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Welt

Exempel an Bradley Manning statuiert

Bereits Ende Juli wurde der Obergefreite in 20 von 22 Anklagepunkten für schuldig befunden, unter anderem wegen Spionage und Geheimnisverrats. Jetzt wurde in Fort Meade das Urteil verkündet.

Richterin Denise Lind verurteilte Bradley Manning zu 35 Jahren Haft. Er wurde rückwirkend degradiert und unehrenhaft aus der Armee entlassen. Nach Einschätzung von Professor Morris D. Davis von der Howard Universität in Washington, kann Manning jedoch bei guter Führung damit rechnen, dass er nach acht bis neun Jahren begnadigt wird und freikommt.

Das Urteil wird gemäß amerikanische Militärrecht von einem Berufungsgericht geprüft. Mannings Verteidiger können ferner das Urteil über mehrere Instanzen anfechten. In Washington rechnen Beobachter nicht damit, dass Präsident Obama Manning begnadigt.

Manning brachte Regierung in Erklärungsnöte

In der Urteilsbegründung heißt es, Manning habe sich rücksichtslos verhalten und andere in Gefahr gebracht. Der Obergefreite hatte während seiner Stationierung im Irak von November 2009 bis Mai 2010 etwa 700.000 Dokumente und diplomatische Depeschen, die als geheim eingestuft waren, von Computern des Verteidigungsministeriums heruntergeladen, um sie an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weiterzureichen.

Barack Obama (Foto: Getty Images)

Barack Obama wird Manning wohl nicht begnadigen - vielleicht jedoch sein Nachfolger

Besonders die Veröffentlichungen von Kriegsdokumenten haben weltweit für Aufsehen gesorgt und die US-Regierung in Erklärungsnöte gebracht. Unter anderem wurde so ein Video bekannt, das zeigt, wie ein US-Kampfhubschrauber in Bagdad Zivilisten jagt und tötet. In der Urteilsbegründung heißt es weiter, Manning hätte sich denken können, dass sein Handeln der USA schaden würde.

Weißes Haus schweigt

Jack Janes, einer der wichtigsten politischen Analysten in Washington, zeigte sich von der Höhe des Strafmaßes nicht überrascht. "Das ist nun mal die Folge, wenn man als Soldat das Recht bricht", sagte er. Charles Stimson von der konservativen Heritage Stiftung nennt Manning in einer ersten Reaktion einen "Kriminellen", der seine Schuld vor Gericht auch zugegeben habe. Politiker und Experten könnten jetzt diskutieren, ob Manning ein Informant oder ein Verräter sei. Aber aus juristischer Perspektive sei er ein Krimineller.

Eine offizielle Reaktion des Weißen Hauses zu dem Urteil liegt bisher nicht vor. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die Obama-Administration an dem früheren Nachrichtenanalysten der Armee ein Exempel statuieren will: Andere, die seinem Beispiel folgen wollen, sollen abgeschreckt werden.

Amerikaner sind gespalten

Mannings Handeln spaltet die USA bis heute. Umfragen zufolge glaubt jeder zweite Amerikaner, dass der kleingewachsene Obergefreite den nationalen Interessen der USA geschadet habe und deshalb ein Verräter sei. Fast genauso viele US-Bürger loben das Handeln des Computerexperten und halten ihn für einen Patrioten. Insgesamt hält sich jedoch das öffentliche Interesse an dem Prozess in Grenzen.

Manning-Unterstützer in den USA (Foto: DW)

Für sie ist der Whistleblower ein Held: Demonstranten fordern Mannings Freilassung

Bereits vor Tagen hat Manning selbst in einem Statement vor dem Militärgericht deutlich gemacht, dass er das Urteil akzeptieren werde. Mit blassem Gesicht hat er sich für seine Taten entschuldigt.

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