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Aktuell Deutschland

Ex-NPD-Funktionär gesteht Waffenlieferung

Ein früherer NPD-Funktionär hat der Zwickauer Terrorzelle anscheinend die Pistole geliefert, mit der zwischen 2000 und 2006 neun Ausländer ermordet wurden. Der 32-jährige Carsten S. legte ein Geständnis ab.

Bei den Ermittlungen zur Neonazi-Mordserie könnte geklärt sein, woher die wichtigste Tatwaffe kam. Der Verdächtige Carsten S., der Anfang Februar in Düsseldorf festgenommen worden war, hat nach Angaben seines Verteidigers gestanden, dass er den Untergetauchten eine Handfeuerwaffe samt Schalldämpfer geliefert habe. Hierbei habe es sich "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" um die Ceska 83 gehandelt, welche bei neun Morden an Geschäftsleuten ausländischer Herkunft verwendet wurde.

Wie der Anwalt weiter mitteilte, war Carsten S. von Herbst 1998 bis Sommer 2000 Kontaktperson zwischen den untergetauchten Mitgliedern der Zwickauer Terrorzelle und dem ehemaligen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben, der ebenfalls als mutmaßlicher Helfer der Gruppe in Untersuchungshaft sitzt. Der Verteidiger erklärte aber, S. habe bis November 2011 nichts von geplanten oder begangenen Straftaten der Terrorzelle gewusst.

Verdächtiger schilderte Tatbeitrag

Der Generalbundesanwalt Harald Range erklärte, der 31-Jährige habe in den Vernehmungen umfangreiche Angaben gemacht. Range sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Er hat sich zu seinem eigenen Tatbeitrag geäußert. Und er hat - nach unseren Erkenntnissen auch glaubhaft - gesagt, dass er sich schon vor Jahren aus der rechtsextremistischen Szene gelöst hat."

Der ehemalige NPD-Funktionär Carsten S. (Foto: dapd)

Legte ein Geständnis ab: Der ehemalige NPD-Funktionär Carsten S.

Carsten S. hatte zuletzt in Düsseldorf gelebt, wo er an der Fachhochschule Sozialpädagogik studierte und als Berater der Aids-Hilfe arbeitete. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm mittlerweile Beihilfe zu zehn Morden und einem Mordversuch vor - also sämtlichen Mordtaten, die der Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund zugerechnet werden. Für den Tatbestand Beihilfe kommt es nicht darauf an, ob die Waffe bei den einzelnen Taten konkret eingesetzt wurde, sondern es kann ausreichen, wenn eine Waffe grundsätzlich zur Verfügung stand.

Staatsakt in Berlin

Bei der zentralen Gedenkfeier in Berlin bat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Angehörigen der Opfer rechtsextremistischer Gewalt um Verzeihung. Die Verbrechen der Neonazi-Zelle NSU seien "eine Schande für Deutschland", sagte Merkel in ihrer Rede. Die Gesellschaft sei zu gleichgültig gewesen. Die Kanzlerin sicherte zu, der Staat werde alles zur Aufklärung der Morde tun und mögliche Hintermänner ihrer gerechten Strafe zuführen.

Bei dem ungewöhnlich emotionalen Staatsakt am Berliner Gendarmenmarkt kamen auch zwei Töchter von Ermordeten zu Wort. Sie beschrieben, wie sehr sie unter den falschen Verdächtigungen gegen ihre getöteten Väter leiden mussten und sprachen von der Hoffnung auf eine Zukunft, die von mehr Zusammenhalt geprägt ist. An dem Gedenken gut drei Monate nach Aufdeckung der Morde an neun Zuwanderern und einer Polizistin beteiligten sich viele Bürger in Betrieben, Behörden und Schulen mit Schweigeminuten.

kle/haz (dpa, dapd)

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