Ex-Regierungschef der Niederlande Ruud Lubbers gestorben | Aktuell Europa | DW | 14.02.2018
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Aktuell Europa

Ex-Regierungschef der Niederlande Ruud Lubbers gestorben

Wie die niederländische Regierung mitteilte, starb der frühere Ministerpräsident am Mittwochabend im Alter von 78 Jahren in seiner Heimatstadt Rotterdam. Lubbers' Karriere war von Höhen und Tiefen geprägt.

Mit nur 43 Jahren wurde der Christdemokrat Ruud Lubbers 1982 einer der jüngsten Regierungschefs der niederländischen Geschichte. Zwölf Jahre blieb er im Amt - so lange wie kein anderer vor und nach ihm.

Während seiner Regierungszeit brachte der Pragmatiker das Land auf Wachstumskurs. Außerdem wirkte er bei der Reform der EU mit. Lubbers gilt als einer der wichtigsten Architekten des Vertrags von Maastricht aus dem Jahr 1991.

Mann des Kompromisses

Der niederländische Regierungschef Mark Rutte bezeichnete Lubbers als "intelligent und klug". Das Land habe einen "Staatsmann von sehr großem Format" verloren, sagte Rutte der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. Der Verstorbene sei ein "überzeugter Europäer und ein Weltbürger" gewesen.

Lubbers galt als Mann des Kompromisses. Als Premier konnte er mit Atomwaffengegnern ebenso reden wie mit Wirtschaftsbossen. Er regierte sowohl mit den Rechtsliberalen als auch später mit den Sozialdemokraten.

Für seine Nachrüstungspolitik in den 1980er-Jahren musste er allerdings viel Kritik einstecken.

Karriere mit Licht und Schatten

Lubbers war 1939 als Sohn eines wohlhabenden Industriellen geboren worden. Aufgewachsen ist der gläubige Katholik mit zehn Geschwistern. Er studierte Wirtschaft und stieg anschließend in das Familienunternehmen ein. 1967 wurde er Vorsitzender des niederländischen Verbands christlicher Arbeitgeber. Sechs Jahre später wurde er als 34-Jähriger Wirtschaftsminister seines Landes.

Während seiner Karriere musste Lubbers allerdings auch Niederlagen hinnehmen. 1994 scheiterte er bei dem Versuch, Chef der EU-Kommission zu werden. Ein Jahr später blieb ihm das Amt des NATO-Generalsekretärs verwehrt. Stattdessen wurde er Leiter des UN-Flüchtlingshilfswerks. 2005 musste er von dieser Funktion nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung zurücktreten. Lubbers wies die Anschuldigungen stets zurück.

mak/cgn (dpa, afp)