleganter als ein Windows-PC ist. Mehr als 80 Prozent sehen die Geräte auch technisch im Vorteil - nur ein Viertel der Windows-Nutzer widerspricht.

Apple iMac G5

Die Apple Retail Stores in den USA und in London sind Treffpunkt der Mac-Community

Kein Wunder, dass es für das Unternehmen Erfolgsmeldungen hagelt: 4,5 Millionen verkaufte iPods im ersten Quartal 2005, im selben Zeitraum Nettogewinnrekorde, 180 Prozent Wertsteigerung der Aktie seit Anfang 2004. Möglich, dass Mac mini und iPod shuffle den Aufwärtstrend unterstützen, wenn auch vermutlich nicht so stark wie erhofft. Analysten befürchten, dass der Umsatz des kleinen Mac eher auf Kosten der anderen Apple-Produkte gehen könnte. Kannibalismus im eigenen Haus, sozusagen.

Nischenprodukt Apple

"Schicker, einfacher, teurer" steht als Leitsatz in den Apple-Handbüchern. Im Handbuch des Mac mini müsste eigentlich das letzte Attribut ("teurer") wegfallen, denn der Minicomputer ist verhältnismäßig preiswert. Trotzdem wird es wohl einige Zeit dauern, bis Apple damit den Produkten anderer Hersteller gefährlich wird: Momentan liegt der Anteil an Apple-Computern auf dem PC-Markt weltweit unter drei Prozent.

Drastisch erhöht werden wird dieser Anteil wohl nur, wenn Apple neben den günstigen Geräten auch weiterhin das Gefühl des Exklusiven und Besonderen an seine Neukunden vermitteln kann. Denn auch ein Mac ist halt nur ein Computer - wenn auch ein leistungsfähiger, virenresistenter und formschöner.

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