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Fokus Osteuropa

Exhumierungen nach Fund eines neuen Massengrabes im Kosovo

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen sind UN-Experten auf ein Massengrab im Kosovo gestoßen. Bei den in Malisevo exhumierten 13 Leichen handelt es sich den bisherigen Ermittlungen zufolge um Serben.

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DNA-Analysen sind für die Identifizierung der exhumierten Leichen zwingend erforderlich

Gerichtsmediziner der UN-Mission in Kosovo, UNMIK, haben nach ersten Ermittlungen festgestellt, dass die aus einem Massengrab in der Gemeinde Malisevo exhumierten 13 Leichname Angehörige der serbischen Gemeinschaft sind, die im Jahre 1998 als vermisst gemeldet wurden. Die DNA-Analysen dauern noch an, um die genaue Identität der Leichen zu klären. Unterdessen arbeiten die Mediziner weiter, um auch die Identität der vor einigen Wochen in einem Massengrab bei Klina entdeckten 21 Leichen zu ermitteln.

Streit über Angaben zur Volkszugehörigkeit

Bei den Leichen in Malisevo handelt es sich um Männer. Der Leiter des UNMIK-Büros für vermisste Personen, José Pablo Baraybar, war zuvor in Lokalmedien und bei Menschenrechtsorganisationen in die Kritik geraten. Er hatte bereits von der serbischer Identität der exhumierten Leichen gesprochen, als die Ermittlungen in dem Massengrab in Malisevo gerade angelaufen waren und sogar die Zahl der Personen noch nicht feststand. Baraybar wies die Vorwürfe zurück. "Es war kein Vorurteil, als ich sagte, dass es sich um Serben handele. Wir öffnen kein Einzel- oder Massengrab in Kosovo, wenn wir nicht wissen, wen wir suchen. Dies haben die ersten Ermittlungen ergeben und dies sind solide Grundlagen und keine Vorurteile", sagt José Pablo Baraybar.

Die ersten, die von Vorurteilen sprachen, waren Vertreter des kosovo-albanischen Menschenrechts-Komitees. Der Generalsekretär der Organisation, Ibrahim Makolli, erklärte: "Wir haben unsere Sorge ausgedrückt, dass man solche Angaben nicht veröffentlichen sollte, bevor die Gerichtsmediziner das letzte Wort gesagt haben. So kann das Vertrauen in die zuständigen Organe verloren gehen. Eine solche Vorgehensweise birgt die Gefahr der Politisierung, die keiner will, da es sich hier um menschliche Schicksale handelt."

Albaner oder Serbe - eine zweitrangige Frage?

José Pablo Baraybar ist der Meinung, dass die Volkszugehörigkeit der exhumierten Leichen in den Massengräbern in Kosovo zurzeit von zweitrangiger Bedeutung sei. "Wir haben keinen Zeitplan für die Ermittlung unserer Informationen erstellt. Wir handeln auf der Grundlage der Daten, die wir haben und stimmen unsere Handlungen nicht mit dem politischen Klima im Kosovo oder anderswo ab. Das heißt, wir handeln nach unserem Ermittlungsstand und es ist nun nicht wichtig, ob die Leichen Albaner oder Serben sind", so Barajbar.

Noch über 3.000 Vermisste

In den letzten zwei Monate wurden in Kosovo zwei Massengräber entdeckt: Eins in Voljake bei Klina mit 21 Leichen und ein anderes in Malishevo mit 13 Leichen. Die bisherigen Ermittlungen zeigen, dass es sich bei allen begrabenen Menschen um Nicht-Albaner handelt, knapp die Hälfte waren Mitglieder der serbischen Gemeinde. Laut dem UNMIK-Büro für vermisste Personen gelten noch über 3.000 Menschen als vermisst. Darunter sind bis zu 1.000 Nicht-Albaner. Die Übrigen - über 2.500 - sind albanischer Volkszugehörigkeit.

Knapp 1.000 identifizierte Leichen von Albanern befinden sich noch in Serbien. Die serbischen Behörden transportieren sie in unregelmäßigen Zeitabständen nach Kosovo. Mit diesem langsamen Rhythmus der Überführung der Leichen sind weder die UNMIK noch die kosovarischen Behörden zufrieden. Sie verlangen, dass diese Frage keinen politischen Charakter annimmt, sondern von beiden Seiten als humanitäre Angelegenheit betrachtet wird.

Bekim Shehu, Prishtina
DW-RADIO/Albanisch, 23.5.2005, Fokus Ost-Südost

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