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Politik

Exil-Tibeter wollen "Reise der Harmonie" nicht mitmachen

Mit Pomp und Tanz soll am Montag das Olympische Feuer in Griechenland entzündet und dann auf eine "Reise der Harmonie" geschickt werden. Die könnte ein jähes Ende nehmen: Exil-Tibeter planen zahlreiche Protestaktionen.

Proben für die Feier in Olympia (23.3.2008, Quelle: AP)

Die süßliche Feier in Olympia könnte von tibetischen Demonstranten gestört werden

"Wir haben alles besprochen und geplant", sagte die Sprecherin der Organisation "Studenten für ein freies Tibet", Lhadon Tethong, am Sonntag (23.3.2008). "Jetzt kommt es auf die internationale Verantwortlichkeit und unsere Aktionen an." Geplant sind zunächst Proteste während des Fackellaufes. Die Organisation strebt darüber hinaus entweder einen kompletten Olympiaboykott, den Boykott der Eröffnungszeremonie oder der Sponsoren der Spiele an.

Die olympische Flamme wird am Montag in Griechenland in einem halbstündigen Ritual in Anwesenheit des Chefs des chinesischen Olympischen Komitees, Liu Qi, sowie vom Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge, entzündet. Sie soll dann nach Peking gebracht werden, von wo aus sie am 31. März zur "Reise der Harmonie" durch fünf Kontinente starten soll. Anne Holmes von der in London ansässigen Organisation "Free Tibet" rief das IOC angesichts der Unruhen in der Region auf, die durch Tibet verlaufende Etappe des Fackellaufs abzusagen. Proteste während des Fackellaufs sind auch wegen Chinas Politik im Sudan und der Verfolgung der Falungong-Sekte geplant, die chinesischen Behörden sorgen sich deshalb besonders über die Stationen der Fackel in London, Paris und San Francisco am 6., 7. und 9. April.

Rogge schweigt sich aus

IOC-Präsident Jacques Rogge (21.3.2008, Quelle: DPA)

Kritik an China? Von ihm nicht

Einen Tag vor der Entfachung des Olympischen Feuers hat sich auch IOC-Präsident Jacques Rogge nach nach tagelangem Schweigen erstmals wieder zu den von China blutig unterdrückten Unruhen in Tibet geäußert - klare Worte waren von ihm aber wieder nicht zu vernehmen. "Wir verfolgen die Ereignisse in Tibet mit großer Sorge", hieß es in einer Presseerklärung des IOC. "Das IOC hat bereits seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass der Konflikt so schnell wie möglich friedlich beigelegt werden kann", sagte der Belgier. Gewalt aus welchem Grund auch immer stehe konträr zu den olympischen Werten und widerspreche dem Geist der Spiele.

Rogge rechtfertigte die Vergabe der Sommerspiele nach Peking (8. bis 24. August) als große Chance. So würden die Olympischen Werte einem Fünftel der Weltbevölkerung nahe gebracht. "Wir glauben, dass China sich dadurch verändern wird." Kritik am Olympia-Gastgeber wegen seines Vorgehens in der autonomen Region Tibet äußerte Rogge nicht.

IOC respektiert Protest - ohne ihn zu unterstützen

Gegen die geplanten Proteste hat IOC-Chef Rogge nichts einzuwenden, er "respektiert" sie – unterstützen will er die Aktivisten jedoch keineswegs: "Wir sprechen regelmäßig mit ihnen - aber wir sind keine politische oder aktivistische Organisation", erklärte Rogge und betonte: "Ohne Zweifel achten wir die Menschenrechte." Die Hauptverantwortung des IOC sei es aber, die bestmöglichen Olympischen Spiele für die Athleten zu organisieren.

Während offene Kritik an China vom IOC also nach wie vor ausbleibt, läuft in Peking die Propagandamaschine heiß: die Anfeindungen gegen die Tibeter werden immer massiver. Am Sonntag beschuldigte China den Dalai Lama, die Olympischen Spiele für das Streben nach Unabhängigkeit zu missbrauchen. Die "Clique des Dalai Lama" wolle die Spiele als "Geisel" nehmen und Peking zum Nachgeben beim Thema "Unabhängigkeit Tibets" zwingen, hieß es in einem am Sonntag in mehreren Zeitungen veröffentlichten Leitartikel.

Chinas Propagandamaschine läuft heiß

Mönch in Lhasa (Archiv, Quelle: AP)

Wieder Ruhe in Lhasa? Unabhängige Informationen sind nicht zu bekommen

Der Autor des Artikels listete gewalttätige Zwischenfälle der vergangenen 50 Jahre auf und nannte den Anspruch der Gewaltfreiheit des geistlichen Oberhaupts der Tibeter "nichts als Lüge". "Es spielt keine Rolle, ob der Dalai Lama und seine Anhänger sich mit dem Deckmantel von Frieden' und 'Gewaltlosigkeit' verkleiden, ihre spalterischen Sabotage-Aktivitäten sind zum Scheitern verurteilt", hieß es.

Bei den Protesten, die am 10. März in Lhasa begannen, wenige Tage später eskalierten und auf andere Landesteile übergriffen, wurden nach neuen offiziellen Angaben mindestens 700 Menschen verletzt. Die Zahl der Toten gibt Peking offiziell mit 19 an, die tibetische Exilregierung in der indischen Stadt Dharamsala spricht von fast hundert Toten. Die chinesischen Sicherheitskräfte griffen gegen die Demonstranten hart durch. Laut Xinhua beruhigte sich am Wochenende die Lage allmählich auch in anderen Regionen Westchinas, die von Protesten betroffen waren. In Ngawa in der Provinz Sichuan, wo vor einer Woche acht Menschen bei Protesten getötet wurden, waren die Geschäfte geöffnet. Eine Bewertung der wirklichen Lage ist jedoch weiterhin schwierig, da China alle ausländischen Journalisten ausgewiesen hat. (mg)

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