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Kultur

Exilschriftsteller Robert Schopflocher gestorben

Er zählte zu den letzten deutsch-jüdischen Exilschriftstellern und lebte bis zuletzt in Argentinien. Nun ist Robert Schopflocher im Alter von 92 Jahren in Buenos Aires gestorben.

Als Robert Schopflocher 14 Jahre alt war, floh er 1937 mit den Eltern vor den Nazis aus seiner Heimatstadt Fürth bei Nürnberg. Das Ziel war Argentinien. Dort studierte er Agronomie und arbeitete zunächst als Verwalter landwirtschaftlicher Güter. Er schrieb mehrere Fachbücher über landwirtschaftliche Themen - darunter einen Bestseller über Hühnerzucht.

Von der Wissenschaft zur Belletristik

Seine belletristische Ader entdeckte er, als er bereits Mitte 50 war, in den 1980er Jahren. Zunächst verfasste er kurze Artikel in Zeitschriften, später Erzählungen, Romane und Theaterstücke. Allerdings schrieb er nicht auf deutsch, sondern auf spanisch.

In den 1990er Jahren entdeckte er die deutsche Sprache wieder für sich. Seine Werke beschäftigten sich mit Flucht, Vertreibung und Exil sowie all den Begleiterscheinungen der Migration: Ankommen, sich die Fremde zur Heimat machen, das Leben zwischen zwei Kulturen. Auch die argentinische Militärdiktatur (1976-1983) war Thema seiner Erzählungen, schließlich war er erneut Zeuge eines unmenschlichen Regimes.

Erzählungen von Verfolgung und Flucht

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Robert Schopflocher liest das Gedicht 'Stempellied'

In seiner Autobiographie "Weit von wo. Mein Leben zwischen drei Welten" (2010) zeichnet er sein Leben nach: die Flucht vor den Nazis, die neue Heimat in Argentinien - und den Aufstieg und Fall des Diktators Juan Perón. 2013 folgt "Die verschwundenen Kinder", ein Roman über die Verschwundenen während der Militärdiktatur.

Sein letzter Roman, "Das Komplott zu Lima" (2015), erzählt die Geschichte der Judenverfolgung im Lateinamerika des 17. Jahrhunderts: Das Mädchen Elvira muss sich mitsamt seiner Familie vor der Inquisition verstecken und flieht über den halben südamerikanischen Kontinent.

"Die deutsche Stimme Argentiniens"

Robert Schopflocher gehörte zu den 40.000 deutschsprachigen Juden, die vor dem Terror des "Dritten Reiches" nach Argentinien geflohen sind. "Ich kam in kein Konzentrationslager, wurde nicht ausgehungert, lebte nicht im Schatten der Gaskammer und des Krematoriums", schreibt er über seine Gefühle nach der Flucht. "Das Kollektivbewusstsein lässt mich trotzdem nicht los."

Schopflocher galt als "die deutsche Stimme Argentiniens" und wurde mehrfach für sein Werk ausgezeichnet, unter anderem 2008 mit dem Jakob-Wassermann-Literaturpreis seiner Heimatstadt Fürth.

sw/rey (dpa/perlentaucher.de)

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