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Nach dem Super-GAU

Ex-Manager wegen Atomkatastrophe von Fukushima vor Gericht

Zweimal hatte die Staatsanwaltschaft eine Anklageerhebung abgelehnt. Nun stehen erstmals ehemalige Führungskräfte des Atombetreibers Tepco vor einem Strafgericht: Sechs Jahre nach dem nuklearen Desaster in Japan.

Japan Proteste gegen drei Tepco Manager Gerichtsprozess zu Fukushima Katastrophe (Getty Images/AFP/T. Yamanaka)

Demonstranten in Tokio fordern harte Urteile gegen die drei Tepco-Verantwortlichen

Den drei ehemaligen Managern aus der Führungsetage von Tokyo Electric Power Co. (Tepco) wird Fahrlässigkeit mit Todesfolge vorgeworfen. Sie werden beschuldigt, die Gefahr eines gewaltigen Tsunami missachtet zu haben und damit Schuld an der Atomkatastrophe vom März 2011 in Fukushima zu sein. Mehr als sechs Jahre nach dem Super-GAU stehen in Tokio damit Verantwortliche des japanischen AKW-Betreibers vor Gericht.  

Sie sind die einzigen Menschen, die wegen des schwersten Nuklearunglücks seit der Katastrophe von Tschernobyl strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden. Die Ex-Manager verneigten sich auf der Anklagebank, als sie sich bei den Angehörigen der Opfer entschuldigten, plädierten aber auf unschuldig.

Japan Proteste gegen drei Tepco Manager Gerichtsprozess zu Fukushima Katastrophe (picture-alliance/AP Images/Y. Shimbun)

Protestkundgebung vor dem Bezirksgericht in Tokio zum Auftakt des Prozesses gegen die Tepco-Manager

Jahrelang hatten die Angehörigen dafür gekämpft, den damaligen Tepco-Vorstandsvorsitzenden Tsunehisa Katsumata und die Tepco-Vizepräsidenten Sakae Muto und Ichiro Takekuro vor Gericht zu bringen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Anklageerhebung unter Verweis auf mangelnde Beweise und geringe Erfolgsaussichten zweimal abgelehnt. Ein mit Laien besetzter Ausschuss zur Überprüfung von Justizentscheidungen ordnete jedoch 2015 ein Verfahren gegen die drei Männer im Alter zwischen 66 und 77 Jahren an.

Kernschmelze

Im den Atommeilern von Fukushima Daiichi waren infolge eines schweren Erdbebens und Tsunamis am 11. März 2011 die Kühlsysteme ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Drei der sechs Reaktoren wurden bei der Katastrophe zerstört, das Gebiet im weiten Umkreis wurde radioaktiv verseucht und ist bis heute unbewohnbar.

Zum Prozessauftakt kündigte der Staatsanwalt nun an, er werde beweisen, dass die Angeklagten das Risiko eines verheerenden Tsunamis vorhersehen konnten und trotzdem keine Konsequenzen zogen. Denkbar gewesen seien zum Beispiel hohe Tsunami-Schutzmauern.

Nach seinen Worten nahmen die damaligen Tecpo-Leiter an Konferenzen teil, bei denen Experten das erhöhte Tsunami-Risiko vor der Küste von Fukushima darlegten. Ihnen hätten auch Studien vorgelegen, wonach eine zehn Meter hohe Tsunami-Welle in dem AKW zu einem Stromausfall und schweren Folgen führen könne. "Wenn sie ihre Verantwortung wahrgenommen hätten, wäre der Unfall nie passiert", erklärte der Staatsanwalt.

Einflussreiche Atomlobby 

Eine unabhängige Kommission war bereits 2012 zum Ergebnis gekommen, dass die Katastrophe vorhersehbar und vermeidbar war. Es handele sich um ein "Desaster von Menschenhand". Verantwortlich sei das Beziehungsgeflecht zwischen Staat und Atomlobby. Erst kürzlich hatte ein Gericht eine Mitschuld des Staates festgestellt. Der Staat und Tepco hätten sich der Nachlässigkeit schuldig gemacht. 

Den Angeklagten drohen bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe in Höhe von einer Million Yen (7800 Euro). Mit einem Urteil wird erst im kommenden Jahr gerechnet. 

Durch das Erdbeben und die meterhohe Flutwelle waren rund 18.500 Menschen ums Leben gekommen. In Folge des Atomunglücks gab es offiziell keine Todesfälle. Die Anklage wegen Fahrlässigkeit mit Todesfolge bezieht sich auf den Tod von mehr als 40 Krankenhauspatienten, die nach dem Atomunglück hastig in Sicherheit gebracht worden und später gestorben waren.

SC/sti (afp, APE, dpa)