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Politik

Ex-Taliban wird Gouverneur

Knapp einen Monat nach der Vertreibung der Taliban aus Musa Kala hat die afghanische Regierung einen früheren Taliban-Kommandeur zum Gouverneur des südafghanischen Distrikts ernannt.

Militärs im südafghanischen Distrikt Musa Kala, Foto: AP

Musa Kula ist wird jetzt von Taliban geführt

"Mullah Salam ist zum Distriktchef von Musa Kala bestimmt worden", sagte der Sprecher von Präsident Hamid Karsai, Humayun Hamidsada, am Dienstag (8.1.2008) in Kabul. Die afghanische Regierung hatte erst vor eineinhalb Wochen zwei Diplomaten - einen der EU und einen der Vereinten Nationen - ausgewiesen. Kabul hatte ihnen vorgeworfen, in Musa Kala in der Unruheprovinz Helmand Gespräche mit den radikalislamischen Taliban geführt zu haben.

Afghanische Feuerwehrmännder löschen ein brennendes Auto (Archiv), Foto: AP

Immer noch gehören Selbsmordattentate zum Alltag in Afghanistan

Vor der Operation der afghanischen Armee und der ausländischen Truppen zur Rückeroberung des Distrikts im Dezember hatte der damalige örtliche Taliban-Anführer Mullah Abdul Salam die Seiten gewechselt. Den Soldaten gelang es kurz darauf, die Rebellen in einer viertägigen Offensive aus Musa-Kala-Stadt zu vertreiben. Die Taliban hatten Musa Kala zuvor zehn Monate lang unter ihrer Kontrolle. Hamidsada sagte, Mullah Salam sei daran beteiligt gewesen, "Musa Kala von den Terroristen zu befreien, und er hatte eine Rolle darin, Einigkeit unter den verschiedenen Stämmen herzustellen. Jetzt ist er seinem Volk zu Diensten und genießt die Unterstützung der Regierung."

ISAF hat sich zurück gezogen

Präsidentensprecher Hamidsada betonte am Dienstag, die Ernennung Mullah Salams zum Distriktgouverneur "stimmt mit der afghanischen Regierungspolitik überein. Der Präsident hat gesagt, dass all jene früheren Taliban, die kommen und die Verfassung akzeptieren und die sich am politischen Prozess mit gewaltfreien Mitteln beteiligen wollen, willkommen sind." Der Präsidentensprecher rief andere Taliban-Kämpfer dazu auf, Mullah Salams Beispiel zu folgen. Die Tür stehe für all jene, die auf Grundlage der Verfassung am politischen Prozess mitwirken wollten, immer offen.

Britische Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF hatten sich im Herbst 2006 nach schweren Angriffen der Taliban aus Musa Kala zurückgezogen. Zuvor hatten sich Stammesälteste in einem Abkommen mit der Provinzregierung verpflichtet, die Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen. Nach einem Bombardement der ISAF Anfang 2007 und einem Taliban-Angriff auf Musa Kala war das Abkommen hinfällig. Die Aufständischen übernahmen von vergangenem Februar bis zu ihrer Vertreibung im Dezember die Kontrolle über den Distrikt. Die Rückeroberung galt als der größte militärische Erfolg der afghanischen und ausländischen Truppen im vergangenen Jahr, dem bislang blutigsten in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban. (ina)

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